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Freude, die selbst einen Dänen übermannen kann. afp
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Freude, die selbst einen Dänen übermannen kann. afp

EM 2021

Neue Idole

  • Thomas Kilchenstein
    VonThomas Kilchenstein
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Fast wie 1992: Dänemark ist nach einer epochalen emotionalen Kraftanstrengung auf dem besten Weg zum Europameister der Herzen.

Wahrscheinlich kann Kasper Schmeichel die alten Geschichten längst mehr hören. Bei der Geburtstagstafel von Tante Astrid, in Buddinge bei Kopenhagen, ist stets davon berichtet worden, komm Peter erzähl doch mal, wie seid ihr damals, 1992 in Schweden, Europameister geworden. Peter lässt sich dann meist nicht lange bitten, er, Peter Schmeichel, stand damals ja im Tor der Dänen, die eigentlich längst im Urlaub waren und nur wegen der Disqualifikation von Jugoslawien drei Tage vor dem EM-Turnier einspringen durften, manche kamen aus dem Urlaub, in Badelatschen sozusagen. „Wir waren eine verschworene Bande“, erzählt Peter dann, Brian Laudrup war dabei, Fleming Povlsen, Henrik Larsen, Kim Vilfort oder der für Köln spielende Henrik Andersen, der sich früh die Kniescheibe brach, Kinder, was für Zeiten, danish dynamite halt, zu Mc Donalds sind wir gegangen. Und wie wir die Deutschen im Finale besiegt haben, 2:0. Aber das sagte ich schon. Ja, Papa, mehrmals.

Bald 30 Jahre danach sind die Dänen wieder dabei, bei einer Europameister Geschichte zu schreiben, jetzt nachdem sie sich nach einem epochalen 4:1-Erfolg als erste Mannschaft in der EM-Historie fürs Achtelfinale qualifiziert hatten, die zuvor ihre beiden ersten Gruppenspiele verloren hatte. Und an diesem Abend herrschte ein ganz besonderes Flair im Kopenhagener Stadion Parken, es wurde eine magische Nacht, eine von denen, die man als Däne nie vergisst. Da wuchs eine Elf weit über sich hinaus, die psychisch und mental über alle Maßen gestresst war durch den lebensbedrohlichen Zusammenbruch ihres Mitspielers Christian Eriksen im ersten Spiel. Da nahm eine tapfere Mannschaft ihr Herz in beide Hände, die mehr durchgemacht hat als alle je vor ihr. „Wir sind“, sagte der sehr empathische und enorm an Statur gewonnene Trainer Kasper Hjulmand, „durch ein tiefes Tal gegangen“.

Das Meistern dieser Extremsituation hat die Gruppe noch enger zusammen geschweißt, sie hat aus diesem einschneidenden Erlebnis eine enorme Kraft gewonnen, eine Dynamik, eine Spannung, die sich am Montag Bann brach und die sie jetzt ins Achtelfinale geführt hat, am Samstag in Amsterdam gegen Wales. Dieser Zusammenhalt der Gruppe war es, der dieses kleine Wunder möglich gemacht hat, eines, dass den Dänen jeder von Herzen gönnte. Es war ein Zusammenspiel zwischen enthusiastischem Kopenhagener Publikum und den Spielern auf dem Rasen, da war ein Band, das alle verbunden hat. „Die Dänen haben uns Flügel verliehen“, fand Hjulmand wieder die richtigen Worte. „Sie haben uns so viel Liebe gegeben.“ Ohne sie wäre es nicht gegangen. Hinterher zog er sprichwörtlich den Hut vor seinem Team, das als Geheimfavorit in dieses Turnier gegangen war und das Tage des blanken Entsetzens hinter sich gebracht hat. „Ich kann nicht verstehen, wie sie das schafften konnten, nachdem, was sie durchgemacht haben.“ Nur neun Tage nach der Tragödie.

Nach der Partie hatte Christian Eriksen, der sich zu Hause in Odense von seinem Herzstillstand erholt, eine Botschaft via Whatsapp ans Team geschickt, applaudierende Hände und „Dannebrogs“, der dänischen Flagge, mehr brauchte er nicht zu sagen.

„Diese Fußballer haben sich in die Herzen der Dänen gespielt. Sie haben den Mädchen und Jungen zu Hause einige Idole gegeben“, fand Hjulmand, einst beim FSV Mainz 05 gescheitert. Idole wie einst Peter Schmeichel, Brian Laudrup oder Fleming Povlsen, Stars des 92er-Kaders. Damals überstanden die Dänen die Gruppenphase ebenfalls als Zweiter und nur einem Sieg, einem 2:1 über Frankreich. Im Halbfinale bezwangen sie nach Elfmeterschießen die Niederlande, ehe die Krönung im Finale wartete. mit dpa

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