Wurde ins deutsche EM-Aufgebot nachnominiert: David Schmidt (TVB Stuttgart),
+
Wurde ins deutsche EM-Aufgebot nachnominiert: David Schmidt (TVB Stuttgart),

Handball-Nationalmannschaft

Der nächste Ausfall

Den deutschen Handballern fehlen gleich sieben Rückraumspieler bei der Europameisterschaft.

Als die nächste Hiobsbotschaft kam, hatte Bundestrainer Christian Prokop sofort eine Lösung parat. „Mit der Absage von Franz Semper fällt uns erneut ein Rückraumrechter aus, der eine hohe Durchschlagskraft besitzt“, sagte Prokop nach dem Ausfall des Leipziger Linkshänders: „David Schmidt wird nun mit Kai Häfner zusammen die Position Rückraum rechts ausfüllen. Ich hoffe, dass er die im Verein gezeigten Leistungen voll in die Nationalmannschaft einbringen kann.“

Dabei ist der gesundheitsbedingte Verzicht von Franz Semper im Hinblick auf die EM in Norwegen, Österreich und Schweden (9, bis 26. Januar) ein weiterer Schlag für Prokops Planungen. Semper, der wegen ärztlich diagnostizierter Zeichen einer Herzmuskelentzündung zunächst ein dreiwöchiges Sportverbot hat, ist der siebte Rückraumspieler und nach Fabian Wiede (Berlin/Schulter-OP) und Steffen Weinhold (Kiel/Fußverletzung) der dritte Linkshänder aus dem WM-Kader von 2019, der im ursprünglichen EM-Aufgebot fehlt.

Auch die Rückraumspieler Simon Ernst (Berlin), Tim Suton (Lemgo/beide Kreuzbandriss) und Niclas Pieczkowski (Schulter-OP) hatten sich abgemeldet. Balingens Spielmacher Martin Strobel, bei der WM vor Jahresfrist von einem Kreuzbandriss gestoppt, fühlt sich nach langer Reha noch nicht wieder bereit für ein großes Turnier.

Wiede in Bonn operiert

Wiede ist inzwischen in Bonn an der lädierten Schulter seines Wurfarms operiert worden. Der Linkshänder muss voraussichtlich vier Monate pausieren. Das gaben die Füchse am Neujahrstag bekannt. Bei der WM im vergangenen Jahr war Rückraumspieler Wiede ins Allstar-Team berufen worden.

„Absagen sind nie cool“, sagte Torhüter Johannes Bitter vor seinem Comeback: „Aber damit dürfen wir uns jetzt gar nicht mehr beschäftigen.“ Sondern lieber mit dem, was die deutschen Handballer bei der paneuropäischen EM erreichen können und auch unbedingt wollen. Bitter hat nach neunjähriger Turnierpause das EM-Fieber gepackt. „Ich bin voller Vorfreude auf die Lehrgangswoche und auf die EM“, sagt er. „Wir haben absolut das Potenzial, eine Medaille holen zu können. Es muss für eine deutsche Mannschaft immer das Ziel sein, mindestens ins Halbfinale zu kommen.“

Das findet auch sein Torhüterkollege Andreas Wolff, „und wenn ich mir unser Team anschaue, bin ich sicher, dass wir dieses Ziel erreichen werden, solange wir zusammen unsere Stärken ausspielen“, sagte der 28-Jährige dem Nachrichtenportal t-online.de.

Prokop bleibt cool

Und Prokop? Der bleibt ohnehin – zumindest äußerlich – gelassen. „Wir werden niemanden im Rückraum dabei haben, der das Spiel über 50 Minuten an sich reißen muss, der aber über 20, 30 Minuten seine Topleistung ins Team bringen soll“, sagte der Bundestrainer. Auch für ihn ist das Halbfinale ein Meilenstein, den es zu erreichen gilt. Allerdings gibt es da noch etwas anderes, an dem Prokop den Erfolg der EM festmacht, nämlich „die Art und Weise, wie wir als Mannschaft auftreten. Wir wollen viele Sportfans in Deutschland mitnehmen und in den Bann des Handballs ziehen.“

Die DHB-Auswahl kommt am 2. Januar in Frankfurt am Main zur unmittelbaren Turniervorbereitung zusammen und startet nach Länderspielen gegen Island (Mannheim, 4. Januar, 17.20 Uhr/ZDF) und Österreich (Wien, 6. Januar, 14.40 Uhr/ARD) in die EM. In der Gruppenphase trifft Deutschland im Spielort Trondheim auf die Niederlande (9. Januar, 18.15 Uhr/ZDF), Spanien (11. Januar, 18.15 Uhr/ARD) und Lettland (13. Januar, 18.15 Uhr/ZDF). (sid)

Kommentare