Rafael Nadal: „Ich habe kein Problem damit, dass mein Nachbar ein schöneres Haus, ein größeres Boot oder ein tolleres Auto hat.“
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Rafael Nadal: „Ich habe kein Problem damit, dass mein Nachbar ein schöneres Haus, ein größeres Boot oder ein tolleres Auto hat.“

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Nadals Bo(o)tschaften

  • Jakob Böllhoff
    vonJakob Böllhoff
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Ein wahrer Champion: Mit seiner Bescheidenheit und Demut macht Tennis-Profi Rafael Nadal es auch seinen Konkurrenten nicht schwer, ihm jeden Erfolg zu gönnen. Der Kommentar.

Man könnte meinen, Rafael Nadal habe nicht alle Tassen im Schrank. Den Rekord für die meisten Grand-Slam-Triumphe (20) mag der Spanier sich ja seit Neuestem mit Roger Federer teilen, aber jenen für die meisten Ticks auf dem Tennisplatz hat er gewiss für sich allein. Keine Bewegung auf dem Court, die nicht irgendwie Ritual wäre. Das Zupfen an der Kleidung und am Gesicht, die Umwege auf dem Weg zum Seitenwechsel, um ja auf keine Linie zu treten, und wer beobachtet, wie Rafael Nadal seine Trinkflaschen vor der Bank millimetergenau ausrichtet, ahnt, dass der Mann wahrscheinlich doch alle Tassen im Schrank hat. Sie dürften aufs Genaueste verräumt sein.

„Trauriges Gefühl“ in Paris

Ein bisschen Irrsinn muss wohl sein, um im Sport zu den Größten aller Zeiten zu gehören. Mit 34 Jahren ist Nadal das, was man ohne jeden Zweifel als lebende Legende bezeichnen sollte. Er wird als bester Sandplatzspieler in die Geschichte eingehen, wobei man die Zukunft in die Geschichte ruhig schon mit reindenken darf. Einen wie ihn hat es noch nie gegeben, einen wie ihnen wird es nie wieder geben.

Mit seiner Bescheidenheit und Demut macht Rafael Nadal es auch seinen Konkurrenten nicht schwer, ihm jeden Erfolg zu gönnen. Federer, 39 mittlerweile und auf seine eigene Art ausgesprochen einzigartig, hat seinem großen Rivalen gleich nach dem historischen Triumph am Sonntag in Paris öffentlich gratuliert mit einer noblen Grußbotschaft. Zwischen den beiden Granden hat sich eine Freundschaft entwickelt, geprägt vom Respekt für den anderen, obwohl sich ihr Rennen um den Grand-Slam-Rekord immer weiter zuspitzt.

Das hat viel mit Nadals Charakter zu tun. Auf dem Platz mag er sich wie ein neurotisches Raubtier benehmen, außerhalb ist der Mallorquiner ein reflektierter, ruhiger Mensch. Zur Rekordjagd mit Federer sagte er: „Ich habe kein Problem damit, dass mein Nachbar ein schöneres Haus, ein größeres Boot oder ein tolleres Auto hat. Mir geht es darum, dass ich zufrieden bin. Mit dem, was ich erreicht habe. Und das bin ich auch, wenn ich nicht die meisten Titel habe.“ Die Corona-Pause verbrachte Nadal daheim auf Mallorca, ohne jedes Getöse, er trainierte, ging angeln. Von einem „traurigen Gefühl“ sprach er zu Beginn der French Open, „aber es muss sich wohl auch so anfühlen. Es muss traurig sein. Es gibt eine Menge Menschen in der Welt, die gerade leiden.“

Es sind die Worte eines wahren Champions.

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