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Münchner Lichtblicke

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Von: Günter Klein, Nico-Marius Schmitz

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Niemand fliegt so weit: Malaika Mihambo bei ihrem Sprung in der Qualifikation. dPa
Niemand fliegt so weit: Malaika Mihambo bei ihrem Sprung in der Qualifikation. dPa © dpa

Weitspringerin Malaika Mihambo und Geher Christopher Linke trotzen allen Widrigkeiten

Als das Gesicht der deutschen Leichtathletik, die Weitsprung-Queen, die Hoffnungsträgerin: Malaika Mihambo wurde auch vor der Europameisterschaft wieder mit Superlativen überhäuft. ARD-Experte Frank Busemann hatte zuvor gesagt, dass sich der Druck endlich mal auf ein paar mehr deutsche Sportler verteilen müsse. Aber mit Druck umgehen, das kann Mihambo. Am Dienstagvormittag sorgte die 28-Jährige für Lärm im insgesamt noch überschaubar besetzten Olympiastadion und qualifizierte sich in gewohnt souveräner Manier für das Finale. Die Blöcke vor der Weitsprunganlage waren allesamt schon gut gefüllt. Natürlich, jeder will den deutschen Star sehen.

Nach der WM infizierte sich Mihambo mit dem Corona-Virus. Fühlte sich müde und schlapp, konnte zehn Tage nicht trainieren. „Das Gefühl von Unsicherheit über das eigene Leistungsvermögen bleibt. Man startet aus der kalten Hose raus“, sagte sie. Beim Einstieg in den Wettkampf war der erste Versuch dann ungültig, lange gezittert werden musste aber nicht. 6,99 Meter im zweiten Versuch – alle Restzweifel weggesprungen.

Im Finale am Donnerstag (20:58, ARD) greift die Olympiasiegerin von Tokio und Weltmeisterin von Eugene dann auch nach dem Europameistertitel. Es wäre der dritte große Triumph innerhalb von zwölf Monaten, das Mihambo-Triple. Die Vorstellung in der Qualifikation untermauerte ihren Favoritenstatus. Schon in den letzten Trainingseinheiten vor München habe sie gemerkt, dass sie durch die Quarantäne nicht so viel verloren hat. „Es ist natürlich noch mal was anderes, das unter Wettkampfbedingungen hinzubekommen, das gelingt vielen Athleten nicht.“

Mihambo macht seit Jahren so gut wie keine Fehler in den Wettbewerben, dominiert den Weitsprung. Und, wenn mal etwas nicht passt, wie beim ungültigen Versuch am Dienstag, wird sofort korrigiert. „Kein Problem. Ich wusste genau, woran es lag. Das konnte ich ohne Zittern aussteuern.“ Es ist das Vertrauen in den eigenen Körper, in die eigenen Fähigkeiten. Mihambo hofft nun, dass sie sich bis zum Finale noch mal besser fühlt: „Ich freue mich, dass so viel noch da ist. 6,99 sprechen ja auch irgendwo für sich.“

In den Katakomben der traditionsreichen Hauptsportstätte der Olympischen Spiele 1972 gab es auch eine herzliche Umarmung von Teamkollegin Hanna Klein, die sich als Dritte über 1500 Meter sicher für das Finale qualifizierte.

„Bei den Europameisterschaften merkt man, die deutsche Leichtathletik ist nicht tot. Aber sie braucht vielleicht noch ein bisschen was, um in die absolute Weltspitze vorzudringen“, sagte Mihambo. „Wir haben schon sehr viele Medaillen geholt, mit ein bisschen Glück sogar noch mehr. Ich freue mich für das Team, dass es besser läuft als in Eugene.“

Auch an Corona erkrankt

Am Dienstag freute sich der Verband über Silber von Geher Christopher Linke über 35 Kilometer. Das war allemal überraschend, hatte der Mannschaftsarzt doch zu dem Geher gesagt: „Aus medizinischer Sicht bist du einsatzfähig, aber mache dir keine Hoffnungen.“ Linke hatte sich bei der WM in Eugene Corona eingefangen, er blickt zurück: „Neun Tage lang war ich positiv, und drei Tage hatte ich es richtig dolle. Mir ist das Handy hinters Bett gefallen, und ich konnte es nicht alleine aufheben.“

So gesehen war es dann ein kleines medizinisches Wunder, dass der Potsdamer bei der EM erstmals eine Einzelmedaille gewann: Silber über die 35 Kilometer in persönlicher Bestzeit von 2:29:30 Stunden. Wobei es nicht so war, dass er auf einer Wolke die Münchner Ludwigstraße hinauf- und hinuntergeschwebt wäre. „Ich hatte Schienbeinschmerzen, typische Geherkrankheit und musste bei Kilometer sechs und zehn Schmerzmittel nehmen“, und auch die letzten zehn Kilometer, auf denen sich sein Erfolg hinter dem Spanier Miguel Angel Lopez (2:26:49) andeutete, „konnte ich nicht genießen“. Letztlich führte der 33-Jährige seinen Erfolg darauf zurück, „dass ich locker reingegangen bin und mich vom Medaillendruck gelöst habe“. Er ist einer, der in seiner Karriere bei großen Events auf fünfte und mal einen vierten Platz abonniert zu sein schien.

Vielleicht fügte sich aber auch alles – man darf abergläubisch sein –, weil er am Vorabend den Marathon-Europameister Richard Ringer am Hotelfahrstuhl traf und dem früheren Zimmerpartner („Zu U20-Zeiten“) zum Gold gratulierte. Ringer sagte: „Ich wünsche dir das Gleiche.“ Linke: „Ey, du hast gewonnen.“ Ringer: „Dann wünsche ich dir gute Beine – ich hatte keine.“ Und auch Geher Linke fühlte sich anfangs nicht gut: „Ein Glück, dass es extrem langsam losging. Die ersten zwei, drei Kilometer waren Eingehen.“ Fünfter wurde Jonathan Hilbert (2:32:44), der Silbermedaillengewinner von Tokio auf den 50 Kilometern. Die traditionsreiche längste Strecke der Leichtathletik wurde gestrichen und durch die 35 ersetzt – was die kleine Szene aufgewühlt hat. mit dpa

Schnellen Schrittes zu Silber: Geher Christopher Linke. dpa
Schnellen Schrittes zu Silber: Geher Christopher Linke. dpa © dpa

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