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Auch die Sache mit Novak Djokovic ist irgendwie völlig verrückt – so wie vieles in der Welt des Sports.
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Auch die Sache mit Novak Djokovic ist irgendwie völlig verrückt – so wie vieles in der Welt des Sports.

KOMMENTAR

Mordist Sport

  • Jakob Böllhoff
    VonJakob Böllhoff
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Man rechnet ja mit allem inzwischen, auf der Welt, im Sport. Und alles passiert. Das wirklich Verstörende an der Sache ist, dass sie gar nicht verstört.

Der englische Fußballerstligist Newcastle United hat am Donnerstag einen verstörenden Transfer getätigt. Der Neuseeländer Chris Wood wechselt vom FC Burnley nach Newcastle, von einem Abstiegskandidaten zu einem anderen also. Die Ablösesumme beträgt: 30 Millionen Euro. Für einen 30-jährigen Stürmer, der in dieser Saison in bislang 18 Spielen drei Törchen geschossen hat.

Die obszöne Summe ist das eine. Das andere ist das Blut, das an ihr klebt – wie im Grunde an allem, was Newcastle macht, seit die neuen Eigentümer da sind. Im Oktober hat der saudi-arabische Staatsfond PIF den Klub übernommen, dessen Vorsitzender der Kronprinz selbst ist, Mohammed bin Salman. Der Mann, der zum Beispiel für die barbarische Ermordung des Journalisten Jamal Khashoggi verantwortlich ist. PIF zahlte 2019 monatlich 120 000 US-Dollar an ein New Yorker PR-Unternehmen, um diplomatischen Schaden für die saudische Regierung abzuwenden. Jetzt kauft er Chris Wood aus Burnley für 30 Millionen, damit Newcastle nicht absteigt.

Dazu fällt einem dann eigentlich auch nichts mehr ein.

Das wirklich Verstörende an der Sache ist, dass sie gar nicht verstört. Man rechnet ja mit allem inzwischen, auf der Welt, im Sport. Und alles passiert. Knapp zusammengefasst, was gerade so los ist im Bereich Leibesübungen: Dem weltbesten Tennisspieler, Novak Djokovic, droht die Ausweisung aus Australien, wo er in Melbourne seinen Titel bei den Australian Open zu verteidigen gedenkt. Djokovic ist ohne Corona-Impfung ins Land gekommen, obwohl die Australier in der Regel nur Geimpfte reinlassen. Nun stimmt was mit der Ausnahmegenehmigung nicht (und mit Djokovic insgesamt), es ist hässlich, sehr hässlich, und es wird kein schönes Ende nehmen, so oder so.

Das wäre das. Zeitgleich bahnen sich die Olympischen Winterspiele in China an und damit in einem Staat, in dem es mit den Menschenrechten nicht weit her ist. Beim Internationalen Olympischen Komitee zuckt man mit den Schultern: Mit Politik habe man nun wirklich nichts zu tun. Ein Boykott, nicht nur ein diplomatischer, ohne Politiker und Politikerinnen, sondern so ein richtiger, ohne alle? Auch schon zu spät. Kann man den Sportlern nicht antun und auch nicht den Sportlerinnen.

Ständig ist es schon zu spät. Auch an der Fußball-WM in Katar, nächsten Winter, wird nicht mehr gerüttelt, obwohl auch das eine Veranstaltung ist, die schwer daneben ist, auf deren Baustellen wohl viele tausend Arbeiter ums Leben kamen, für Stadien, die hinterher sinnlos in der Gegend rumstehen werden, wie Mahnmale des Schwachsinns. Mag sein, dass sich etwas gebessert hat im Land, durch die Aufmerksamkeit. Doch was passiert hinterher, wenn das Flutlicht woanders hinscheint?

Nein, es ist nicht neu, dass der Sport seine Unschuld verloren hat. Aber zurzeit, wegen Corona, tut es besonders weh. Als Ablenkung könnte man ihn gut gebrauchen. Stattdessen präsentiert der Sport einem doch wieder nur die Symptome einer kränkelnden Welt, bornierte Menschen, alles zersetzendes Kapital. Man möchte davonlaufen, am liebsten ins Fußballstadion ... ach.

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