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Mit vielen Facetten

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Von: Markus Katzenbach

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Plötzlich im Vordergrund: Der Frankfurter Alexej Dmitriev lässt zwei Freiburger stehen.
Plötzlich im Vordergrund: Der Frankfurter Alexej Dmitriev lässt zwei Freiburger stehen. © IMAGO/Beautiful Sports

Der souveräne Playoff-Erfolg gegen Freiburg zeigt: Der große Trumpf der Löwen Frankfurt ist die Tiefe des Kaders

Es war, wie so oft, schon etwas später, als der Mannschaftsbus wieder vor der Eissporthalle am Ratsweg vorfuhr, 2.15 Uhr am frühen Mittwochmorgen, mit lauter müden, aber zufriedenen Frankfurter Löwen. Auf dem schnellsten Weg nach Hause, so wie sie zuvor auf dem schnellsten Weg ins Halbfinale vorgedrungen waren. „Die Stimmung war gut, aber nicht überschwänglich“, berichtete Franz-David Fritzmeier von der Rückreise durch die Nacht, zurück aus dem Breisgau, nicht mehr, nicht weniger, und ergänzte: „Alle waren zufrieden, dass wir den ersten Schritt geschafft haben.“ Und sich mit der Art und Weise nebenbei eine kleine schöpferische Pause in der heißesten Eishockeyzeit des Jahres verdient haben, anders als mancher Konkurrent.

Vier Spiele, vier Siege, sieben Tage – mehr brauchten die Meisterschafts- und Aufstiegsanwärter in der DEL 2 nicht, um ihrer Favoritenrolle gegen die Freiburger Wölfe gerecht zu werden. Ebenso wie übrigens die Ravensburg Towerstars in ihrer Viertelfinalserie gegen die Eispiraten Crimmitschau. „Ziemlich souverän“, urteilt Sportdirektor Fritzmeier zurecht. „Wir mussten schon dagegenhalten, Freiburg hat alles gegeben. Aber da wir auch sehr bereit waren, hat sich unsere spielerische Klasse durchgesetzt.“

„Jeder will scharf bleiben“

4:2, 4:1, 5:1, 8:4 – wirklich Gefahr, eine Begegnung zu verlieren, liefen die Löwen nicht, auch nicht in der etwas wilderen und wechselhaften vierten und letzten am Dienstagabend. Auch die in der Not zunehmende Freiburger Härte sorgte im Verlauf der Serie zwar für noch mehr Playoff-Atmosphäre, änderte aber nicht viel. „Wir haben geantwortet, uns nicht den Schneid abkaufen, aber auch nicht aus der Ruhe bringen lassen“, sagt Fritzmeier über gelegentliche Faustkampfeinlagen mit Spektakelcharakter, indes ohne große Folgen.

Ziemlich souverän eben, nicht zuletzt dank der Kraft aus vollen und gut besetzten Löwen-Reihen. „Da gab es keinen Ausfall. Im Endeffekt hat unsere Qualität in der Tiefe entschieden“, meint der Manager. „Aber so haben wir die Mannschaft ja auch gebaut. Wir brauchen jeden. Und jeder muss gleich helfen können, wenn er reinkommt.“

Dass Abwehrchef Bobby Raymond und der sonst gesetzte Stürmer Ryon Moser fehlten, fiel so kaum ins Gewicht, da machten sich unter anderem auch die fünf Nachverpflichtungen bezahlt. „Wir konnten den Jungs, die angeschlagen sind, eine Pause gönnen, und mussten keinen aufs Eis schicken, der nicht hundertprozentig fit war.“ In der Verteidigung überzeugten Reid McNeil und Davis Vandane, im Angriff die prominenten Rückkehrer Adam Mitchell und Brett Breitkreuz sowie Nathan Burns. Und statt Moser stürmte eben Alexej Dmitriev, vorher etwas außen vor, gegen Freiburg aber mit guten Auftritten.

Bezeichnend für die kollektive Löwen-Stärke: Wie in der Hauptrunde schießen sie bislang auch in den Playoffs die meisten Tore der Klasse, stellen aber keine ligaweiten Highscorer – weil sich Tore und Vorlagen in Frankfurt auf mehrere Schultern verteilen. Und unterschiedliche Typen, wie den robusten Breitkreuz oder den trickreichen Dylan Wruck, „Für den Gegner sind wir so schwer auszurechnen“, glaubt Fritzmeier. „Wir haben sehr viele Facetten, es ist alles da.“

Was jetzt kommt? Als Hauptrundenerster empfangen die Löwen den laut Tabelle schlechtesten Viertefinalsieger – die Heilbronner Falken, sollten sie drei etwas überraschenden Siegen gegen die Dresdner Eislöwen einen vierten hinzufügen. Oder, sollte Dresden doch weiterziehen, in einem Hessen-Duell die Kassel Huskies oder den EC Bad Nauheim, in deren Viertelfinale es 2:2 steht.

Während die Konkurrenz noch ums Halbfinale kämpfen muss, können sie sich zwei freie Tage gönnen. Dann werden die Zügel wieder angezogen. „Jeder weiß, dass wir die Regeneration brauchen, aber keiner will in den Urlaubsmodus“, erklärt Franz-David Fritzmeier. „Jeder will scharf bleiben, die Spannung hochhalten. Dafür müssen wir jetzt gut trainieren“. Und nebenbei gespannt warten, wer denn nun am 31. März zum ersten Halbfinale an den Ratsweg kommen darf.

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