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Mit Schal und Regenjacke

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Von: Frank Hellmann

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Kickt 2023 in Australien: Alexandra Popp.
Kickt 2023 in Australien: Alexandra Popp. © Robert Michael/dpa

Mit der Auslosung der WM 2023 in Australien und Neuseeland wird dem DFB gewahr, was für Herausforderungen warten - und wie wenig nachhaltig das nächste Turnier ist

Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg hatte den Termin sich schon vor Monaten rot in einem großen Terminkalender daheim in Straelen notiert. Markiert die Auslosung der Endrunde für die Frauen-WM in Australien und Neuseeland (20. Juli bis 20. August 2023) doch den nächsten Meilenstein für die wiedererstarkten deutschen Fußballerinnen. Nach der Zeremonie im Aotea-Zentrum im neuseeländischen Auckland (Samstag 8.30 Uhr MESZ) kennt Voss-Tecklenburg die sportlichen Aufgaben fürs nächste Großereignis, wohl wissend, dass die logistischen und klimatischen Herausforderungen mindestens ebenso anspruchsvoll werden dürften.

Fast unmöglich scheint es, dass ihre EM-Heldinnen erneut ein Millionenpublikum am Fernseher in der Heimat mitnehmen. Die meisten Spiele laufen wegen bis zu elf Stunden Zeitverschiebung in der Nacht oder am frühen Morgen.

Erstmals spielen 32 Teams mit, nachdem der für Expansionspläne aller Art empfängliche Fifa-Präsident Gianni Infantino bei der noch mit 24 Teilnehmern ausgetragenen WM 2019 in Frankreich die Ausweitung zu einer Herzensangelegenheit erklärt hatte. Nichts sichert dem Impresario mehr Zustimmung, als wenn immer mehr Länder bei einer WM mitmachen. Ob bei den Männern, Frauen oder dem Nachwuchs. Fraglich, ob das aufgeblähte Feld mit deutlich größeren Kontingenten für Asien, Afrika oder Südamerika wirklich dem Fortschritt des Frauenfußballs dient.

In den Loskugeln stecken drei Platzhalter: Für jenes Trio, das über internationale Playoffs im Februar 2023 erst noch ermittelt werden muss. Es hoffen noch Länder wie Chinese Taipeh, Haiti, Panama, Paraguay oder Papua-Neuguinea. Der zweifache Weltmeister Deutschland, der mit den beiden Gastgebern, Titelverteidiger USA, Schweden, England, Spanien und Frankreich zu acht gesetzten Mannschaften gehörten, sollte in jedem Fall locker das Achtelfinale erreichen.

Weit verteilte Spielorte

An dem Turnier ist auch gut zu besichtigen, wie die Fifa sich die Welt macht, wie sie ihr gefällt. Ungeniert wird ja damit geprahlt, wie nachhaltig es doch sei, dass sich bald bei der Männer-WM in Katar alles in Doha ballt. Und die weiteste Entfernung zwischen zwei Stadien nur 75 Kilometer beträgt. Die Frauen-WM ist alles andere als kompakt. Die zehn Stadien in neun ozeanischen Städten – vier in Neuseeland, fünf in Australien – sind weit verteilt. Von Perth an der Westküste bis nach Brisbane an der Ostküste sind es mal eben 3000 Kilometer. Hinzu kommt: Es ist Winter. Mancherorts wartet kühles, regnerisches Wetter. Nicht umsonst wurde just eine Pinguindame namens Tazuni zum offiziellen Maskottchen ernannt worden. Schal und Regenjacke einpacken, lautete die globale Botschaft.

In der Gruppenphase bleiben die Teams zwar noch in einem Land, aber spätestens ab der K.o. Phase wird wild gemischt. Der ökologische Fußabdruck, den auch mitreisende Fans erzeugen, wird gigantisch sein. Es wirkt in dem Zusammenhang fast lächerlich, dass sich Deutschland für die gemeinsame Bewerbung um die Frauen-WM 2027 mit den Verbänden der Niederlande und Belgien aus Gründen der Nachhaltigkeit drauf beschränkt hat, nur vier Spielorte in Nordrhein-Westfalen auszuwählen – damit alle mit Bus oder Zug reisen.

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