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Die nächste verpasste Chance: Jonas Hector (l).
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Die nächste verpasste Chance: Jonas Hector (l).

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Mit Hector in der Hölle

  • Jakob Böllhoff
    VonJakob Böllhoff
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Das ewige und sich gerade zuspitzende Missverständnis in der Beziehung Presse - Sportler:in erhält durch Fußballer Jonas Hector und Tennisspielerin Naomi Osaka neue Nahrung.

Das Interview war logisch aufgebaut. Zu Beginn machte der Dazn-Reporter Jonas Hector das faire Angebot, „Dampf abzulassen“ nach dem 0:1 gegen Kiel. Als nächstes folgte die Frage, „wie leer“ er sich jetzt fühle. Weil der enttäuschte Kölner Fußballer sich anfangs allerdings geweigert hatte, Dampf abzulassen, fühlte er sich nicht leer, sondern hitzig voll, und nun kam es zu einer Gasexplosion, die dieses bemerkenswerte Gespräch in tausend Wortfetzen riss („dumme Fragen stellen ist ihr Job, das machen sie gut“), ironischerweise darin resultierend, dass sich Hector am Ende doch noch irgendwie entleert hatte, also emotional-rhetorisch. „Darauf habe ich jetzt wirklich gar keine Antwort“, sagte er, gefragt nach der mentalen Komponente vor dem Relegationsrückspiel in Kiel, und wirkte annähernd amüsiert.

Etwas weiter hinten in diesem Sportteil finden sie einen Text über die Tennisspielerin Naomi Osaka, die angekündigt hat, bei den French Open keinerlei Interviews zu geben, weil, wie ihr auf Pressekonferenzen bewusst würde, „die Leute keine Rücksicht auf die psychische Verfassung der Athleten nehmen.“ Offenbar gehe es der Presse nur darum, „eine Person zu treten, die bereits am Boden liegt“. Führt man Jonas Hectors jetzt schon legendäres Fernsehinterview, das in der nach oben offenen Rudi-Völler-Skala einen Top-Score erzielt, und Osakas Boykottankündigung zusammen, erhält man das Bild eines ewigen und sich gerade zuspitzenden Missverständnisses in der Beziehung Presse - Sportler:in.

In der dampfenden Emotionalität nach dem Spiel fühlt sich fast jede Frage provokant an. Gleichzeitig wird von Field-Reporter:innen das kritische Nachhaken erwartet, am besten originell, jenseits vom Standard des „Warum hat ihr Team verloren?“ Bloß jetzt nicht blöd fragen, schien sich auch der Dazn-Reporter zu denken, als Jonas Hector vor sein Mikrofon trat. Es war sein letzter Gedanke, bevor er in die mit gut gemeinten Fragen austapezierte Interviewhölle stürzte.

Diese Dinge sind Teil des Jobs. Man darf ja dankbar sein für reflektierte und aufgeweckte Typen wie Hector, der genau zuhört und nachdenkt, statt auf Autopilot zu schalten wie viele seiner Kollegen. Aber ein bisschen netter könnte er schon sein.

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