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Die Deutsche Malaika Mihambo spring auf 7.07 Meter (Weltjahresbestleistung).

Weitsprung

Mihambo schon im Olympia-Modus

Nach ihrem beeindruckenden Triumph beim ISTAF Indoor ist klar: Der Olympiasieg wird in Tokio nur über Malaika Mihambo gehen.

Ein Hauch von Tokio war zu spüren, als ein Party-Schlager dröhnte und Malaika Mihambo überglücklich in jede Handykamera grinste, die ihr ein Selfie-Jäger nach dem anderen vor die Nase hielt. So oder noch besser könnte die Fete werden, falls um den Hals von Deutschlands Weitsprung-Star in knapp einem halben Jahr wirklich Olympia-Gold baumelt. Die Nerven dafür hat sie, das hat ihr spektakulärer 7-Meter-Coup beim ISTAF Indoor in Berlin bewiesen.

Erst 6,99 m an gleicher Stelle im Vorjahr, dann der Höhepunkt beim Gewinn der WM in Doha, als sie auf 7,30 m sprang – und nun schon wieder über sieben Meter. 7,07 m, um genau zu sein. Zum ersten Mal in der Halle. „Ich würde also sagen, die Tendenz geht immer noch steil bergauf, und ich bin optimistisch, dass mit dem neuen Meeting-Rekord die Saison gut beginnen kann“, bilanzierte Mihambo nach ihrem Sieg in Berlin am Freitag.

Eigentlich war Mihambo ganz unzufrieden

Die Zahlen sind das eine, wie sie zustande kommen, das andere. Denn eigentlich war es nicht wirklich Mihambos Wettkampf dort vor 12 500 Zuschauern, die der Weltmeisterin bei jedem Sprung zujubelten, als hätte sie tatsächlich schon in Tokio gewonnen. Eigentlich war Mihambo ganz schön unzufrieden, zu selten traf sie das Brett voll, um ganz weit zu fliegen.

„Ich war meistens zu weit weg und musste lange Schritte machen und bin dann gar nicht ins Steigen gekommen“, analysierte sie. Doch dann folgte dieser letzte, sechste Sprung. „Beim letzten Versuch habe ich versucht, ganz locker zu sein und den ganzen Schwung vom Publikum mitzunehmen“, sagte sie.

Das gelang, denn statt „nur“ 6,84 m standen plötzlich 7,07 m auf der Anzeigetafel. Das ist nicht nur Weltjahresbestleistung und Meeting-Rekord beim ISTAF – damit ist Mihambo auch die erst dritte Deutsche, die nach Heike Drechsler (Bestleistung 7,37 m) und Helga Radtke (Bestleistung 7,09 m) in der Halle über sieben Meter sprang. Eine Ansage an die internationale Konkurrenz mit Blick auf Olympia (24. Juli bis 9. August).

Diese Weite, sagte sie danach, sei nur durch ihren Trainer und das Publikum möglich gewesen, eben weil es vorher nicht rund lief. Das stimmt jedoch nur zum Teil. Es ist vor allem diese Abgezocktheit und das totale Vertrauen in sich und den eigenen Körper, die Mihambo auch unter immensem Druck fast unbesiegbar erscheinen lassen.

Sie sagt, ihr sei diese mentale Stärke „in die Wiege gelegt“, aber die 26-Jährige arbeitet auch mit einem Psychologen oder beim Meditieren selbst hart daran. Ständig befindet sie sich im Zwiegespräch mit sich selbst, nimmt Erfolg nicht als selbstverständlich an und warnt davor, einen Olympia-Sieg bereits als „Selbstläufer“ zu betrachten.

Denn nur zu wissen, dass man sieben Meter springen kann, so sagte Mihambo, reiche nicht, um auf dem Level der Allerbesten die Beste zu bleiben. Sie müsse „es auch zeigen können unter allen Bedingungen“ – egal, ob zwei, drei oder fünf Sprünge zu kurz gingen. Und das kann Mihambo wie keine Zweite. (sid)

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