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Mick Schumacher: Aus der Sonne in den Schatten

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Von: Ralf Bach

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Hat laut Haas-Teamchef Günther Steiner sein Aus „wie ein Erwachsener aufgenommen“: Mick Schumacher.
Hat laut Haas-Teamchef Günther Steiner sein Aus „wie ein Erwachsener aufgenommen“: Mick Schumacher. © dpa

Das Formel-1-Aus für Mick Schumacher ist besiegelt, seinen Job beim Haas-Team erhält Nico Hülkenberg.

Stand er am Ende einfach nur Haas-Teamchef Günther Steiner in der Sonne? Das Aus von Mick Schumacher beim US-Team wirft für viele Expert:innen kein gutes Licht auf den Südtiroler an der Spitze des Formel-1-Teams. „Mick stand mehr im Fokus als sein Teamchef. Kann gut sein, dass Steiner damit ein Problem hat. Er repräsentiert leider den Zeitgeist, dass heute einige Teamchefs wichtiger sein wollen als die Fahrer“, schimpft Ralf Schumacher. Nicht nötig zu erwähnen, dass der als Micks Onkel befangen ist – aber mit seiner Aussage steht er nicht allein.

Steiner selbst will davon natürlich nichts wissen, lobt die Konstanz von Micks Nachfolger Nico Hülkenberg und verweist ansonsten gönnerhaft darauf, dass Mick die Entscheidung „wie ein Erwachsener aufgenommen“ habe. Zumindest mit Letzterem liegt er richtig. „Ich will nicht verhehlen, dass ich über diese Entscheidung sehr enttäuscht bin“, teilte Schumacher via Twitter mit: „Aber ich habe eine Menge gelernt und weiß ganz sicher, dass ich einen Platz in der Formel 1 verdiene. Für mich ist dieses Kapitel nicht geschlossen, Rückschläge machen einen nur stärker.“

Die Optionen des Rekordweltmeister-Sohn sind jedoch übersichtlich, aktuell sind nur die Posten als Ersatzfahrer bei Alpine und Mercedes frei. 2024 dürfte er dann beim Neu-Einsteiger Audi im Cockpit Platz nehmen. Warum aber vertraut Haas fortan lieber auf Schumachers zwölf Jahre älteren Landsmann Hülkenberg? Weil Steiner dessen Erfahrung aus 181 Grand-Prix-Starts höher bewertet als den Speed und jugendlichen Sturm und Drang, den junge Piloten nun mal haben. In der Szene genießt Hülkenberg, der 2014 für Porsche auf Anhieb die legendären 24 Stunden von Le Mans gewinnen konnte, einen exzellenten Ruf. Allerdings: Zuletzt war der Emmericher nur als Feuerwehrmann im Einsatz, wenn ein Fahrer mit Covid ausfiel.

Für Racing Point und Aston Martin kam er in den vergangenen zwei Saisons zu vier Einsätzen, konnte dabei stets überzeugen. Seine letzte Saison als Stammpilot (2019 für Renault) liegt allerdings schon drei Jahre zurück. In der Zwischenzeit ist „Hulk“ Vater geworden, genoss ein bisschen das Leben abseits vom „Hamsterrad Formel 1“, wie er es selbst beschrieb. Doch nach der Babypause juckt es ihn noch einmal in den Fingern.

Bereits vor Wochen hat er wieder das Trainingspensum erhöht, um fürs Comeback in Form zu kommen. Daran, dass Hülkenberg es noch kann, zweifeln die Wenigsten: „Haas braucht im eng umkämpften Mittelfeld zwei erfahrene Piloten und Nico ist dazu genau der richtige Mann, das hat er schon so oft unter Beweis gestellt“, urteilt Jolyon Palmer. Er war 2017 sein Teamkollege bei Renault, im Jahr davor auch von Magnussen.

Dass er dem Deutschen nicht das Wasser reichen konnte, musste der Brite schnell einsehen und schätzt Hülkenberg dabei noch stärker ein als Magnussen: „Nico ist nicht nur enorm begabt, sondern auch ein harter Arbeiter. Er war sauschnell und saß dann noch endlos mit den Technikern zusammen. Bei ihm schoss mir durch den Kopf: ‚Das ist mal ein echter Profi!‘ Das hatte ich zuvor noch nie erlebt.“

Einen Vorzug streicht Aston-Martin-Ingenieur Tom McCullough heraus: „Nico besitzt nicht nur massives Talent, du kannst dich auch in sämtlichen Situationen auf ihn verlassen!“ Böse Überraschungen sind bei Hülkenberg also unwahrscheinlich. Und: Hülkenberg wird Steiner nicht so viel Mediensonne nehmen wie es ein Schumacher machte.

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