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Alexandra Popp hat als Kapitänin der DFB-Frauen bei der WM auch ihre Erfahrungen gesammelt.

Frauenfußball-Nationalmannschaft

Mehr miteinander reden

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In der EM-Qualifikation will Kapitänin Alexandra Popp anders vorgehen als bei der WM.

Die Auszeichnung erfolgt mit ein bisschen Verzögerung. Zum Neustart der deutschen Frauen-Nationalmannschaft mit dem Auftakt der EM-Qualifikation gegen Montenegro (Samstag 12.30 Uhr/ARD) wird Alexandra Popp nachträglich für ihr 100. Länderspiel geehrt. Aber nicht mal Popps Eltern oder ihr Lebensgefährte schaffen es, im Kasseler Auestadion vor Ort zu sein. „Mir war erst gar nicht bewusst, dass noch was kommt, aber es erfüllt mich mit Stolz“, sagt die Kapitänin.

Ihr Jubiläum hatte sich eigentlich am 22. Juni im Alpenstadion von Grenoble bei der Frauen-WM ereignet. Mit ihrem Tor beim 3:0 im Achtelfinale gegen Nigeria war die Angreiferin vom VfL Wolfsburg endgültig im Turnier angekommen und ihre Jubelgeste, wie E.T. nach Hause zu telefonieren, verkörperte die ganze Glückseligkeit. Eine Woche später der radikale Stimmungsumschwung: Mit einer ins defensive Mittelfeld zurückgezogenen Torjägerin kassierten die DFB-Frauen ein 1:2 im Viertelfinale gegen Schweden. Damit war der Traum von den Olympischen Spielen geplatzt. Popp hat am Ausscheiden so sehr geknabbert, dass sie sich Halbfinale und Finale nicht mal im Fernsehen anschaute.

Würde ihr heute auf dem Weg zur EM 2021 in England das 49. Länderspieltor gelingen, hat sich Popp überlegt, trotzdem wieder die Botschaft vom Außerirdischen auszusenden. „Ich gehe davon aus, dass diese Geste mein Merkmal wird.“ Ansonsten soll sich aber einiges verändern – das ist das Ergebnis der intensiven Aussprache unter der Woche in verschiedenen Sitzungen. „Die Köpfe haben geraucht“, verrät Popp. Man habe nach kontroverser Debatte nun „einen gemeinsamen Fahrplan“ festgelegt, der zuvorderst einen Mentalitätswandel vorsieht. Mehr Mut, Festigkeit und Widerstandskraft fordert Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg ein, wobei ihre wichtigste Vertraute auf dem Platz zu bedenken gibt: „Mentalität lässt sich aus meiner Sicht nicht antrainieren. Das hat viel mit der eigenen Vita, mit der Umgebung, mit dem Aufwachsen zu tun.“

Dass Popp zeitweise die in finanzielle Schwierigkeiten gelangte Familie unterstützte oder sich als einziges Mädchen auf dem Berger Feld unter den Schalker Talenten behaupten musste, hat ihren Reifeprozess geprägt. Kopierbar ist dieser Weg nicht. Dass sich die deutschen Fußballerinnen beispielsweise ein bisschen von der WM-Ikone Megan Rapinoe abschauen können, bestätigt Popp: „Sie hat diese US-amerikanische Art verkörpert, nach lauten Aussagen auch auf dem Platz zu liefern. Dieser Charakter ist schon beeindruckend.“ Kann sich aber auch nur entfalten, wenn der Verband den Rahmen so weit spannt, dass sogar politische Botschaften erlaubt sind.

Beim deutschen Team soll die Stimmung intern nicht immer so harmonisch gewesen sein, wie das über die Social-Media-Kanäle verbreitet wurde. „Wir haben ganz unterschiedliche Charaktere, die teilweise ganz anders denken. Heute sage ich auch, dass ich noch zu ruhig war und das eine oder andere mehr hätte ansprechen können – vor allem hätte ich mehr mit dem Team reden können“, räumt Popp ein. „Das habe ich nicht ausreichend getan und das kreide ich mir im Rückblick auch an. Für mich ist klar, dass ich in nächster Zeit in jegliche Richtungen mehr reden werde.“

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