„Aus meinem Jahr kann man eigentlich einen Film machen“, sagt Alexander Zverev.
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„Aus meinem Jahr kann man eigentlich einen Film machen“, sagt Alexander Zverev.

Alexander Zverev

Meer statt Tennisplatz

Nach seinem frühen Aus bei den ATP Finals fasst Alexander Zverev seinen Wunsch für 2021 ins Auge: „Drei Grand-Slam-Siege“.

Wenn Alexander Zverev ans nächste Jahr denkt, weiß er genau, was er will. Als er nach seinem frühen Aus bei den ATP Finals nach seinen drei Wünschen für 2021 gefragt wird, kommt die Antwort schnell: „Drei Grand-Slam-Siege“, antwortet der beste deutsche Tennisspieler prompt. Dann nennt der 23-Jährige noch: „Dass mein Kind gesund auf die Welt kommt.“ Und natürlich wolle auch er, dass die Corona-Krise ende.

Schon ein Grand-Slam-Sieg im nächsten Jahr wäre sensationell, es wäre sein erster. Aber egal, welche sportlichen Dramen der Hamburger nach der Turnierpause abliefern wird, klar scheint, dass es um ihn nicht so schnell langweilig werden wird. Schließlich ist seine frühere Freundin Brenda Patea von ihm schwanger. Weltweit im Fokus steht er, weil ihm eine andere Ex-Freundin, Olga Scharipowa, vorwirft, gewalttätig geworden zu sein, was er stets zurückweist.

Für die neuen Herausforderungen auf und abseits des Platzes sammelt der Weltranglisten-Siebte nun erst einmal Kraft. Auf den Malediven will er mit seinem Bruder Mischa Zverev, dessen Familie und einem Kumpel Abstand von all den Turbulenzen in seinem Leben gewinnen. Am Ende eines außergewöhnlichen Tennis-Jahres verspürt der Beinahe-US-Open-Sieger Lust auf Sonne, blauen Himmel und Meer.

„Aus meinem Jahr kann man eigentlich einen Film machen“, fasste er nach dem 3:6, 6:7 (4:7) gegen den serbischen Topstar Novak Djokovic zusammen, lachte und verabschiedete sich erst einmal von der Tennis-Bühne, auf der er in den vergangenen Monaten in der Tat reichlich Stoff geboten hatte. Das dritte Gruppenspiel bei den ATP Finals in London war für ihn das letzte Match des Jahres. „Ich habe mehr erlebt als in den normalen Jahren, glaube ich. Was Tennis betrifft, was das Leben betrifft. Mein Jahr war sehr interessant.“

Es gebe viel, worauf er aufbauen könne. „Es war generell ein relativ positives Jahr für mich. Ich habe viele neue Erfahrungen gesammelt. Natürlich wollte ich ein paar mehr Matches gewinnen, vor allem die wichtigen und die großen“, sagte der Weltranglisten-Siebte.

Titel Nummer zwölf und 13

Die kurzfristig ins Programm gehobenen Turniere in Köln hatte Zverev im Oktober gewonnen und die Titel zwölf und 13 seiner noch immer jungen Karriere geholt. Die Bilder, die von den sportlichen Ereignissen aus diesem Jahr hängen bleiben werden, sind aber andere: Die Umarmung mit Dominic Thiem am Ende des Dramas bei den US Open, als er in seinem ersten Grand-Slam-Finale den Titel hätte holen können, wenn nicht müssen. Und sein erster Halbfinal-Einzug bei den Australian Open, als er mit Spenden für die Opfer der Buschbrände Sympathien sammelte.

Körperlich dürfte der ATP-Finals-Sieger von 2018 am Ende dieser coronabedingt verkürzten Saison nicht so erschöpft sein wie sonst. Mental aber schon, wegen der Gewalt-Vorwürfe. „Was soll ich noch sagen, ich habe alles gesagt. Es gibt nichts mehr, was ich machen kann“, wiederholte Zverev zu den aus seiner Sicht „falschen Anschuldigungen“. Er wisse nicht, was passiert ist und lehne Gewalt natürlich ab, meinte Djokovic: „Ich hatte immer eine gute Beziehung zu ihm.“ Die von ihm mit organisierte und missglückte Adria-Tour mit rücksichtslosem Verhalten in der Corona-Krise und Corona-Fällen, darunter auch Djokovic, gehört mit zu Zverevs filmreifem Jahr.

Wie das neue Jahr beginnen wird und wann es für Zverev zum traditionellen Auftakt nach Australien geht, ist noch offen. Wann die Tennisprofis einreisen und ob die Australian Open vom 18. bis 31. Januar wie geplant stattfinden, ist fraglich. Nach dem Urlaub aber beginnt die Vorbereitung. (dpa)

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