meyer_180920
+
DFB-Mediziner Tim Meyer.

Neue Bundesliga-Saison

Zuschauer in der Bundesliga: Massentests für sicheren Stadionbesuch

  • Jan Christian Müller
    vonJan Christian Müller
    schließen

DFB und DFB unterstützen umfangreiche wissenschaftliche Studien zur Fan-Rückkehr. Mediziner Tim Meyer warnt vor übereilten Schritten. Volle Arenen gibt es erst mit einem Impfstoff.

Wie groß ist die Ansteckungsgefahr mit dem Coronavirus beim Besuch der Fußballstadien in der an diesem Wochenende beginnenden Bundesligasaison? Um Antworten auf diese bedeutende Frage näher zu kommen, investieren Deutsche Fußball-Liga (DFL) und Deutscher Fußball-Bund (DFB) gemeinsam eine Millionensumme in insgesamt vier umfangreiche Studien. Der inzwischen wegen des gelungenen Hygienekonzepts der abgelaufenen Saison zu einiger Berühmtheit gekommene Saarbrücker Professor Tim Meyer, Chef der Task Force Sportmedizin, sagte am Freitag in einem virtuellen Pressegespräch: „Es ist zum Thema Zuschauerzulassung fast kaum Wissen vorhanden, sondern nur viel Meinung und Spekulation. Auch Politiker würden nicht behaupten, dass sie gesicherte Erkenntnisse darüber haben. Wir hoffen, dass das durch unsere Untersuchungen besser wird.“

Meyer, zugleich Arzt der deutschen Nationalmannschaft, will mit der Unterstützung der Studie ein Stück mehr Gewissheit schaffen. Das Ziel ist es dabei auch, „Fragen zu beantworten, die den Klubs unter den Nägeln brennen“. Und sicher auch dem Publikum, das gerne wissen würde, ob das Infektionsrisiko mit Covid-19 beim Besuch eines Fußballspiels höher ist als im Alltag. Grundsätzlich geht der angesehene Mediziner davon aus, dass vollständig gefüllte Stadien erst möglich sind, wenn ein Impfstoff entwickelt worden ist.

Hoher Aufwand

Neue Handspielregel

Die Regelhüter des Fußballs haben für die Saison 2020/2021 die Handspielregel erneut modifiziert. Die Ifab (International Football Association Board) hat definiert, dass bei angelegtem Arm die Grenze zwischen potenziell strafbarem (Arm) und nicht strafbarem Handspiel (Schulter) auf Höhe der Achselhöhle liegt.

In der vergangenen Saison galt, wenn ein angreifender Spieler in der Entstehung eines Tores oder eine Torchance den Ball unabsichtlich mit der Hand berührt, die verteidigende Mannschaft einen Freistoß bekommt. Ab sofort gilt: Strafbar bleibt das nur noch, wenn der Ball auf diese Weise zu einem Mitspieler springt und „umgehend“ ein Tor oder eine Torchance folgt. Ob es dadurch mehr Klarheit gibt, darf bezweifelt werden. (FR)

Der Aufwand für die Studie und weitere begleitende Untersuchungen ist hoch: 20 000 bis 30 000 Stadionbesucher sollen sich zu freiwilligen Massentestungen bereiterklären, um ein valides Ergebnis herbeizuführen. Sie werden an mehreren Standorten allesamt vor dem Besuch der Spiele getestet, Bewegungsmuster innerhalb und außerhalb der Arenen werden verfolgt, ausgewählte Businessbereiche werden gescreent, um zu schauen, welche Rolle Aerosole in geschlossenen Räumlichkeiten für die Ausbreitung des Virus spielen. Sodann werden die Probanden zehn Tage nachverfolgt. Die Ergebnisse sollen in acht bis zehn Wochen vorliegen.

Der Kommentar zum Bundesliga-Auftakt: Wenn Fans fremdeln

Die Studie fordert Maskenpflicht, bis der Platz erreicht ist, dort darf die Maske abgenommen werden. Aber Doc Meyer ist natürlich klar, „dass sich nicht alle Menschen immer optimal verhalten.“ Das soll die Ergebnisse der Untersuchungen umso lebensnäher machen. Die nachvollziehbare Argumentation: „Wenn wir 5000 Komparsen zu Studienzwecken zu einem Testspiel in ein Stadion einladen, verhalten die sich anders als Besucher bei einem richtigen Fußballspiel.“

Der Mediziner rät grundsätzlich zu einem vorsichtigen Vorgehen „in kleinen Schritten, die wir beherrschen können“, auch in Anbetracht dessen, dass zwei Champions League-Spiele aus dem Frühjahr in Mailand und Liverpool als Superspreader-Events identifiziert wurden, bei denen sich viele Menschen infiziert haben könnten.

Bundesligastart: Die Liga auf wackeligen Beinen

Spätestens im Oktober, erwartet Meyer die Ergebnisse von zwei Studien, an denen die Bundesligaprofis und deren Staff im Geisterspielbetrieb der vergangenen Saison teilnahmen. Dabei wurden die rund 1900 Personen mehrfach darauf getestet, ob sie Antikörper auf das Coronavirus gebildet haben. Die Ergebnisse könnte dazu beitragen, herauszufinden, wie hoch die Dunkelziffer an Coronakranken in dieser Alterstruktur im Land ist.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare