Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Fraglos ein Massenevent: Beim Berlin-Marathon machen sich Abertausende Läufer auf die Strecke - hier der Startschuss aus dem September 2019.
+
Fraglos ein Massenevent: Beim Berlin-Marathon machen sich Abertausende Läufer auf die Strecke - hier der Startschuss aus dem September 2019.

Der 39 Jahre alte Äthiopier Kenensia Bekele ist Topfavorit in Berlin

Marathon: Der laufende Feldversuch in Berlin

  • Frank Hellmann
    VonFrank Hellmann
    schließen

Der Berlin Marathon mit 25 000 Teilnehmern soll der Läuferszene am Sonntag den Weg in die Normalität aufzeigen. Der Frankfurter Renndirektor Jo Schindler hält an den Gründen der Absage für die Veranstaltung am Main aber fest

Dass sich am Sonntag fast alle Blicke nach Berlin richten, liegt in der Natur einer Bundestagswahl, die mehr denn je als politische Richtungsentscheidung für Deutschland gilt. Überdies wird parallel auch ein Zeichen in die Sport-Welt gesendet, wie Geschäftsführer Jürgen Lock und Renndirektor Mark Milde finden, die mit der Organisation SSC Events in der Hauptstadt den mit rund 25 000 Teilnehmern weltweit größten Marathon seit Pandemiebeginn ausrichten.

Seinen Ruf als Leuchtturm-Veranstaltung hat sich der Berlin-Marathon mit sagenhaften Weltrekorden und famosen Rahmenbedingungen hart erarbeitet, aber die Auflage am Sonntag steht unter anderen Vorzeichen. Diesmal wird schon vor dem Startschuss und unabhängig von den Siegerzeiten über die 42,195 Kilometer Geschichte geschrieben. Geschäftsführer Lock sagt: „Die Zeit ist reif. Wir wollen die Community wieder laufen und lachen sehen.“

Nach Monaten der Entbehrung und sozialer Distanz werde ein Meilenstein gesetzt, um durch den Sport Ver- und Zutrauen bei den Menschen zurückzuerlangen, Hemmschwellen abzubauen, heißt es. „Grundwerte wie Weltoffenheit, Toleranz und Akzeptanz können endlich wieder gelebten werden. Auf dem Weg zurück zur Normalität braucht die Gesellschaft genau diese Emotionen“. Schöne Worte, die allerdings voraussetzen, dass die ausgeklügelten Hygienekonzepte auch greifen. Das Letzte, was solche Massenereignisse beim Re-Start gebrauchen können, ist eine nachträgliche Klassifizierung als Superspreader-Event.

Um das zu verhindern, greift das so genannte „3G“-Konzept: Wer an den Start geht, muss entweder geimpft, genesen oder per PCR-Nachweis negativ getestet sein. Dass sich an den 42,195 Kilometer Strecke unter den Zuschauern dieses Kriterium nicht überprüfen lässt, versteht sich von selbst; also werden alle Interessierten aufgefordert, die erforderlichen Abstände einzuhalten und Maske zu tragen. Verpflichtend ist ein Mund-und-Nasen-Schutz im Start- und Zielbereich auch für alle Läufer.

Ganz nebenbei werden Sport und Politik in Einklang gebracht: Mehr als 30 zusätzliche Queren werden Zutritte zu den Wahlbüros ermöglichen, die an der Laufstrecke liegen – das Konzept hatte sich bereits vor vier Jahren bewährt, als Wahlen und Marathon ebenfalls zusammenfielen.

Wie eigentlich immer, lockt Berlin mit seiner üppigen Ausstattung an Start- und Preisgelder zahlreiche Topstars vor allem aus Afrika an: Topfavorit ist der bereits 39 Jahre alte Äthiopier Kenensia Bekele, der 2019 mit seiner Spitzenzeit von 2:01:41 Stunden die Weltbestzeit des kenianischen Wunderläufers Eliud Kipchoge nur um lächerliche zwei Sekunden verpasste. Bei den Frauen startet die Weltjahresbeste Hiwot Gebrekidan aus Äthiopien. Bei den deutschen Startern ist Philipp Pflieger zu beachten, der sich dem italienischen Starcoach Renato Canova anvertraut hat.

Viele Sportveranstalter werden vor allem auf den Gesamtablauf schauen. Denn natürlich ist das Event an der Spree auch ein Feldversuch für die Laufszene, nachdem zwar der Hamburg Marathon am 12. September in reduziertem Rahmen über die Bühne ging, aber der Köln-Marathon am 3. Oktober im zweiten Jahr in Folge ausfallen werden. Auch der ursprünglich für den 31. Oktober geplante Frankfurt Marathon wurde bereits am 4. August abgesagt. Schweren Herzens.

„Angesichts der weiterhin bestehenden Einschränkungen für Großveranstaltungen sowie aller Unsicherheiten, die aufgrund von Virusmutationen und einer möglichen erneuten Pandemiewelle im Herbst bestehen, ist dieser Schritt leider unausweichlich geworden“, hieß es damals. Renndirektor Jo Schindler steht noch heute vorbehaltlos hinter der Entscheidung. Vieles sei schlicht nicht planbar gewesen, „wir mussten aber bis zum 31. Juli eine Entscheidung treffen, da bei späterer Absage die Verträge vieler Dienstleister mit der Zahlung von Ausfallgebühren versehen sind, in Summe im sechsstelligen Bereich.“

Überdies seien die Corona-Verordnungen mit begrenzter Gültigkeit versehen, „wir wissen auch jetzt noch nicht, wie Ende Oktober die rechtlichen Rahmenbedingungen aussehen, denn die aktuelle Corona-Schutzverordnung läuft am 15. Oktober aus.“

Von Stadtseite heißt es, dass man beim Frankfurt Marathon durchaus geduldig gewesen wäre. Sowohl der Ironman Frankfurt (1400 Starter) als auch am vergangenen Wochenende das Radrennen Eschborn – Frankfurt (6000 Teilnehmer) haben unter strengen Auflagen stattgefunden.

Doch Schindler wollte und konnte nicht bis wenige Wochen vor dem Startschuss an der Messe warten: „Auf ein Vabanquespiel mit einer kurzfristigen Absage nach einem abgesagten Marathon 2020 konnten wir uns nicht einlassen. Da laufe ich finanziell gegen die Wand.“ Vor der Corona-Krise war das zweitgrößte Marathon-Event hierzulande stets mit mehr als drei Millionen Euro budgetiert – eine siebenstellige Summe als Verlust zu riskieren, kam für den vorsichtig kalkulierenden Regensburger mit seiner Agentur motion events nicht infrage. Der 61-Jährige räumt auch mit Gerüchten auf, er habe nicht genügend Anmeldungen vorliegen gehabt. „Wir hatten bereits 7000 Meldungen, über die Schwelle von 10 000 Marathonläufern wären wir erneut gekommen.“ Die 39. Auflage beim ältesten Stadtmarathon wird nun erst am 30. Oktober 2022 steigen. Schindler gibt zu bedenken: „Berlin ist halt in jeder Hinsicht eine andere Größenordnung.“

Kann Fabelzeiten laufen: Der Äthiopier Kenensia Bekele.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare