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„Man sucht nach Winden“

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Die großen Wellen sind sein Ding: Laird Hamilton.
Die großen Wellen sind sein Ding: Laird Hamilton. © imago

Surf-Ikone Laird Hamilton über die Erfindung des Stand-Up-Paddels und „neue Wellen“

Herr Hamilton, wie hat es angefangen mit dem Stand-Up-Paddling?

Das war zirca 1996. Ich wollte meine erste Tochter mit mir aufs Meer nehmen und habe begonnen, auf großen Brettern zu surfen. Maui ist sehr windig, oft hat mich der Wind rausgeblasen, wenn ich eigentlich fertig war. Irgendwann habe ich jemanden am Strand mit einem Paddel gesehen, es mir ausgeliehen und sogar im Stehen eine Welle erwischt. Da hat es klick gemacht.

Nun sieht man es überall auf der Welt – hätten Sie damit gerechnet?

Nein, das ist verrückt. Ich bekomme keine Trophäen, da ich nicht in Wettbewerben surfe. Aber so etwas zu sehen, das Gefühl etwas gegeben zu haben, ist toll, eine schöne Auszeichnung. Aber ich muss sagen, dass ich nicht der erste war, der stehend paddelt. Die Indianer haben das in Kanus gemacht, es gab die polynesischen Fischer oder die Gondoliere in Venedig.

Warum surfen Sie eigentlich keine Wettbewerbe?

Vielleicht, weil ich es nicht mag, gesagt zu bekommen, was ich machen soll: Wann ich loslege, wieder aufhören und dann anhören, wie es war. Außerdem möchte ich Sachen ausprobieren und dabei auch scheitern, vor allem auf riesen Wellen. Währenddessen möchte ich nicht an Punktrichter denken.

Reizen Sie riesen Wellen immer noch so wie vor 30 Jahren?

Ich muss mich schon um meinen Körper kümmern, aber das würde ich auch machen, wenn ich kein ehrgeiziger Surfer wäre. Ich bin etwas behutsamer, trainiere gut, esse gesund und schlafe gut. Denn ja, es reizt mich und ich habe immer noch Ziele.

Zur Person

Laird Hamilton , 58, gilt für manche als der beste Big wave Surfer jemals. Noch unbestrittener ist sein Einfluss auf das Surfen. Er hat nicht nur Wellen mit über 20 Metern Höhe gemeistert, sondern mit neuen Boards oder Hilfsmitteln wie Fußschlaufen für extreme Geschwindigkeiten den Sport verändert. In seinem Buch „Liferider“ erzählt er weniger davon, als von seinen Gedanken zum Leben. FR

Welche?

Schnell und vor allem lang zu surfen. Den Hawaiianern, die das Surfen perfektioniert haben, ging es immer darum, so lange wie möglich zu surfen. Das ist die Herausforderung. Dabei schaue ich nach Wellen, die noch unentdeckt sind. Viele Wellen, die früher nicht möglich waren, sind es jetzt, da wir zum Beispiel Foils haben.

Wie geht das – neue Wellen zu suchen?

Man guckt auf Google Maps, welche Orte Potenzial haben, man sucht nach Winden. Und man hat eben einige Wellen im Kopf, die früher nicht gingen. In einer Welt, wo alles entdeckt scheint, immer noch neue Dinge zu machen, ist doch sehr interessant. Und ich liebe es einfach, Wellen zu reiten, das wird sich niemals ändern. Solange Gott und mein Körper mich lässt, werde ich nach Wegen danach suchen.

In Ihrem Buch geht es auch um ihre schwere Kindheit auf Hawaii, sie wurden als gebürtiger Kalifornier ausgegrenzt. Trotzdem sind Sie Surfer geworden und haben in Ihre Weltanschauung viele Elemente der hawaiianischen Kultur übernommen. Ist das nicht ein Widerspruch?

Ich glaube das Wasser und der Ozean haben mich immer angezogen. Noch bevor ich verstanden habe, dass ich eine schwere Kindheit haben würde. Hätte ich ein anderes Leben führen können? Ja, aber nur wenn ich irgendwo anders aufgewachsen wäre. Wenn man in einem Dorf aufwächst, wo alle Männer Jäger werden, wird man wahrscheinlich Jäger. Aber in meinem Dorf auf O’ahu waren alle großen Männer Männer des Wassers. Taucher, Fischer. Und eben Surfer.

Interview: Thomas Jensen

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