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„Man braucht starke Trainer“

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Von: Patrick Reichelt

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Klare Meinung zur Situation im deutschen Langlauf: Jochen Behle.
Klare Meinung zur Situation im deutschen Langlauf: Jochen Behle. © imago/Karina Hessland

Die deutsche Langlaufikone Jochen Behle sieht vor allem bei den Frauen noch Potenzial und rät zur Blockbildung.

Herr Behle,nach mehreren Großereignissen ohne Medaille holte die deutsche Frauenstaffel Silber. Überrascht?

Es war vorher klar, dass es eine kleine Chance in zwei Wettbewerben gibt. Für Katha Hennig über die 10 Kilometer und eben für die Staffel. Dass es da geklappt hat, ist natürlich schön. Das hat für mich ganz klar damit zu tun, dass sich auch Katherine Sauerbrey jetzt so präsentiert.

...die man nicht unbedingt so auf der Rechnung hatte.

Sie war nicht unbekannt. Im Juniorenbereich war sie schon mal sehr gut. Danach lief es nicht so, und sie wollte schon aufhören. Aber sie ist zu Cuno Schreyl gewechselt . Nicht die schlechteste Entscheidung, wie man jetzt gesehen hat.

Aber auch hinter der Silberstaffel gab es einige respektable Ergebnisse.

Es gab die Ergebnisse, die man erwarten konnte. Bei Olympia sind ja nur vier Läufer pro Nation dabei. Insofern sind Plätze im Bereich 12/13 ganz normal und dem momentanen Leistungsstand entsprechend.

Das Ziel ist, dass die Abteilung bis Cortina 2026 wieder in die Verfassung kommt wie zu ihren Zeiten als Bundestrainer. Realistisch?

Man muss schon sehen, dass wir zu meiner Zeit eine Gruppe mit enormem Niveau hatten. Eine besondere Generation von Läufern. Einen Tobi Angerer, Axel Teichmann, Rene Sommerfeldt – solche Leute hast du nicht immer. Insofern hat es der Peter Schlickenrieder jetzt natürlich auch schwerer.

Aber der Trend scheint insgesamt positiv.

Bei den Männern bin ich mir da nicht so sicher. Zumal die meisten Läufer auch schon älter sind. Da ist Friedrich Moch eigentlich der einzige mit Perspektive.

Muss das System an der Basis verbessert werden, um mehr Spitze zu erzeugen?

Da sind wir auf einem ganz guten Weg, denke ich. Die Struktur ist deutlich besser geworden.

Und bei den Frauen?

Da geht es aufwärts, das würde ich das schon so sehen. Vor allem durch Katharina Hennig und Katherine Sauerbrey. Diese Entwicklung ist in Ordnung. Wenn man diese Frauenmannschaft Cuno Schreyl zur Betreuung geben würde, dann wären wir sicher noch einen Schritt weiter.

Warum?

Ich kenne Cuno ja noch aus meiner Zeit, als ich mit ihm zusammengearbeitet habe. Er ist nicht immer einfach, aber er ist ein Trainer, bei dem der Fokus nicht auf den nächsten Post in den sozialen Medien geht. Der zieht an der richtigen Stelle die Zügel an.

Das klingt nach Kritik an ihrem Nachfolger.

Nein, das soll es gar nicht sein. Zumal man immer auch sehen muss, in welcher Situation Peter übernommen hat. Er kam ja aus der Position des DSV-Vizepräsidenten. Und er war Fernsehexperte. Für mich ist Peter ein perfekter Mann fürs Verkaufen des Langlaufsports. Aber vielleicht wären an bestimmten Punkten Leute mit mehr Trainererfahrung hilfreich.

Gegebenenfalls auch aus dem Ausland? Zum Beispiel beim Skispringen ist man damit ja gut gefahren.

Das hat man in schwieriger Situation mit dem entsprechenden finanziellen Aufwand getan, ja. Wir hatten mit Torstein Drivenes ja auch schon einen Norweger. Aber er hatte nicht den nötigen Rückhalt. So ein Mann muss auch unpopuläre Entscheidungen treffen dürfen, wie das der Werner Schuster beim Skispringen ja auch getan hat. Aber manchmal hat man das Glück, solche Leute auch selber zu haben. So wie Herrmann Weinbuch bei den Kombinierern. Oder bei uns hätte es den auch gegeben.

An wen denken Sie?

Markus Cramer wäre für mich der logische Nachfolger gewesen. Der hat jetzt die russischen Läufer fit gemacht, daran sieht man, was er kann. Damals war der Moment, an dem man ihn sicherlich hätte haben können.

Zu Torstein Drivenes’ Zeiten gab es eine Ämterteilung zwischen Frauen- und Männer-Bundestrainer. Würden Sie das befürworten?

Nein. Ich denke, man braucht eher starke Trainer an den Stützpunkten. Trainer, die dann das ganze Jahr über mit den Läufern zusammenarbeiten. Und nicht nur zu den Lehrgängen wie ein Disziplintrainer. Dazu würde ich es bevorzugen, wie damals zu meiner Zeit, mit Blockbildung zu arbeiten. Dass die besten Leute an einem Ort gemeinsam trainieren. So wie das ja teilweise in Oberstdorf gemacht wird, wo Katharina Hennig, Laura Gimmler oder Sophie Krehl zusammen trainieren. Das ist für mich der richtige Weg.

Interview: Patrick Reichelt

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