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Mainz-Profi St. Juste: Comeback ins Glück

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Von: Jan Christian Müller

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Freude pur: Jeremiah St. Juste (oben) feiert mit Silvain Widmer (links) und Moussa Niakathé. dpa
Freude pur: Jeremiah St. Juste (oben) feiert mit Silvain Widmer (links) und Moussa Niakathé. dpa © dpa

Der Mainzer Jerry St. Juste trifft nach dreimonatiger Verletzungspause zum Sieg gegen Bochum.

Manchmal ist im Sport der Weg vom Deppen zum Helden kurz. Für Jeremiah St. Juste, den Verteidiger des FSV Mainz 05, ging die Sache am Samstag gegen den VfL Bochum gut aus. Es war eine ganz besondere Angelegenheit für den 25-jährigen schnellst je gemessenen Bundesligaspieler. Denn der Niederländer hatte nach einer Schulter-Operation mehr als drei Monate lang kein Spiel mehr bestreiten können.

Am Samstag kam er zurück, spielte gleich von Beginn an und verlor bei einem Vorstoß nach einer guten halben Stunde den Ball. Seine aufgerückte Mannschaft kam nicht flink genug zurück, Stefan Bell foulte Sebastian Polter - Strafstoß. Hätte Polter diesen verwandelt, wäre Jerry St. Juste der Depp gewesen. Stattdessen wehrte der Mainzer Keeper Robin Zentner den Ball ab - und St. Juste wurde zum Helden. Denn gleich nach der Pause erzielte er nach prächtiger Vorarbeit von Jonathan Burkardt den Siegtreffer zum 1:0.

Weil er nach seinem Comeback ins Glück die Arme nicht hochgerissen hatte, vermuteten die Medien hinterher im Gespräch in der Mixed-Zone, St. Juste mache dessen Schulter noch zu schaffen. Der grinste breit und antwortete non-verbal: Er hüpfte einen astreinen Hampelmann, Arme hoch, Arme runter. Der Mann ist offenbar wieder kerngesund. Das Publikum - eintausend Zuschauende waren kurzfristig unter Auflage der mehrheitlich diszipliniert eingehaltenen Maskenpflicht zugelassen - feierte den Rückkehrer entsprechend.

Sperre für Bo Svensson

Auch Trainer Bo Svensson war die Erleichterung über den mühsamen Sieg nach zwei Niederlagen in Frankfurt und Leipzig anzusehen. Der Däne begleitete den Schlusspfiff mit einem Freudenhüpfer mitsamt geballter Faust. Dienstag beim Pokalspiel gegen denselben Gegner auswärts im Ruhrstadion wird Svensson sein Team coachen dürfen. Am kommenden Samstag in der Bundesliga beim Tabellenletzten Spvgg. Greuther Fürth dagegen nicht.

Svensson bekam in der etwas hektischeren Schlussphase nämlich die Gelbe Karte von Schiedsrichter Frank Willenborg präsentiert. Es ist eine Verwarnung mit Folgen. Denn im August 2019 hatte die Deutsche Fußball-Liga entschieden, dass Teamoffizielle, also auch Trainer, mit Gelb- oder Rotsperren belangt werden, wenn sie sich am Spielfeldrand ausdauernd nicht zu benehmen wissen. Anders als bei Spielern, die erst nach der fünften Gelben Karte einmal aussetzen müssen, gilt für Trainer und Betreuer: Nach vier Verwarnungen ist einmal Pause.

Bo Svensson hat nun nur 19 Spiele benötigt, um vier Mal eine Gelbe Karte einzusammeln. Er sprach am Samstag von einem „Missverständnis“, räumte aber auch ein, dass er selbst in der Verantwortung stehe, derartige Entwicklungen künftig zu vermeiden. Das hatte er allerdings auch nach seinem dritten Gelb schon kundgetan. Offensichtlich ist, dass sein Assistent Babak Keyhanfar bei Auseinandersetzungen mit dem Vierten Offiziellen oder der gegnerischen Bank regelmäßig die Konflikte noch schürt und so seinem Chef sicher keine Hilfe ist.

Bo Svensson folgt auf Sandro Schwarz

Svensson ist nun der erste Bundesligatrainer, der eine Gelbsperre erlebt. Der erste Bundesligatrainer, der rotgesperrt wurde, kommt übrigens ebenfalls aus Mainz: Der bereits von Felix Brych verwarnte Sandro Schwarz rannte im Oktober 2019 gegen den VfL Wolfsburg wütend auf den Platz und sah Gelb-Rot. Die Nullfünfer gewannen dennoch eine Woche später 2:1 beim SC Paderborn. Damals Schlusslicht, wie jetzt der nächste Gegner aus Fürth. Es könnte also wieder glimpflich ausgehen.

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