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Lass dich drücken: Dirk Nowitzki (links) gratuliert Luka Doncic zum Sieg in Los Angeles. afp

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Luka Doncic - der Magier aus Ljubljana

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Der Slowene verzaubert die nordamerikanische Basketballliga NBA und ist bei den Dallas Mavericks trotz seiner erst 20 Jahre der legitime Superstar-Nachfolger von Dirk Nowitzki.

Dirk Nowitzki lief mit einem breiten Grinsen im Gesicht auf Luka Doncic zu. Erst klatschte der 41-jährige Basketballrentner seinen ehemaligen Mitspieler ab, dann gab er dem 20-Jährigen noch ein paar nette Worte nach dem 114:100-Sieg der Dallas Mavericks bei den Los Angeles Lakers am Sonntag mit den auf den Weg, die den Slowenen strahlen ließen. Da war LA-Superstar LeBron James schon längst frustriert in den Katakomben verschwunden.

Mit einer vor allem in der zweiten Halbzeit starken Vorstellung war es wieder einmal Doncic, der die Mavericks zum 13. Saisonsieg im 19. Spiel führte. 27 Punkte, zehn Assists und neun Rebounds steuerte der 2,01-Meter große Spielmacher zum Sieg bei. „In der ersten Halbzeit war ich furchtbar. In der zweiten Hälfte habe ich weiter attackiert“, analysierte Doncic. Gleichzeitig zogen die Mavericks die Verteidigung an und damit dem Duo James und Anthony Davis den Zahn, die nach zehn Siegen in Folge wieder eine Pleite einstecken mussten.

„Ich muss ehrlich sein, ich hätte gedacht, dass die Umstellung für ihn in seinem zweiten Jahr schwieriger sein wird“, sagte Nowitzki kürzlich. Doncic sei so phänomenal gewesen in seinem Rookie-Jahr, dass er , Nowitzki, sich sicher gewesen sei, dass die Teams sich auf ihn einstellen würden. „Aber es sieht so aus, als sei er noch einmal besser geworden. Da habe ich mich wohl geirrt.“

Im November hat der Slowene einen Triple-Double-Durchschnitt gehabt, also zweistellige Punkt- Rebound- und Assistausbeute. Das gelang zuvor nur Oscar Robertson und Russell Westbrook. Er hat drei 40-Punkte-Spiele und zehn 30-Punkte-Spiele im ersten Viertel der Saison gezeigt. Er ist in seinem zweiten NBA-Jahr schon ein Kandidat für den MVP-Titel als wertvollster Spieler der Liga.

Das Spiel gegen die Lakers hat das einmal mehr bewiesen. Nach seiner schwachen ersten Hälfte mit nur zwei von neun Treffern aus dem Feld, einem Ballverlust gegen James und einem Dunking von Davis über ihn, hat er in der zweiten Halbzeit sein Spiel umgestellt. Statt zu werfen, attackierte er den Korb, zog in die Zone, fand seine Mitspieler. Und als die Lakers-Defensive versuchte, die Zone dichtzumachen, begann er wieder von Außen zu werfen und die Dreier mit Selbstbewusstsein zu versenken. Darunter einen Step-Back-Dreier gegen sein Idol James.

Vergangenes Jahr hatte Doncic sich noch ein Trikot vom dreifachen NBA-Champion und vierfachen MVP unterschreiben lassen. Mittlerweile wird Doncics Name im gleichen Atemzug genannt. LeBron James hatte Doncic bei der ersten Begegnung in dieser Saison vor einem Monat anerkennend einen „Bad Motherfucker“ genannt. In dem Spiel hatte Doncic 39 Punkte, 16 Assists und zehn Rebounds gesammelt. Da hatten die Lakers noch gewonnen, am Sonntag sagte James dann nichts mehr. Nur Nowitzki sprach das aus, was alle momentan finden: „Luka spielt wie nicht von dieser Welt.“

Schon bei seiner Ankunft in der NBA war klar, dass Luka Doncic kein normaler Rookie sein würde. Mit 13 war der kleine Magier aus Ljubljana in die Nachwuchsakademie zu Real Madrid gewechselt. Bei Olimpija, seinem Heimatverein, spielte der Sohn von Nationalspieler Sasa Doncic schon immer bei den älteren. Seine natürliche Begabung, seine Instinkte waren schon immer besonders stark ausgeprägt. In Madrid spielte er drei Jahre lang in der Jugend, bis er mit 16 Jahren und zwei Monaten sein Profidebüt für die Königlichen gab und zum drittjüngsten Spieler in der Geschichte der spanischen ACB wurde.

Mit 18 wurde er zum wertvollsten Spieler der Euroleague, dem höchsten europäischen Basketball-Wettbewerb, beim Titelgewinn 2018 der Madrilenen gekürt. Da war schon längst klar, dass Doncic sich für den NBA-Draft anmelden würde. Ein Jahr zuvor hatte er zusammen mit NBA-Veteran Goran Dragic (Miami Heat) die slowenische Nationalmannschaft zum überraschenden Triumph bei der Europameisterschaft geführt. „Merkt euch meine Worte, er wird einer der besten Spieler der Welt werden“, hatte Dragic seinerzeit gesagt und sich an die Zeiten erinnert, als der kleine Luka noch das Parkett gewischt hat, als Dragic 2007/2008 für Olimpja Ljulblana spielte.

„Kein Coach kann behaupten, dass er Luka das beigebracht oder Luka zu dem gemacht hat, was er ist“, sagt Rado Trifunovic, der slowenische Nationaltrainer. Die Bewegungen, die Pässe, die er bei Real Madrid oder jetzt in der NBA spiele, habe er schon in der Jugend gezeigt, erinnert sich sein Jugendtrainer Lojze Sisko. „Er ist ein besonderes Kind.“ Ganz Slowenien ist spätestens seit dem EM-Gewinn in Doncic-Mania. Die Zeitungen des Zwei-Millionen-Einwohner großen Landes berichten fast täglich über die Leistungen ihres Nationalhelden in der amerikanischen Profiliga, die er im vergangenen Jahr im Sturm erobert hat. Er wurde an dritter Stelle von den Atlanta Hawks gedraftet, die ihn noch am gleichen Abend gegen Trae Young und ein zukünftiges Erstrunden-Auswahlrecht zu den Mavericks abgaben.

Obwohl die vergangene Saison der Texaner im Zeichen des Abschiedsjahres von Dirk Nowitzki stand, war Doncic der Spieler, der auf dem Parkett die Aufmerksamkeit auf sich zog und zum Rookie des Jahres gewählt wurde. Dominant, wurfstark, kreativ, selbstbewusst – und immer mit einer kindlichen Freude bei der Sache. „Druck habe ich, seit ich 16 bin“, antwortet Doncic immer nüchtern, wenn er auf die Last angesprochen wird, die er mit 20 auf seinen Schultern trägt.

Für Doncic war es natürlich auch perfekt, dass er in Dallas noch ein Jahr lang von Dirk Nowitzkis unfassbarer Erfahrung profitieren konnte. „Dirk hat einen herausragenden Job gemacht, Luka und die anderen Jungen zu lehren“, findet Mark Cuban, der Besitzer der Mavericks. Er ist überzeugt, dass Doncic einen genauso großen Einfluss auf die NBA haben kann wie Nowitzki, als der 1998 in die Liga kam. Wobei es schon einige Unterschiede gibt: „Dirk hat niemals auf dem Parkett gelacht. Er war so emotional. Er hatte eine Sprachbarriere, die Luka nicht hat“, erklärt Cuban. Doncic spricht Slowenisch, Serbisch, Spanisch und Englisch. „Und er spielt jedes Spiel mit so viel Spaß, als würde er gerade ein Trainingsspielchen in der Halle machen“, so Cuban.

Doncic weiß natürlich auch, dass mit jedem guten Spiel, die Hoffnungen in ihn und die Mavericks steigen. Die Playoffs nach vier Jahren Abstinenz zu erreichen, ist das erklärte Ziel. Das dürfte der Meister von 2011 in diesem Jahr schaffen. Spannend wird es sein, wie Luka Doncic reagieren wird, wenn seine bislang steil verlaufende Karriere einmal ins Stottern gerät und er die astronomischen Erwartungen von MVP-Titeln und Meisterschaften nicht erfüllen kann. Dirk Nowitzki weiß, wie sich das anfühlt, und wird ihm sicher mit Rat und Tat zur Seite stehen.

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