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Gehen bald getrennte Wege: DFB-Präsident Fritz Keller (links) und Joachim Löw während einer digitalen Pressekonferenz in der Zentrale des Deutschen Fußball-Bundes.
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Gehen bald getrennte Wege: DFB-Präsident Fritz Keller (links) und Joachim Löw während einer digitalen Pressekonferenz in der Zentrale des Deutschen Fußball-Bundes.

Kommentar

Löws Auftrag

  • Jan Christian Müller
    vonJan Christian Müller
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Fußball-Bundestrainer Joachim Löw hat schon in den einsamen Monaten nach dem Ausbruch der Pandemie angefangen, in sich hineinzuhören. Er hörte da schon den Sound des Abschieds. Ein Kommentar.

Mehr als nur Spurenelemente von Erleichterung waren bei Fritz Keller zu vernehmen, als der DFB-Präsident gebeten wurde, im virtuellen Pressegespräch den bevorstehenden Rückzug von Joachim Löw zu kommentieren. Dass der Bundestrainer nach der EM vorzeitig aus seinem ursprünglich bis Dezember 2022 laufenden Kontrakt tritt, um einem Nachfolger Platz zu machen, und dass Löw diese Entscheidung jetzt bekanntgab, empfindet Keller als „richtigen Zeitpunkt“. Er hätte das vorher nur nicht laut sagen dürfen. Es wäre als Vertrauensbruch interpretiert worden.

Zu vermuten ist, dass der Prädikats-Weinbauer aus dem Breisgau dem ortsansässigen Bundestrainer zu spüren gab, diesen „richtigen Zeitpunkt“ ein wenig eiliger zu suchen und zu finden. Keller gehörte nach dem 0:6 im November in Spanien zu denjenigen, die nicht bereit waren, in Nibelungentreue zu einem verdienten Mann zu stehen, dessen Hochachtung sich mehr aus der glorreichen Vergangenheit speist als aus der trostlosen Gegenwart. Auch wenn Kellers Zweifel unbequem waren und Löw nicht gefielen, so waren sie ja dennoch berechtigt. Niemand, auch nicht der zum Freund gewordene Oliver Bierhoff, konnte trotz tiefer persönlicher Verbundenheit ignorieren, dass es an der Zeit ist für den Bundestrainer, alsbald zu gehen, Löw hat das verstanden. Er hatte schon in den einsamen Monaten nach dem Ausbruch der Pandemie angefangen, in sich hineinzuhören. Er hörte da schon den Sound des Abschieds.

Nun stellt er den persönlichen Entscheid geschickt als Akt des Altruismus, als strategische Lösung im Sinne des großen Ganzen dar: Mit Blick auf die EM 2024 in Deutschland sei es geboten, einem Nachfolger Zeit zu schenken, um „neue Reize“ zu setzen. Löw verbindet das mit Druck, spricht davon, dass etliche Spieler - Goretzka, Kimmich, Gnabry, Sané - dann auf dem Zenit ihres Könnens unterwegs sein werden. Der sportliche und gesellschaftlichen Auftrag an den neuen Bundestrainer lautet: „Das Turnier im eigenen Land muss zur Explosion führen.“

Bedauerlich nur: Derjenige, der mit einiger Wahrscheinlichkeit dank seiner Anerkennung, Tatkraft, Rhetorik und Fachkenntnis der mit Abstand Beste für diese Aufgabe wäre, steht gerade nicht zur Verfügung: Jürgen Klopp. Ursprünglich war es der Plan des vor fast zwei Jahren zurückgetretenen Präsidenten Reinhard Grindel gewesen, dass Löw nach der WM 2022 von Menschenfänger Klopp abgelöst wird, um mit frischer Schubkraft die Mission Europameister 2024 anzugehen. Weil aber im Profifußball nichts voraussehbar ist und Klopp keine Anstalten macht, sich dem Thema Bundestrainer aktuell zu widmen, muss ein anderer gefunden werden.

Bierhoff hat bereits angekündigt, dass er diese Suche nicht im Alleingang angehen wird. Zur Unterstützung denkt er weniger an das am Ende seinen Vorschlag abnickende DFB-Präsidium, sondern vielmehr an die führenden Manager der Bundesliga. Eine kluge Strategie. Denn deren Einfluss und Selbstbewusstsein ist enorm gestiegen in den 16 Jahren, seit Löw im Gefolge von Jürgen Klinsmann übernahm und beide seinerzeit aus der Liga mit Zurückhaltung, teils mit offener Ablehnung empfangen wurden.

So wie damals geht das heute nicht mehr: Ein Bundestrainer gegen das Votum der Liga könnte sich seine Entlassungspapiere schon vorm ersten Arbeitstag aushändigen lassen. Vor allem die großen Bayern verärgert man besser nicht. Bierhoff weiß das aus leidiger Erfahrung. Scharfen Gegenwind aus München hat er oft genug erlebt. Favorit Hansi Flick zu ködern, dürfte zum Akt höchster Diplomatie geraten. Um Ralf Rangnick zu wagen, müsste sich Bierhoff selbst verzwergen. Es könnte also kompliziert werden. Oder Stefan Kuntz.

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