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Unbändiger Wille, aber keine Punkte

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Oft im Mittelpunkt des Derby-Geschehens: Löwen-Torwart Boris Ackers.
Oft im Mittelpunkt des Derby-Geschehens: Löwen-Torwart Boris Ackers. © Huebner/Scheiber

Auch im siebten Hessenderby gehen die Löwen Frankfurt trotz großem Einsatz als Verlierer vom Eis. Die 4:6-Niederlage gegen die Kassel Huskies lässt die Playoffs in weite Ferne rücken. "Es ist fünf vor zwölf", warnt Stürmer Bauscher.

Von Sebastian Rieth

Auch im siebten Hessenderby gehen die Löwen Frankfurt trotz großem Einsatz als Verlierer vom Eis. Die 4:6-Niederlage gegen die Kassel Huskies lässt die Playoffs in weite Ferne rücken. "Es ist fünf vor zwölf", warnt Stürmer Bauscher.

Mit einem Mal entlud sich in Marvin Bauscher all das, was sich in den vergangenen Wochen an Frustration, Selbstzweifel und Enttäuschung angestaut hatte. Ihm, dem Löwen-Stürmer mit unbändigem Willen, war nach 31 Minuten der 3:3-Ausgleich in einem brisanten Hessenderby gelungen, das eigentlich schon gelaufen schien.

Bauscher sprintete zur Mittellinie, das Knie aufs Eis, die Hand zur Faust geballt, den Unterarm als Zeichen der Stärke angewinkelt – die Bühne gehörte ihm. Es war ein Erfolgsmoment, der den Löwen Mut machte, der ihnen zeigte, dass noch Leben in der zuletzt arg kritisierten Mannschaft steckt.

Nur eine Momentaufnahme.

Vierte Niederlage in Folge

Am Ende standen die Frankfurter wieder mit leeren Hände da – zum vierten Mal in Folge in der Endrunde der Eishockey-Oberliga West, zum siebten Mal in einem Hessenderby. Das gewannen die Kassel Huskies am Sonntag mit 6:4 (3:1, 0:3, 3:0). „Wir haben stark gespielt und uns wieder ran gearbeitet“, sagte Bauscher. „Das ist natürlich deprimierend.“

Reihenweise donnerten die Spieler ihre Schläger in den Kabinengang, ihr leidenschaftlicher Kampf war nicht belohnt worden.

Fast schon verzweifelt hatte Trainer Clayton Beddoes vor der Begegnung alles versucht, um dem Negativsog zu entkommen. Er appellierte an die Ehre seiner Spieler, setzte Kapitän Martin Schweiger ab und stellte sämtliche Reihen um. Die Löwen standen vor der Partie mit dem Rücken zur Wand, eine neuerliche Niederlage, und die Chancen auf den mit einem Weiterkommen verbundenen vierten Tabellenplatz wären zu einem Minimum geschrumpft. Genau so kam es.

Verunsicherte Löwen

Die 5747 Zuschauer in der Eissporthalle am Ratsweg sahen eine Mannschaft aus Kassel, die den verunsicherten Löwen immer einen Gedanken voraus war, die individuell besser besetzt ist und die ihre Passwege perfekt abgestimmt hatte. Bei allen drei Treffern im ersten Drittel hatten Artjom Kostyrev (5.), Alexander Engel (14.) und Petr Sikora (19.) viel Platz.

Die Löwen-Abwehr stand da und staunte. Einzig ein genialer Pass des oft gescholtenen Ryan Fairbarn und der beherzte Abschluss Bauschers sorgten mit dem zwischenzeitlichen 1:1-Ausgleich (12.) für einen Lichtblick.

Doch wie verändert kamen die Frankfurter zurück aus der Kabine. Ausgerechnet im Mittelabschnitt, der ihnen schon so oft das Genick gebrochen hatte, feierten sie ihre Auferstehung. Kevin Thau bediente Alexander Althenn mustergültig (27.) und nach Bauschers Ausgleich legte Schweiger mit dem 4:3 noch einen drauf (38.). Genugtuung für den abgesetzten Spielführer.

„Jetzt müssen wir alle Spiele gewinnen"

Plötzlich stimmte bei den Gastgebern alles: Wille, Leidenschaft und eine gesunde Härte. Nur so ist der hochkarätig besetzte Kader der Nordhessen zu bezwingen. Am Sonntag fehlte den Löwen das Glück – und ein guter Torwart.

Zweimal Manuel Klinge und Christoph Koziol sorgten mit ihren Treffern aus der Distanz für die Entscheidung. Goalie Boris Ackers machte dabei keine gute Figur ? einer rutschte ihm gar durch die Hosenträger.

„Es ist bitter, dass uns Kassel so schlägt“, erzählte Bauscher. „Jetzt müssen wir eben alle anderen Spiele gewinnen. Es ist fünf vor zwölf, das wissen wir.“

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