Nur ein Playoff-Monster fehlt

Nicht allein ihre Erfahrung spricht für ein erfolgreiches Bestehen der Lions in der Viertelfinalserie

Von MATTHIAS KITTMANN

Meteorologisch gesehen, bedeutet der Start der Playoffs am morgigen Dienstag, dass der Frühling beginnt. Denn die Endrunde in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) bringt nicht selten T-Shirt-Wetter. Und wenn die Frankfurt Lions dann die Meisterrunde erreicht haben, strahlt auch auf dem Eis meist die Sonne für sie. Denn von sechs Malen seit 1998, in denen sie in den Playoffs dabei waren, haben sie viermal die erste Runde gewonnen. Und so dürfen sie auch für das morgen beginnende Duell mit Iserlohn hoffen.

Aber was sind die konkreten Stärken der Frankfurter?

Mehr denn je ist das Defensivverhalten der Lions ein Formationsverhalten. Denn die meist gespielte, aggressive 2-1-2-Taktik verlangt ein hohes Maß an Aufmerksamkeit des dritten Stürmers, wenn die anderen beiden forechecken. Ohne diese taktische Disziplin würden die Lions häufig Breaks gegen sich haben. Auf der anderen Seite halten sich die Verteidiger bei Vorstößen in der Regel zurück, da die Defensivspieler nicht die schnellsten sind. Und wenn, dann sind es eher die an der Scheibe starken Peter Smrek, Richie Regehr oder Michael Bresagk, die bei Gelegenheit mit nach vorne stoßen.

In den Verteidigerpärchen mixt Chernomaz meist einen harten Checker wie Jason Marshall oder Sebastian Osterloh mit Partnern, die einen guten Pass nach vorne spielen können. Hier haben die Lions wesentlich mehr Optionen als vergangene Saison. Lasse Kopitz ist sowohl defensiv wie offensiv stark, Richie Regehr hat defensiv manchmal Schwächen im Stellungsspiel, doch das kompensiert er durch seine Powerplay-Urgewalt. Jason Marshall ist vielleicht der wichtigste Lions-Verteidiger. In Unterzahl ist er sowohl mit seinem Körper- wie auch seinem Positionsspiel eine Bank. Zudem ist er eine echte Führungsperson im Team. Ob er nach seiner Gehirnerschütterung im Pokalfinale wieder voll einsatzfähig ist, dürfte entscheidend für den Erfolg der Lions sein.

Die offensive Stärke der Lions ist ihre Ausgeglichenheit. Acht Spieler haben mehr als zehn Tore geschossen, vier 20 oder mehr. Dazu gelten Spieler wie Top-Scorer Chris Taylor, Kapitän Jason Young oder Ilja Worobjew als Playoff-Typen, Akteure, die in der Endrunde noch zulegen können. Ein Handicap könnte sein, dass den Lions bislang ein individuell herausragender Einzelkönner fehlt, der Spiele allein entscheiden kann. So wie Iserlohn ihn in Michael Wolf hat und die Lions im vergangenen Jahr in Michael Hackert. Doch zuletzt hat Jeff Heerema angedeutet, dass er einer dieser Typen sein könnte, die man als Playoff-Monster bezeichnet.

Entscheidend könnte auch sein, ob die Lions in der Schlussphase zulegen können. Tatsächlich haben sie wesentlich mehr Spiele noch umgebogen, als dass sie einen Vorsprung verspielt haben. Führen die Lions in der Schlussphase, sind sie nur noch schwer zu bezwingen. Was auch für die Fitness der Mannschaft spricht. Und nicht zuletzt spricht für die Frankfurter, dass sie über wesentlich mehr Playoff-Erfahrung verfügen als Iserlohn. Die Sauerländer sind zum ersten Mal seit ihrem Aufstieg in die DEL in den Playoffs. Und mit diesem ganz speziellen Druck muss man erst mal umgehen können.

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