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Ansage: Lukas Koziol (Zweiter von links) gibt den Ton an.

Löwen Frankfurt

Trumpf aus der dritten Reihe

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Koziol und Kollegen könnten den Löwen auch gegen Dresden entscheidend weiterhelfen.

Am Wochenende durfte noch einmal ausgespannt werden, ganz vom Eishockey freilich konnten dann selbst im schönsten Frühlingswetter doch nicht alle Frankfurter Löwen lassen. Lukas Koziol zum Beispiel setzte sich am frühen Sonntagabend vor den Bildschirm, um das letzte Viertelfinale zwischen dem ESV Kaufbeuren und den Lausitzer Füchsen zu verfolgen – vor allem, weil Bruder Fabian für Kaufbeuren verteidigt. Es wäre aber auch gut möglich gewesen, dabei Familiäres und Berufliches zu verbinden: Schließlich hätte nicht viel gefehlt, und der Eissportverein aus dem Allgäu wäre im Halbfinale für Stürmer Koziol und Co. zur nächsten Hürde auf dem angepeilten Weg zur Meisterschaft in der zweiten Klasse des deutschen Eishockeys geworden. Stattdessen wird diese Vorschlussrunde nun ein Duell unter Artgenossen: Am Mittwoch (19.30 Uhr) empfangen die Frankfurter Löwen die Dresdner Eislöwen zum ersten Spiel der nächsten Playoff-Runde.

Überrascht, dass bei dieser Gelegenheit Besuch aus Sachsen kommt? Lukas Koziol verzieht da keine Miene. „Warum nicht?“, fragt er zurück und ergänzt: „Sie haben eine starke Serie gespielt.“ Das kann man so sagen. Mit dem 3:2 im siebten und entscheidenden Duell schalteten die Dresdner mit den Bietigheim Steelers immerhin den Titelverteidiger der DEL 2 und Tabellenzweiten der aktuellen Hauptrunde aus – obwohl sie selbst diese nur auf Platz neun abgeschlossen hatten. Wobei die Eislöwen vor der Saison auch höher gehandelt wurden, nach namhaften Verstärkungen. Und nun offenbar in den Playoffs umsetzen, was ihnen in den Punktspielen nicht gelang.

Der Frankfurter Headcoach Matti Tiilikainen hat sich am Sonntag nicht Kaufbeuren, sondern den Krimi in Bietigheim angeschaut. Was ihm da und beim Blick auf andere Statistiken aufgefallen ist: „Es sieht so aus, als wären sie gut daran, Tore zu schießen.“ Tatsächlich sind 43 Tore in zehn Ausscheidungsspielen ein beachtlicher Wert. Was wiederum vor allem daran liegt, dass die Eislöwen eine „unglaubliche erste Reihe“ haben, wie Lukas Koziol sagt. Und dabei vor allem einen herausragenden Stürmer, wie man ihn in dieser Klasse sonst selten sieht.

Genie und Wahnsinn

Jordan Knackstedt war an 21 und damit fast an der Hälfte der Dresdner Treffer beteiligt, zwar mit nur vier Toren, aber stolzen 17 Vorlagen, immer wieder genial, bisweilen auch ein wenig mit dem Wahnsinn im Bunde. „Ein Individualist, der bei vier Gegentoren auf dem Eis sein kann, aber auch allein fünf Treffer erzielen kann. Lässt man ihm Platz, kann er immer zuschlagen“, warnt der Frankfurter Sportdirektor Franz-David Fritzmeier.

Wie man dieser Ausnahmeerscheinung begegnet? „Wir können uns nicht zu sehr auf einen Spieler fokussieren“, betont Tiilikainen: „Das ist ein Teamsport. Wir müssen das als Einheit machen.“ Das wiederum gelang seinen Löwen zuletzt gut, und sie haben genug Grund, sich auf ihre Stärken zu besinnen. Schnell und aggressiv zu spielen, wie sie es über die ganze Saison versucht haben. Mit vier vollen Reihen. Das kann jetzt besonders ein Vorteil werden. Während die Eislöwen aus Dresden in 24 Tagen schon zehn Playoff-Spiele bestritten haben, erst die Pre-Playoffs gegen Heilbronn um die letzten beiden Viertelfinalplätze und dann die lange Serie gegen Bietigheim, waren die Löwen aus Frankfurt gegen die Eispiraten Crimmitschau nach fünf Spielen und 4:1 Siegen durch – und hatten sich so eine freie Woche verdient. Sie sind ausgeruhter, Dresden dafür schon mehr im Rhythmus.

Lukas Koziol ist das ganz recht so. „Ich habe lieber eine Pause. Der Körper kann sich regenerieren, und im Kopf muss man in den Playoffs sowieso bereit sein“, sagt der 23-Jährige, der in der Saison 2014/2015 selbst zwölf Partien für Dresden bestritt, und hat gerade schon gezeigt, wie das geht. Gegen Crimmitschau waren er und sein ganzer dritter Sturm mit Eduard Lewandowski und Max Eisenmenger ein Frankfurter Trumpf.

„Sie waren im Viertelfinale unsere beste Reihe“, lobt Tiilikainen, während er bei der einen oder anderen Formationen noch Luft nach oben sieht. Anders als in Dresden verteilen sich in Frankfurt die Tore trotzdem auch so schon auf mehr Spieler. Das kann gerade im Halbfinale helfen, wenn der Takt noch enger wird. Jetzt wird im Rhythmus von zwei Tagen gespielt, abwechselnd daheim und auswärts: Am Mittwoch in Frankfurt, am Freitag in Dresden, am Sonntag in Frankfurt, am Dienstag in Dresden, am Freitag darauf ginge es in Frankfurt weiter – bis einer vier Siege hat. Keine Frage, dass die hiesigen Löwen dabei die Favoriten sind, als beste Mannschaft der Hauptrunde.

Im Erfolgsfall winkt ein reizvolles Finale gegen Rich Chernomaz, den früheren Frankfurter Meistermacher, der es als Coach der Ravensburg Towerstars im zweiten Halbfinale mit Kaufbeuren zu tun bekommt. Oder Lukas Koziol bekommt doch noch ein Familien-Duell mit Bruder Fabian. Über so etwas freilich denkt jetzt noch kein Löwe nach, zumindest nicht laut.

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