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Am Morgen noch bei der Geburt seines Kindes, abends schon wieder auf dem Eis: Dan Spang.

Löwen

Die Löwen-Familie wächst zusammen

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Der Frankfurter Eishockey-Zweitligist hat den Umbruch gut gemeistert.

Als am Mittwochabend die Arbeit getan war, alle Löwen vom Eis gegangen waren und sich in der Kabine versammelt hatten, richtete Dan Spang ein paar Worte an die Kollegen. „Ihr seid der Grund, warum ich immer versucht habe, zu den Spielen wieder hier zu sein“, dankte der Verteidiger des Frankfurter Eishockey-Zweitligisten zum Ausklang eines für ihn ganz besonderen 2. Januars. Dass er sich tatsächlich rechtzeitig zur ersten Partie des neuen Jahres in der Eissporthalle am Ratsweg eingefunden hatte, war ja keine Selbstverständlichkeit: Morgens um 6.26 Uhr war seine Tochter Karmindy Belle zur Welt gekommen, abends trug der US-Amerikaner schon wieder seinen Teil und sogar ein Tor dazu bei, dass die Dresdner Eislöwen souverän mit 6:1 geschlagen wurden – und saß dann glücklich und geschafft auf der Kabinenbank, das erste, bald vier Jahre alte Töchterchen Serenity neben sich. 

Die Löwen-Familie wächst, und sie wächst auch zusammen. Dass man bei dem Findungsprozess nach dem großen Umbruch des Sommers – zwei Drittel des Kaders neu, ein neues Trainertrio aus Finnland, selbst der Betreuerstab runderneuert – recht schnell vorangekommen ist, lässt sich nicht nur aus der Tabelle der DEL2 herauslesen, welche den Meisterschaftsanwärter nach 33 Punktspielen an zweiter Stelle führt. Sondern eben auch aus solchen Familiengeschichten.

„Das ist ein großes Beispiel dafür, dass in der Kürze der Zeit schon viel Zusammenhalt entstanden ist: Sein Einsatz fürs Team, aber auch der Einsatz des Teams für ihn“, betont Sportdirektor Franz-David Fritzmeier, Dan Spang selbst war hin und weg: „So viele haben uns geholfen.“ Gerade in den vergangenen zwei Wochen, als das Baby über der Zeit war, Ehefrau Brandy schon im Frankfurter Bürgerhospital verbringen musste. Und Spang Betreuung für Serenity brauchte, wenn er bei seiner Frau im Krankenhaus war, kein Problem unter Löwen: Die letzte Nacht kümmerte sich Coach Marko Raita mit seiner Verlobten um die Kleine, bei Kapitän Adam Mitchell oder auch Publikumsliebling Brett Breitkreutz fand sie ähnlich alte Spielkameraden, Stürmer Carter Proft übernachtete zwei Mal als Babysitter bei den Spangs.

Überzeugende Antworten

„Jeder hat da seinen Teil geleistet“, sagt Fritzmeier. Er selbst fuhr zu den letzten fünf Auswärtsspielen extra mit dem Auto hinter dem Bus her, um Spang notfalls schnell nach Hause chauffieren zu können. Dazu kam es dann doch nicht, nur einmal tauschte man die Plätze, erst eine Stunde von Frankfurt entfernt: Da fuhr Spang mit Fritzmeiers Wagen alleine nach Frankfurt zurück und der Sportdirektor im Mannschaftsbus weiter nach Dresden.

Falscher Alarm: Das Baby ließ auf sich warten. Und das Spiel in Dresden, das einzige, das Spang bislang verpasst hat, ging verloren, ebenso wie zwei Tage später das Hessenderby gegen Kassel. Das Null-Punkte-Wochenende kurz vor Weihnachten war das zweite in dieser Saison – ärgerlich, aber noch im Rahmen. Zumal man beide Male gleich die Kurve kriegte, jetzt mit vier Siegen in Serie. „Schwierige Phasen gibt es in einer Saison immer mal“, sagt Coach Raita. „Sorgen muss man sich nur machen, wenn man keine Antworten darauf findet.“ Beim raschen Wiedersehen mit dem Tabellenzehnten aus Sachsen fiel diese sehr überzeugend aus.

Dabei geht es in der Liga drunter und rüber. Selbst die anderen Spitzenteams Ravensburg und Kaufbeuren lassen kräftig Federn, vermeintlich Kleine begehren auf, in der Hoffnung, Abstiegsängste doch vermeiden zu können. „Der März kommt bald“, betont Raita. Dann beginnen die Playoffs, dann fallen Entscheidungen. Ungeschoren kommt gerade keiner davon, ein Krimi jagt den nächsten, in der Terminhatz rund um Weihnachten und Silvester. Den Löwen stehen im raschen Takt die nächsten spannenden Aufgaben bevor – am Freitag (19.30 Uhr) mit dem Spitzentreffen beim Tabellendritten Lausitzer Füchse, am Sonntag (18.30 Uhr) das Derby daheim gegen den aufstrebenden Nachbarn EC Bad Nauheim. „Ein heißes Wochenende“ erwartet Fritzmeier: „Weißwasser spielt eine sehr gute Saison, hat eine schnelle und gefährliche Mannschaft. Und im Derby zählt kein Tabellenstand.“

Klingt nach einem Fall für Papa Spang. Der 34-jährige Verteidiger spielte für Nürnberg und Hamburg in der DEL und auch in Finnland, Schweden, Russland, Tschechien und England erstklassig. Im Sommer kam er aus Nottingham, als Abwehrchef und überhaupt als Führungskraft. Diesen Vorstellungen ist er bislang gerecht geworden. Am Mittwoch freilich hatte jemand anders noch viel mehr geleistet als er, das wusste Spang: „Meine Frau ist eine große Kämpferin. Sie ist der Champion des Tages.“

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