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Neue Trainer: Matti Tiilikainen (l.) und Marko Raita.

Löwen Frankfurt

Das Löwen-Experiment

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Drei im Profibereich unerfahrene Finnen bilden künftig das Trainerteam der Löwen Frankfurt.

Es war durchaus ein symbolträchtiger Ort, den sich die Löwen Frankfurt da für ihre erste Pressekonferenz der neuen Saison ausgeguckt hatten. In den 54. Stock des Maintowers hatte der Eishockey-Zweitligist am Dienstag geladen und sein Podium vor einer atemberaubenden Kulisse aufgebaut. Im Hintergrund schossen Wolkenkratzer in die Höhe, den Horizont steckte der Taunus ab.

Hoch hinaus wollen auch die Löwen, langfristig am liebsten in die DEL. Gestern haben sie rund 200 Meter über den Dächern der Mainmetropole das Geheimnis gelüftet, wer die Mannschaft beim Erreichen dieser Ziele künftig anleiten wird. Neuer Chefcoach ist der erst 30 Jahre alte Matti Tiilikainen, als Assistent fungiert der acht Jahre ältere Marko Raita, Torwarttrainer und Videoanalyst wird der 28-jährige Valtteri Salo. Die drei Finnen waren zuletzt in ihrer Heimat im Nachwuchs von Erstligist Hämeenlinnan Pallokerho tätig: Tiilikainen trainierte die U20, Raita die U18, Salo die Torhüter beider Mannschaften.

Die Löwen, bei denen viele Jahre ein nordamerikanischer Wind wehte, schlagen damit einen Weg ein, der nicht nur für den Klub absolut atypisch ist, sondern für die ganze Liga. Drei im Profibereich völlig unbefleckte Übungsleiter zu engagieren, ist ein Wagnis, ein dreiköpfiges Trainerteam zumindest ungewöhnlich.

Löwen-Manager Franz Fritzmeier ist jedoch überzeugt von diesem Modell. Das deutsche Eishockey müsse sich „eine große Scheibe“ vom Fußball abschneiden, so der 38-Jährige, „immerhin sind wir da Weltmeister.“ Vielköpfige Trainerteams mit Spezialisten für jeden denkbaren Bereich sind im Lieblingssport der Deutschen Standard, gut ausgebildete, junge Trainer liegen im Trend. Und so zog Fritzmeier gestern bei Tiilikainens und Raitas luftiger Vorstellung (Salo war in Finnland geblieben) zwei weitere Beispiele aus dem Fußball heran: Tiilikainen, der in der höchsten finnischen Juniorenliga zweimal zum Trainer des Jahres gekürt wurde, erinnere ihn an den Hoffenheimer Trainer Julian Nagelsmann („impulsiver, hat mehr Temperament“), Raita stehe eher für den Schalker Domenico Tedesco („ruhiger, ein Analytiker“).
Der Löwen-Manager hatte vor eineinhalb Jahren in Hämeenlinna hospitiert und die drei Finnen dort kennengelernt. „Ihre Menschlichkeit hat mir besonders gefallen“, berichtete der Manager. Fritzmeier durfte mit aufs Eis und in die Kabine, konnte die drei hautnah bei der Arbeit beobachten. „Sie haben alle gleich hohe Qualitäten und sind alle gut ausgebildet“, sagte Fritzmeier.

Tiilikainen, Salo und Raita – Letzterer assistierte Fritzmeier schon vergangene Saison für ein paar Wochen – werden Anfang Juli die Arbeit aufnehmen und sollen als weitestgehend gleichberechtigtes Trainer-Dreigestirn auftreten. „An erster Stelle“, wusste Tiilikainen, „steht in Frankfurt der Erfolg.“ Daran dürften er und seine Kollegen schon bald gemessen werden.

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