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Fröhliche Löwen: Das Frankfurter Eishockeyteam bejubelt den entscheidenden Sieg in der Playoff-Serie gegen Iserlohn.
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Fröhliche Löwen: Das Frankfurter Eishockeyteam bejubelt den entscheidenden Sieg in der Playoff-Serie gegen Iserlohn.

Der Löwe erweist sich doch als der Stärkere

Der Frankfurter Eishockey-Erstligist zieht als erstes Team nach einem 1:3-Rückstand noch ins Halbfinale der DEL ein

Von MATTHIAS KITTMANN

Am Ende versagte die Sprache. Ob Fans oder Spieler der Frankfurt Lions - es wurde gestern nur noch wirres Zeug gestammelt, als der 4:3 (1:1, 2:0, 1:2)-Sieg im siebten Playoff-Viertelfinalspiel gegen die Iserlohn Roosters eingefahren und das Halbfinale der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) endlich erreicht war. Am 30. März um 16.50 Uhr ging in der Frankfurter Eissporthalle die aufregendste Best-of-Seven-Serie der bisherigen DEL-Geschichte zu Ende. Und das mit einem Spiel, das die Nerven bis zum Zerreißen spannte.

Einen 1:3-Rückstand in der Serie hatte zuvor noch nie ein Team in ein Weiterkommen umgebogen. Und als es dann zum finalen Duell kam, entschieden am Ende Sekunden, Millimeter, ein Buckel im Eis. Oder der richtige Umgang mit der alles entscheidenden Situation. 4:1 führten die Lions, ehe Iserlohn wie aus dem Nichts heraus noch einmal auf 4:3 herankam und in den Schlussminuten auch noch ein Powerplay hatte.

"So ein Spiel wird nicht mehr über Taktik oder Kraft entschieden, sondern allein über den Willen und den Kopf", sagte Rich Chernomaz danach. Der erschöpfte Lions-Trainer gewährte einen Einblick in die Psyche seines Berufs und darauf, wie er seine Mannschaft vorbereitet hatte. Sein Schlüsselerlebnis passierte einen Tag zuvor. Da telefonierte er mit einem Freund, der gerade einen Schlaganfall hinter sich hatte, und Chernomaz sagte: "Wenn du den Tod vor Augen hast, bekommst du einen anderen Blick aufs Leben." Ob passend oder nicht - den Vergleich übernahm er in seine Kabinenansprache: "Was wir in den vergangenen sechs Tagen erlebt haben, war ähnlich. Nach dem 1:3-Rückstand nach vier Spielen waren wir praktisch tot. Jetzt können alle Erwartungen, jede Angst von uns abfallen. Glaubt an euch, und wir werden dem Tod ein weiteres Mal entrinnen."

Wer nie dramatische Momente im Sport erlebt hat, mag das als pathetisch empfinden, doch es waren offensichtlich die richtigen Worte zur richtigen Zeit. Selbst den Nackenschlag zum 0:1 nach sieben Minuten, als Iserlohn im Powerplay traf, steckten die Lions weg, obwohl in der Serie bis dahin immer jenes Team gewonnen hatte, das 1:0 führte. Jason Marshall glich in der 13. Minute aus, dann schienen sich die größeren Kraftreserven der Lions, die im Gegensatz zu den Sauerländern mit vier Reihen agieren konnten, durchzusetzen. Zur Mitte des Spiels traf Layne Ulmer zum 2:1, ein Spieler aus der Reihe der Sorgenkinder. Denn Chernomaz hatte jene drei in eine Reihe gepackt, die vier Spiele lang noch nicht richtig in den Playoffs angekommen waren: Layne Ulmer, Jay Henderson und Jeff Heerema. Das Trio war schon am Freitag im Sauerland stark, nun eroberte es in der gegnerischen Zone den Puck und machte die wichtige Führung klar. Danach waren die Lions hochüberlegen, spielten den Roosters quasi in die schlechten Laktat-Werte.

Was fehlte, war ein 3:1, und das gelang den Lions acht Sekunden vor dem Ende des Mittelabschnitts, als Jason Young den Puck hinter dem Tor eroberte und Chris Taylor aus der Drehung traf. Die Partie schien gelaufen, als Simon Danner nach 51 Minuten das 4:1 nachlegte. Doch plötzlich verkrampften die Lions und verloren für wenige Minuten ihre mutige Linie, sodass es fünf Minuten vor Schluss plötzlich 4:3 stand.

Nun wurde auf den Rängen gezittert, doch wie im Finale 2004 schafften die Lions das Wunder. "Das kann man durchaus vergleichen", bestätigte Martin Reichel später, und selbst Ilja Worobjew, der in den vergangenen 15 Jahren einiges hinter sich gebracht hat, sagte: "Ich kann mich nicht erinnern, so eine Serie schon einmal erlebt zu haben."

Schon morgen geht es mit dem Halbfinale gegen Köln weiter, erst auswärts, dann am Donnerstag (jeweils 19.30 Uhr) in Frankfurt. "Diese 22 Spieler in der Kabine können alles, auch jetzt gegen Köln gewinnen", so Chernomaz.

Statistik: Tore: 0:1 Tapper (6:17), 1:1 Marshall (12:40), 2:1 Layne Ulmer (30: 39), 3:1 Taylor (39:52), 4:1 Danner (50:43), 4:2 Schmidt (51:40), 4: 3 Roy (54:43). - Schiedsrichter: Schimm (Waldkraiburg), Looker (USA). - Zuschauer: 6900. - Strafminuten: Frankfurt 12 - Iserlohn 16. - Playoff-Stand: 4:3.

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