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Löwen-Keeper Bastian Kucis auf dem Eis, Puck im Tor.

Frankfurter Löwen

Faule Löwen

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  • Michael Löffler
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Nach drei Niederlagen in den zurückliegenden vier Spielen gibt sich der Frankfurter Eishockey-Zweitligist kleinlaut.

Der Besuch in Bad Tölz hat Wirkung hinterlassen, und die deutlichen Worte nach dieser eher unerfreulichen Reise offenbar auch. „Die Spieler sind kleinlaut“, hat Franz Fritzmeier bei der Beobachtung der jüngsten Trainingseinheiten seiner Frankfurter Löwen festgestellt. Nicht ohne Grund: „Sie wissen, dass sie es verbockt haben.“ 

Nach dem verheißungsvollen Saisonstart hat die Leistungskurve des ambitionierten und trotzdem ja auch immer noch ordentlich dastehenden Eishockey-Zweitligisten eine erste Delle bekommen. In vier Spielen gab es zuletzt drei Niederlagen, am vergangenen Wochenende überhaupt keinen Punkt – und mit dem 2:6 bei den Bad Tölzer Löwen dann auch den ersten auf ganzer Linie enttäuschenden Auftritt. Was der Frankfurter Sportdirektor aber gar nicht nur schlimm findet: „Das schadet nichts“, findet er. „Wenn du dich immer durchwurschtelst, kannst du dir alles schönreden. In Bad Tölz war aber ein Punkt erreicht, wo man Klartext sprechen muss und aufzeigen kann, wo man den Hebel ansetzen muss.“

Am Anfang der Woche hat das finnische Trainertrio um Headcoach Matti Tiilikainen seine Puckjäger zu einer langen Videoschulung gebeten. Im Zentrum der Aufarbeitung: unnötige Strafzeiten und Scheibenverluste. Bei der Zahl der Zwangspausen in der Kühlbox sind die Löwen einsamer Spitzenreiter in der zweiten Klasse, eine alte Frankfurter Untugend – mit stattlichen 245 Minuten in elf Spielen. „Das sind zu viele Strafen, auch dumme Strafen. Keine wichtigen, mit denen man ein Tor verhindert. Sondern ein Stockschlag im offensiven Drittel oder ein Hakeln, weil man zu faul ist zum Laufen“, räumt auch Löwen-Stürmer Lukas Koziol ein. 

Der zweite Punkt: Die Defensive ist zwar in der Regel gut sortiert, allzu oft und leicht aber geht den Löwen in der Vorwärtsbewegung der Puck verloren. So lassen sie zwar selten viele Chancen zu, durch solche Konter aber dafür sehr gefährliche, das untermauert eine Statistik: Bei kaum einem anderen Spitzenteam brauchen die Gegner so wenige Schüsse pro Tor. 

Unter Zugzwang

Obendrein schwächelten zuletzt auch noch die anfangs so überzeugenden Sonderkommandos in Über- und Unterzahl. Acht Treffer kassierten die Löwen zuletzt in vier Spielen in Unterzahl. Und das statistisch gesehen immer noch beste Powerplay der Liga funktionierte in dieser Phase auch nicht. Drei Tore waren eine magere Ausbeute aus 30 Gelegenheiten, zumal man dabei auch noch drei Gegentore hinnehmen musste.

„Am Anfang hat bei unserem Powerplay alles funktioniert, das geht nicht immer so. Und jetzt sind auch bei allen Teams die ersten Analysen gemacht, da wird es nicht einfacher“, erklärt Fritzmeier. Für ihn geht bei den Tölzer Erfahrungen ohnehin alles miteinander einher – und der Ansatzpunkt ist auch ganz klar: „Wir müssen einfach immer 100 Prozent geben. Wenn du nur so lala spielst, klappt das auch im Powerplay nicht, dann kriegst du auch schneller unnötige Strafen und verlierst mal den Puck.“ 

Kein Grund zur Beunruhigung – als Tabellendritter sind die Löwen im Soll, mit sieben Siegen und vier Niederlagen, vielleicht eine zuviel, findet Fritzmeier. Und noch ist ja noch nicht einmal ein Viertel der 52 Hauptrundenpartien bestritten. Fritzmeier weiß indes auch: „Jetzt sind wir schon unter Zugzwang.“ An diesem Freitag (20 Uhr) bei den Titelverteidigern von den Bietigheim Steelers, denen es nach einem schleppenden Saisonstart auch kaum anders geht, und am Sonntag (16 Uhr) daheim am Ratsweg gegen den Tabellenletzten Bayreuth Tigers. Die Erlebnisse im Allgäu sollten dafür ein Weckruf sein. 

„Es ging uns am Anfang oft zu leicht von der Hand. Das ist ein schleichender Prozess, keiner macht das mit Absicht. Aber der letzte Biss geht verloren“, sagt der Sportdirektor. Immerhin: „Das kann man abstellen. Schlimmer wäre es für mich, wenn wir gar keine Chancen hätten. Aber außer Ravensburg haben wir uns immer selbst geschlagen.“ Gegen den Tabellenzweiten vom Bodensee verlor man zu Hause 4:7, nachdem zuvor das Spitzenspiel in Weißwasser noch souverän 6:2 gewonnen und damit das 3:4 aus dem Derby gegen Bad Nauheim gut gekontert wurde. Nur in Bad Tölz, das war wirklich nichts. „So pomadig geht es nicht“, tadelt Fritzmeier. „In der Liga kann jeder jeden schlagen. Wir müssen schon voll da sein.“ 

So wie bei den jüngsten Übungseinheiten. „Im Training haben wir viele Zweikämpfe gemacht, damit wir uns wieder richtig quälen“, berichtet Koziol von der Suche nach dem 100-Prozent-Schalter. „Und damit wir merken, dass es nicht so einfach ist zu gewinnen. Das dachten wir eventuell.“ Der Besuch in Bad Tölz dürfte den letzten Löwen eines Besseren belehrt haben.

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