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Lions

Ängstliche Cowboys

Fehlende Leidenschaft und mangelndes Selbstbewusstsein lassen die Lions um den Playoff-Verbleib zittern.

Von MATTHIAS KITTMANN

Vor acht Tagen schien es eher ein Scherz zu sein: "Ich würde mir wünschen, du ziehst für die Playoffs noch mal das Trikot an", hatte Trainer Rich Chernomaz vor dem Beginn der Viertelfinalserie der Frankfurt Lions gegen die Iserlohn Roosters zu Manager Dwayne Norris gesagt. Längst ahnt man: Chernomaz' Wunsch war ernst gemeint. Denn Norris, einst Mister Playoff genannt, hat selbst als Manager immer noch jenes Feuer in sich, das die Eishockey-Mannschaft der Lions so dringend braucht vor dem Alles-oder-Nichts-Spiel am heutigen Mittwoch (19.30 Uhr, Eissporthalle) gegen die Sauerländer. 1:3 liegen die Lions hinten - noch eine Niederlage, und die Saison ist vorbei.

Während sich Norris immer mehr in Rage redet - "bei uns spielen einige ängstlich wie Kinder und nicht tapfer wie Männer" -, wirken die Spieler frustriert und ratlos. "Die ersten drei Spiele gingen alle in die Verlängerung, man kann also nicht sagen, dass wir keine Chancen hatten", sagt Kapitän Jason Young, "umso ärgerlicher ist, was wir am Montag beim 1:5 abgeliefert haben. Da waren fast alle schlecht, ich nehme mich da nicht aus." Doch gerade der Umstand, dass die Lions zwei der drei engen Spiele verloren haben, zeigt in den Augen von Norris das Manko: "In diesen Spielen hatten wir alle Chancen, obwohl wir nicht gut gespielt haben. Das belegt, wie wenig mehr an Leidenschaft es gebraucht hätte, um diese Spiele zu gewinnen."

Immer wieder kreisen die Gespräche um die Frage, ob den Lions der letzte Biss fehlt, jener Hunger, den es braucht, um solche engen Serien zu gewinnen. Die Spieler schätzen das unterschiedlich ein. Während Verteidiger Lasse Kopitz sagt: "Ich sehe das nicht so, dass uns der Biss fehlt, uns fehlt in manchen Situationen nur das Timing", urteilt Ilja Worobjew: "Iserlohn spielt auf jeden Fall mit mehr Selbstbewusstsein. Wir müssen sowohl in unseren Aktionen wie auch in der Körpersprache wieder ausstrahlen: Stopp! Hier geht es für euch nicht weiter."

"Identität verloren"

Das fehlende Zutrauen in die eigene Stärke kam nicht über Nacht, meint Chernomaz: "Wir haben schon in den letzten 25 Spielen der Hauptrunde nicht mehr sehr überzeugend gespielt. Weil wir in der Tabelle eine relativ komfortable Position hatten, mussten wir nicht mehr um jeden Preis jenes kompromisslose Eishockey spielen, das uns vorher stark gemacht hat." Manager Norris drückt es so aus: "Wir haben ein bisschen unsere Identität verloren."

Die heutige Partie sehen beide als Charaktertest: "Wer sich jetzt nicht für die Mannschaft aufopfert, sollte mit dem Eishockey aufhören", sagt Norris. Schon gar nicht lässt er als Ausrede zu, dass einige Akteure vielleicht nicht alles aus sich rausholen, weil sie wissen, dass sie nächste Saison nicht mehr bei den Lions spielen. "Bullshit!", sagt Norris. Chernomaz hat ein Gegenbeispiel parat: "2004 wusste Mike Harder sehr früh, dass er keinen Vertrag mehr bekommt. Und was macht er? Er war einer der entscheidenden Spieler bei unserer Meisterschaft."

Doch so tief der Frust über den bisherigen Verlauf der Serie auch sitzt, abgeschrieben hat Norris sein Team noch nicht: "Wir haben doch gesehen, was die Mannschaft kann. Das muss sie nur wieder abrufen." Chernomaz dosiert seine Kritik am und vor allem gegenüber dem Team ohnehin: "Ich stelle niemanden vor allen an den Pranger. Ich will, dass die Mannschaft Lust aufs Gewinnen hat und nicht Angst vorm Verlieren." Voraussetzung ist, dass die Spieler den Preis dafür bezahlen. "Das ist wie bei einem Cowboy, der ein Pferd zähmen will", zieht Chernomaz einen alten nordamerikanischen Mythos heran, "du kannst dreimal runterfallen. Aber wenn du den Schmerz besiegst, wirst du das Pferd besiegen."

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