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Löwen Frankfurt: „Unser Ziel ist der Klassenerhalt“

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Von: Michael Löffler

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Löwen-Sportdirektor Franz-David Fritzmeier.
Löwen-Sportdirektor Franz-David Fritzmeier. © imago images/Jan Huebner

Löwen-Sportchef Franz-David Fritzmeier über gestiegene Anforderungen in der DEL, Teamspirit als Stärke und eine neue Eishalle.

Herr Fritzmeier, wie haben Sie den Sommer verbracht? Haben Sie sich mal richtig ausgeruht?

Am 22. April, das war ein Freitag, habe ich mit der Mannschaft ausgiebig den Aufstieg gefeiert – aber schon am Samstag ging es mit viel Arbeit weiter. Ich hatte noch nie so viele Anrufe, wie in der Zeit unmittelbar nach der DEL 2-Meisterschaft. Sponsorentermine, Abschlussgespräche mit den Spielern, Auslandsreisen wegen Verstärkungen, Vertragsverlängerungen, Neuverpflichtungen, DEL-Tagungen. An Arbeit mangelte es definitiv nicht.

Also haben Sie sich gar keinen Urlaub gegönnt?

Doch, ich war mit der Familie zwölf Tage in Ägypten. Vormittags habe ich gearbeitet, die Nachmittage mit der Familie am Meer verbracht, abends wieder gearbeitet.

Eine Ihrer wichtigsten Tätigkeiten nach dem Aufstieg war die Zusammenstellung der Mannschaft. Sind die Planung abgeschlossen?

Nein, es fehlt noch ein Ausländer, der als Center optimalerweise für die erste Reihe eingesetzt werden soll. Wir stehen in guten Verhandlungen. Ich hoffe, bald eine Erfolgsmeldung machen zu können.

Neu ist auch Trainer Gerry Fleming. Was für ein Typ ist er?

Gerry hat viel Erfahrungen in Nordamerika gesammelt, kennt auch die DEL aus seiner Zeit als Assistenztrainer bei den Eisbären Berlin (Anm. d. Red.: 2018 bis 2021). Dadurch kennt er auch noch einige Spieler aus der aktuellen Löwen-Mannschaft.

Elf Spieler sind in Kanada geboren, Torwart Jake Hildebrand ist US-Amerikaner. Ist die Mannschaft nicht zu sehr nordamerikanisch geprägt?

Ich habe viele Reisen über den Atlantik gemacht, mir etliche Spiele in den dortigen Ligen angeschaut. Dabei stellt man fest, dass sich das Bild auf den nordamerikanischen Eisflächen gravierend verändert hat: Früher war es tatsächlich so, dass unterhalb der NHL rein körperliches Eishockey überwog, Technik und Kombinationen wurden zugunsten der Härte vernachlässigt. Doch schauen Sie sich heute ein Team aus der American Hockey League an, fast die Hälfte der Spieler sind Europäer. Mit ihnen hat sich auch der Stil dort geändert. Deshalb spielen inzwischen auch die Kanadier nicht nur körperbetont, sondern legen viel Wert auf Technik und Taktik.

Die Erwartungen der Löwen-Fans sind riesig. Liebäugeln sSie mit den Playoffs?

Natürlich möchte jedes Team, das in die Liga startet, die Playoffs erreichen – da sind wir nicht ausgenommen. Aber unser Ziel ist und bleibt eindeutig der Klassenerhalt. Man darf dabei nicht vergessen, dass im Falle, dass jemand aus der DEL 2 aufsteigt, zwei der 15 DEL-Mannschaften absteigen müssen. Wir messen uns mit Gegnern, die in der Liga bereits etabliert sind und die zum Teil einen viel höheren Etat haben, als es der unsere ist. Bei uns wurde gute Arbeit geleistet – wir haben neue Sponsoren gewonnen, der Etat wurde gegenüber der letzten Saison gesteigert, aber auch die Kosten sind gestiegen. Entsprechend befinden wir uns im unteren Drittel der Liga, was den Etat betrifft.

Was wird Ihrer Schätzung nach die Stärke der Löwen sein?

Der Teamspirit. Wir haben darauf geachtet, keine Spieler zu verpflichten oder in die DEL mitzunehmen, die ihre beste Zeit hinter sich haben. Diejenigen unter unseren Spielern, die schon im Oberhaus gespielt haben, brennen darauf, wieder ihr Können in der DEL unter Beweis zu stellen. Einige hätten woanders vielleicht nie die Chance bekommen, noch einmal in der Eliteliga zu spielen. Aber auch unsere Neuverpflichtungen laufen alle auf, um zu beweisen, was sie draufhaben. Unser Vorteil könnte sein, dass unsere Jungs ein wenig motivierter sein könnten als die Konkurrenz. Alle wollen sich beweisen: dem Trainerteam gegenüber, aber vor allem sich selbst.

Auf welche Änderungen müssen sich die Fans einstellen?

Die Spiele werden viel intensiver, mehr taktisch geprägt. Alles wird schneller sein, aber es werden weniger Fehler passieren, denn die individuelle Stärke der Spieler ist höher. Unsere Defensive muss noch besser als in der DEL 2 funktionieren. Die Fans müssen sich darauf einstellen, dass uns im Gegensatz zu den zwölf Jahren in den Ligen unterhalb der DEL eine Niederlagenserie passieren kann. Zu Beginn kann uns die Euphorie tragen – aber wenn sich dann ein Alltag einschleicht, müssen wir weiter konstant spielen.

Ist es ein Vorteil, dass die Runde für die Löwen mit vermeintlich leichteren Spielen gegen Wolfsburg, Bremerhaven und Iserlohn beginnt?

Ganz und gar nicht. Wolfsburg ist ein Top-4-Team und direkt ein hartes Brett für uns. In den anderen Begegnungen kann man sicher sein, dass diese Mannschaften richtig Gas geben werden. Ich hätte lieber gegen Berlin oder München begonnen, da hätte eher die Chance bestanden, dass wir nicht so ernst genommen werden und ein Überraschungssieg möglich wäre.

Abschließend kommt eine obligatorische Frage. Wann werden die Löwen ihre Heimspiele in „The Dome“ austragen?

Dass wir in der DEL – um dort auf die Dauer konkurrenzfähig zu sein – eine neue Halle brauchen, sollte jedem klar sein. Konkretes können wir leider nicht vermelden, doch ich glaube fest daran, dass die neue Halle keine Utopie ist.

Interview: Michael Löffler

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