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Die Mühen des Alltags

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Von: Frank Hellmann

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Zurück im Geschirr: Lionel Messi in Paris. Foto: AFP
Zurück im Geschirr: Lionel Messi in Paris. © afp

Die argentinischen Weltmeister sind nach ihrem Urlaub gar nicht so leicht einzugliedern. Nun kehrt auch Superstar Lionel Messi mit Paris St. Germain in den Trainingsbetrieb zurück

Es war aus PR-Zwecken ja wenig verwunderlich, dass die Kamera des Klubsenders von Paris St. Germain am Dienstag ausschließlich auf den bärtigen Mann hielt, der rote Schuhe und schwarze Handschuhe trug. Und der beim Kreisspielchen nicht einmal in die Mitte musste. Untrügliches Zeichen, dass Lionel Messi trotz Sonderurlaubs nichts verlernt hat. Doch irgendwann muss auch der argentinische Megastar wieder in den französischen Alltag zurückkehren.

PSG-Trainer Christophe Galtier äußerte sich nach dem Abschlusstraining hocherfreut über den Re-Start von Messi und Neymar, für deren Wiedereingliederung sich das Heimspiel des Tabellenführers gegen Schlusslicht Angers SCO (Mittwoch 21 Uhr) förmlich anbietet. In der Ligue 1 gibt es keinen leichteren Gegner. Vor Anpfiff dürfte sich der proppenvolle Prinzenpark applaudierend vor Messi verneigen, nachdem der 35-Jährige bereits in der Vorwoche durch ein Spalier klatschender Mitspieler trabte.

Fehlen wird noch Kylian Mbappé: Der im WM-Finale dreimal erfolgreiche Franzose war viel früher als Messi zu seinem Arbeitgeber zurückgekehrt, hatte aber am Neujahrstag bei der Niederlage beim Überraschungszweiten RC Lens (1:3) so ausgelaugt gewirkt, dass ihm jetzt eine Pause zugestanden wird. Gemeinsam müssen Messi, Mbappé und Neymar ja erst wieder seriös stürmen, wenn es im Achtelfinale der Champions League gegen den FC Bayern (14. Februar/8. März) ernst wird.

Nächste Woche wird das Starensemble noch mal schnell zu einem Kurztrip nach Katar und Saudi-Arabien jetten, um erst in Doha ein Showtraining abzuhalten, ehe in Riad ein Showmatch gegen den zu Al-Nassr gewechselten Messi-Rivalen Cristiano Ronaldo steigt. Solche Abstecher sind Teil der globalen Marketingstrategie, von der auch Messi enorm profitiert. Weil sein Vertrag im Sommer in Paris ausläuft, könnte noch ein heißer Poker um die Dienste des weltbesten Fußballers bevorstehen.

Martinez ist Bankdrücker

Jeder hat ihm und seinen Mitspielern nach dem überwältigen Empfang in Buenos Aires gegönnt, sich in der Heimat ein bisschen im Glanze des Goldpokals sonnen zu können. Die reich befüllten Social-Media-Kanälen bezeugten, dass vor allem Familien und Freunde an der Freude der Weltmeister teilhaben durften. Messi schrieb zum Jahreswechsel zu einem Bild mit Frau und Söhnen erneut von einem Traum, der nichts wert gewesen wäre, wenn er es „nicht mit einer wunderbaren Familie teilen könnte.“

Ähnliche äußerte sich auch Elfmeterheld Emiliano Martinez, der sich bei einer Zusammenkunft mit Angehörigen in Mar del Plata im Hintergrund am Sofa abstützte, was anständiger aussah, als der nach der Siegerehrung vor seine Hose gehaltene goldene Handschuh für die Auszeichnung als bester WM-Torwart. Diese obszöne Geste (und andere Unarten) fand Vereinstrainer Unai Emery bei Aston Villa gar nichtig witzig, weshalb der Spanier ein klärendes Gespräch mit dem Kindskopf zwischen den Pfosten führte.

Martinez hat bislang nur im Heimspiel gegen Wolverhampton Wanderes (1:1) das Tor gehütet, als Villas Stammkeeper mit argentinischen Fahnen und Transparenten begrüßt wurde. Doch selbst bei der FA-Cup-Blamage gegen den Viertligisten Stevenage (1:2) saß der 30-Jährige am Sonntag auf der Bank, als sein Stellvertreter Robin Olsen patzte. Das könnte Martinez nun im Punktspiel gegen Leeds United (Freitag 21 Uhr) wieder in die Startelf bringen. Auch andere Helden haben ihre Stammplätze zumindest vorläufig verloren oder kämpfen um den Anschluss.

Der unter Weltmeistertrainer Lionel Scaloni bei der WM stets gesetzte Kämpfer Rodrigo de Paul wurde von Landsmann Diego Simeone bei Atletico Madrid im Spitzenspiel gegen den FC Barcelona (0:1) nicht mal eingewechselt. Und Messis Sturmpartner Julian Alvarez lief für Manchester City zuletzt in der Pokalpartie gegen Chelsea (4:0) nur auf, weil die halbe Stammelf geschont wurde. Alvarez traf immerhin per Elfmeter, wird sich aber wohl schon im Derby gegen Manchester United (Samstag 13.30 Uhr) erneut mit Jokerrolle begnügen müssen.

Andere wollen die Steigerung des eigenen Marktwertes für sich nutzen: Enzo Fernández, Mittelfeld-Bodyguard für Zauberer Messi, drängt bei Benfica Lissabon auf die Freigabe, weil ihn Chelsea unbedingt möchte. Fans des portugiesischen Traditionsvereins beschimpfen den 21-Jährigen bereits als Verräter. So bleibt der Grat für jeden Weltmeister schmal. Die Gefahr besteht, dass die Gier nach noch mehr Ruhm und Reichtum dem einen oder anderen den Kopf verdreht. Wer dann noch glaubt, vielleicht einen Schritt weniger machen zu müssen, hat meist schon verloren. Am ehesten ist wohl Messi zuzutrauen, diese Fallstricke auszutricksen. Nur er scheint die Gabe zu besitzen, schwierigste Aufgaben ohne größeren Aufwand aufzulösen.

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