Studiengang

Lernen fürs Leben danach

Im neuen Studiengang „Management im Profifußball“ entstehen die Sportchefs von Morgen.

Irgendwann will wohl auch Christian Gentner Trikot und Stutzen gegen Anzug und Krawatte tauschen. „Der Fußball war immer Mittelpunkt meines Lebens und wird es auch bleiben“, sagt der Mittelfeldspieler des 1. FC Union Berlin. Er wolle dem Fußball definitiv „später in anderer Funktion erhalten bleiben“. Wo und welche das sein und ob der Weg vom Rasen in die Geschäftsstelle einmal nahtlos erfolgen wird, ist offen. Der 409-malige Bundesligaspieler denkt auch noch nicht ans Karriereende, sehr wohl aber schon an die Zeit danach.

Gentner ist einer von 14 Teilnehmern des neuen Lehrgangs „Management im Profifußball“, der am Montag startet. Der vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) und der Deutschen Fußball Liga (DFL) ins Leben gerufene Kurs soll künftige Sportverantwortliche in den Klubs der oberen drei Ligen auf ihre bevorstehenden Aufgaben vorbereiten. Er erstreckt sich über eineinhalb Jahre, umfasst neben 19 Präsenztagen auch mehrere Online-Phasen und ist in drei Hauptbereiche gegliedert: Bundesliga-Know-how, sportliches Know-how und Management-Know-how. Themen wie Sportrecht, Lizenzierung, Scouting, Kaderplanung und Leadership stehen auf dem Lehrplan.

Ein Aktiver ist mit dabei

Auch die Ex-Nationalspieler Stefan Kießling, Marcel Schäfer und Sascha Riether machen mit, Gentner ist der einzige noch aktive Profi. „Ich bin kein Student, der nebenher Fußball spielt, sondern andersrum“, stellt der 35-Jährige klar. Er sehe „dieses Pilotprojekt“ aber als „riesige Chance“. Der Zeitpunkt sei „günstig, weil meine Familie in Stuttgart geblieben ist und ich mich außerhalb meiner Arbeit bei Union dann gut in die vielen neuen Themen einlesen kann“. Themen, die er bislang nur gestreift hat. „Du kannst dich als Spieler noch so für Dinge wie Sportrecht oder Finanzen interessieren, den ganz tiefen Einblick hast du nicht“, sagt Gentner. „Es ist wichtig, die Vereinssicht kennenzulernen, um die Dinge besser zu verstehen.“

Die Wege in die Chefetagen der Klubs waren und sind bislang also sehr unterschiedlich. Doch das Geschäft ist über die Jahre zum Milliardenbusiness gewachsen – und mit ihm die Anforderungen an seine aktuellen und künftigen Entscheidungsträger. „Ich glaube, dass ein klassisches Sportmanagement-Studium nicht das hergibt, was es speziell im Profifußball braucht. Der wird immer komplexer“, sagt Gentner.

Das Zertifikat, das die Absolventen im April 2022 erhalten, sei natürlich keine Verpflichtung, um im Profifußball auf Managementebene zu arbeiten, erklärte DFB-Direktor Oliver Bierhoff, aber es soll „ein Qualitätssiegel sein“. Weshalb dem Lehrgang auch ein strenges Auswahlverfahren vorausging. „Ich musste mich vorher noch nie richtig bewerben“, erzählt Gentner. „Jetzt brauchte ich einen Lebenslauf, ein Motivationsschreiben. Da habe ich mir auch Ratschläge von meiner Frau geholt.“ (dpa)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare