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Leonie Meyer: Mit Wind in allen Segeln

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Von: Nico-Marius Schmitz

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Hat Paris 2024 vor Augen: Leonie Meyer.
Hat Paris 2024 vor Augen: Leonie Meyer. © imago/Eibner

Medizinstudium, Leistungssport, Leben in einem Van, Familie und bald Olympia? Kitesurferin Leonie Meyer schafft das

Eigentlich sollte alles ganz anders kommen. Im Kopf von Leonie Meyer war immer festgesetzt, dass sie mit der Familienplanung erst 2024, nach den Olympischen Spielen, starten kann.

Doch während der Pandemie machte sich Meyer viele Gedanken, sprach mit ihrem Partner, Freunden und der Familie. Und kam zu dem Entschluss: Mama sein und Athletin, das klappt!

Letztes Jahr im Mai kam Sohn Levi auf die Welt. Letztes Jahr im Oktober hat Meyer ihr zweites Staatsexamen im Medizinstudium abgeschlossen. Und das alles neben einer Karriere als professionelle Kitesurferin. Wie soll das funktionieren?

Als unsere Zeitung die 29-Jährige am Telefon erwischt, ist sie gerade auf dem Rückweg von der Weltmeisterschaft im italienischen Cagliari. Kurz vor der WM wurde Meyer noch vom Coronavirus „niedergestreckt“, trotzdem sprang ein neunter Platz heraus. Und wie schafft man es jetzt, Studium, Kind und Leistungssport unter einen Hut zu bekommen? „Ich habe die Schwangerschaft über Krafttraining gemacht, um mich fit zu halten“, erzählt Meyer. „Mit dem Lernen für das Examen habe ich schon früher angefangen und Praktika vorgezogen.“

Nach der Geburt von Levi gab es mehr Komplikationen, als Meyer erwartet hätte. Die ersten zwei Wochen konnte sie nicht länger als fünf Minuten stehen. Nach der Europameisterschaft letztes Jahr musste sie dann noch mal operiert werden: „Das hat mich noch mal ordentlich zurückgeworfen. Man wird erst mal nach hinten gereicht und muss sich wieder rankämpfen.“

Für das zweite Staatsexamen der Medizin gibt es einen Lehrplan mit 100 Tagen à acht Stunden. Meyer arbeitete die Wochenenden durch. Sie kann an zwei Händen abzählen, an wie vielen Tagen sie vor Mitternacht mit dem Lernen fertig war. „Das Gute an einem Säugling ist ja, dass sie relativ viel schlafen. Zumindest tagsüber“, sagt Meyer mit einem Schmunzeln: „Ich habe gestillt und hatte das iPad in der Hand, um weiter zu lernen. Für unsere Bindung war das super. Levi hat super viel auf mir und an mir geschlafen.“

Der große Traum von Meyer sind die Olympischen Spiele 2024 in Paris. Dort feiert Kitesurfen Premiere. Schon einmal hatte sich die Kielerin auf Olympia vorbereitet. Von 2012 bis 2016, damals noch im 49er-Segeln, aber die Qualifikation für die Spiele in Rio gelang nicht.

Nun der nächste Anlauf in einer Sportart, die spektakulär, aber eben auch gefährlich ist. Beim Kitesurfen werden Geschwindigkeiten von über 60 km/h erreicht: „Die Geschwindigkeiten sind mega. Man ist aber immer am Limit. Und die Stürze werden von Saison zu Saison heftiger.“

Hinzu kommt, dass Kitesurfen in Deutschland nicht die Bedeutung hat wie in anderen Ländern. Der deutsche Verband hat aktuell nicht mal einen Bundestrainer. Das britische Team kann sich beispielsweise Vollzeit auf den Sport konzentrieren. Für Meyer ist das undenkbar, ohne die Hilfe vom Norddeutschen Regatta Verein könnte sie das alles nicht stimmen. „Das aktuelle Jahr konnte ich gerade so mit Ach und Krach finanzieren.“ Meyer hofft, dass sie nächstes Jahr wieder einen Kaderstatus hat, dann gibt es 700 Euro im Monat von der Deutschen Sporthilfe und „das Leben ist dann auch wieder einfacher.“

Ständig auf Achse

Meyer schläft nur selten zu Hause, dreiviertel des Jahres verbringt sie in ihrem Van, hat eine Kooperation mit VanTourer. Das spart Geld und gestaltet die Anreise zu Wettkämpfen oder Trainingsspots flexibler.

Aber jetzt wird der Van erst mal gegen das Flugzeug getauscht. Sohn Levi hat eine seltene Unterschenkelfehlbildung und muss im November zwei Mal in Amerika bei einem Spezialisten operiert werden. Die Familie bleibt vier Monate in den Staaten. „Wir werden aus der Zeit in Florida das Beste machen“, sagt Meyer: „Und ich gebe weiter alles dafür, um mir meinen Traum von Paris zu erfüllen.“

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