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„Ich denke, dass viele Leute nicht aus Überzeugung, sondern aus Mangel an Alternativen die AfD wählen“, sagt Leon Goretzka. 

Gegen Rassismus

Leon, der Mutige

Nationalspieler Goretzka positioniert sich deutlich gegen die AfD.

Eine Woche ist es her, da besuchte Leon Goretzka das ehemalige Konzentrationslager Dachau, nördlich von München gelegen. Gekleidet ganz in schwarz, dunkler Mantel, dunkle Hose, dunkle Schuhe. Goretzka, Fußballprofi beim FC Bayern und deutscher Nationalspieler, hielt den unauffälligen, zurückgenommene Auftritt für angemessen bei diesem Anlass. Er ließ sich auch fotografieren bei seinem Besuch und veröffentlichte kurz darauf einige dieser Bilder in den Sozialen Medien. Der kurze, aber prägnante Text darunter: „never forget“ und „nie wieder“.

Leon Goretzka, 25, in Bochum geboren und aufgewachsen, ist ein Sportler mit klaren Meinungen, und einer, der diese auch bewusst in die Öffentlichkeit trägt. In einem Interview mit dem „Spiegel“ forderte er seine kickenden Kollegen erst jüngst zu einem stärkeren Engagement im Kampf gegen Rassismus auf. „Ich will ganz bewusst dazu aufrufen, dass man gegen Leute, die sich rassistisch äußern, vorgeht“, sagte Goretzka. Jeder solle sich an die eigene Nase fassen und den Mut haben, „den Mund aufzumachen“.

Gegenüber dem Streamingdienst Dazn äußerte er nun zudem seine „Sorge“ ob der Erfolge der AfD. „Man fasst sich an den Kopf und fragt sich, wie das passieren kann. Ich denke aber, dass viele Leute nicht aus Überzeugung, sondern aus Mangel an Alternativen die AfD wählen.“ Viele Menschen in Deutschland hätten Angst vor der Zukunft oder fühlten sich abgehängt, so der 25-Jährige, der heute Abend (21 Uhr) mit den Bayern in London beim FC Chelsea antritt: „Für diese Leute ist oft die Lösung, das Problem in anderen Bereichen wie beispielsweise der Migration zu sehen.“ Er wolle daher weiterhin deutlich seine Meinung kundtun.

Bobic: „Müssen laut werden“

Zwei, die das dieser Tage auch taten, arbeiten in Frankfurt. So äußerte sich zum einen Eintracht-Spieler Danny da Costa gegenüber der FR deutlich im Kampf gegen Rassismus: „Wichtig ist, dass nichts unter den Tisch gekehrt wird. Zivilcourage ist wichtig, das hinterlässt Eindruck und bleibt in den Köpfen hängen.“ Zum anderen positionierte sich sein Chef, Eintracht-Sportvorstand Fredi Bobic, im Sky-Interview klar: „Wir müssen langsam laut werden. Es ist an der Zeit, dass wir Rassismus nicht mehr einfach so hinnehmen“, so Bobic. Wenn sich jemand, wie zuletzt beim Spiel in Münster, verfehle, „dann muss man mit dem Finger auf den zeigen. Das haben die Zuschauer in Münster genau richtig gemacht. Derjenige muss dann raus. Und zwar lebenslang. Sonst gewinnen die. Ich will solche Leute in keinem Stadion mehr sehen.“In Münster wurde Spieler Leroy Kwadwo rassistisch beleidigt.

In Frankfurt störten zudem einzelne Zuschauer beim Spiel gegen Salzburg die Schweigeminute nach dem Anschlag in Hanau, Zehntausende Fans reagierte mit „Nazis raus“-Rufen. „Das war ein sehr starkes Signal, dass die Masse die einzelnen Unruhestifter zur Vernunft gebracht hat“, sagte Bobic. Nicht immer, das weiß gerade Leon Goretzka, treffen solch klare Meinungen auf Gegenliebe. „Da kommen dann Aussagen wie: Du bist kein Politiker. Spiel gefälligst nur Fußball.“ Er hat für sich entschieden, diese Stimme zu ignorieren. 

dani/dpa

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