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Lea Meyer läuft zu Silber: Kein Hindernis ist zu hoch

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Überraschungscoup über 3000 Meter Hindernis: Lea Meyer.
Überraschungscoup über 3000 Meter Hindernis: Lea Meyer. © dpa

Lea Meyer läuft über die 3000 Meter Hindernis zu EM-Silber - fünf Wochen nach ihrem Sturz in den Wassergraben.

Lea Meyer ist weltberühmt, das Foto von ihr war vor ein paar Wochen in allen Zeitungen. Nur ohne Kopf. Denn mit dem voran war sie eingetaucht in den Wassergraben von Eugene, Oregon. Ihr Sturz im 3000-Meter-Hindernisrennen bei der WM war auch das Sinnbild der deutschen Leichtathletik.

Aber: Sie ist da schon ihrem Motto gefolgt. „Ich bin eine, die sechsmal aufsteht, wenn sie fünfmal fällt.“ Noch im Rennen sammelte sie sich. „Ich musste das verdauen und nahm mir vor: Einmal noch über den Wassergraben, damit kein Trauma entsteht.“ Denn sie spürte: Sie war gut. Genauer: „In der Form meines Lebens.“

Die hat sie trotz eines einwöchigen Corona-Intermezzos im Höhentrainingslager in St. Moritz zwischen WM und EM bewahrt und am Samstagabend noch gesteigert. Mit ihrem zweiten Platz und einer persönlichen Bestzeit, die sie um über zehn Sekunden steigerte, ist sie nun auf einmal das Sinnbild der deutschen Leichtathletik, die sich wieder sortiert hat nach den Ergebnissen von Eugene. Viel wird gesprochen dieser Tage, was Platzierungen bei der Europameisterschaft im Weltkontext gelten. „Sicher gibt es einen Effekt durch das Publikum. Es trägt dich, wenn deine Beine nicht mehr können“, räumte die Kölnerin den Heimvorteil ein, sie schrieb ihm einige Sekunden zu.

„Ja, das Weltniveau ist höher, doch man muss trotzdem seine Leistung bringen. Und keiner ist aus Glück hier, sondern weil er sich das erarbeitet hat.“ Was sie selbst betrifft: 9:15 Minuten sind eine Zeit, „da stehe ich auch im Weltniveau nicht schlecht da.“

Vielleicht ist man ungerecht in der Beurteilung von Leichtathlet:innen, die nicht ständig Spieltage haben wie Teamsportarten, sondern nur wenige Auftritte pro Saison. „Man sieht mich hier dann 9:15 Minuten laufen – doch nicht den Weg hierher“, sagt Lea Meyer. Ihr Weg war: Am Ende der Jugendzeit hatte die 24-Jährige „die Laufschuhe für ein paar Monate an den Nagel gehängt“, erst Trainer Henning von Papen brachte ihr den Spaß am Wettbewerb zurück. Der geschätzte Coach starb im Januar dieses Jahres. Ihre Silbermedaille, mit der sie nicht gerechnet hatte („Möglich war alles von Platz drei bis zwölf“). Als Zeit angestrebt war „eine kleine 20“, es wurde dann eine glatte 15 – um im Läuferinnenjargon zu bleiben.

Die 3000 Meter Hindernis, auf der Gesa Krause, die eigentlich Beste in Europa und Deutschland, wegen eines Formtiefs fehlte, sind als Strecke „perfekt für mich. Für die Mittelstrecke bin ich zu langsam, und Hindernis ist eine Langstrecke, auf der sich was tut“.

Manchmal tut sich dann etwas, mit dem man nicht rechnet – wie im Eugene mit dem Wassergraben. Aber nun ist bewiesen: „Ich kann es auch ohne großartige Stunts.“

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