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Neues Terrain: Laura Dahlmeier bezwingt nun Berge.

Berglauf

Laura Dahlmeier startet bei Berglauf-WM

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Von einer Trailrunning-WM erfährt die Öffentlichkeit selten etwas, diesmal ist das anders - dank Laura Dahlmeier

Ums Geld geht es beim Berglauf nicht. Davon leben kann man eigentlich nicht.

Kurt König hatte, als er selber noch Berglauf-Aktiver war, einen Freund, einen englischen Läufer, der die Saison über von Veranstaltung zu Veranstaltung zog. Unvermittelt stand der Buddy aus Great Britain bei König in Mittenwald vor der Haustür. „Er hatte gerade noch 100 Euro in der Tasche.“ König rechnet vor: Die Wettbewerbe sind an den Wochenenden, selten kann der Sieger mehr kassieren als 300 Euro. Wenn man aber noch reisen muss von einem Ort zum anderen, wenn man essen und übernachten muss – was bleibt da übrig?

Kurt König ist heute beim Deutschen Leichtathletik-Verband Mitglied des Bundesausschusses Laufen und „Berater Berglauf“. In dieser Funktion sollte er bei der Berglauf-WM in Patagonien in Argentinien vor Ort sein. Er hat verzichtet, „damit unsere Athleten nicht noch einen Kostenzuschuss auf sich nehmen müssen“.

Fünf Deutsche sind hinüber geflogen nach Argentinien, wo sich die Jahreszeit gerade zwischen Frühjahr und Sommer bewegt. Drei Männer und zwei Frauen starten heute über die Langstrecke mit einer Länge von 41,5 Kilometern, also annähernd der klassischen Marathondistanz – nur eben nicht auf einer flachen Straße, sondern über Pfade, durch den Wald, durch Bäche, über ein Schneefeld. 2184 Höhenmeter sind zu bewältigen – je 2184 in beide Richtungen, bergauf, bergab. Und soll niemand glauben, den Berg hinunter fließe es einfach so dahin.

Eine der fünf Deutschen ist die Ex-Biathletin Laura Dahlmeier, die sich mit ihrem Sieg beim Ultratrail ums Zugspitz-Massiv regulär qualifiziert hat. Sie strebte diese zweite Karriere nicht an, sie ergab sich einfach – und Laura Dahlmeier weiß auch noch gar nicht, ob das eine ernsthafte sportliche Laufbahn werden oder ein Spaß bleiben soll.

Sogar 100-Kilometer-Läufe

Jedenfalls macht sie einen Sport bekannt, der auf der einen Seite eine lange Geschichte hat, aber immer etwas für Spezialisten geblieben ist. Auf der anderen kommt sie hinein in eine ziemlich neue Sportart, die gerade sehr forciert wird. Vor allem im Alpenraum sieht man viele Werbeplakate von Menschen, die glücklich und frei wirken, wenn sie federleicht einen Anstieg hinaufstürmen und über Felsen springen. Eins mit der Natur. Sie betreiben Trailrunning.

Kurt König sagt dazu: „Es gibt im Grunde keinen Unterschied zwischen Berglauf und Trailrunning.“ Die heute zum Trailrunning ausgeschriebenen Strecken etwa in Südtirol seien identisch mit denen, die er früher als Bergläufe absolvierte. Trailrunning ist halt der neue Begriff. „Dahinter steht die Sportartikelindustrie.“ Outdoor-Firmen wie Salomon greifen die Begeisterung der Leute für die Berge auf. Den neuen Sportplatz auch im Sommer. Laufen in der Kulisse, in der andere nur Wandertempo gehen können ist die neue Anmutung des Extremen.

Trailrunner tragen profilierte Schuhe, kleine Rucksäcke mit Notfallausrüstung. Sie sind immer in Gefahr, weil das Gelände hochalpin werden, weil Nebel und Sturm aufziehen, ihnen das Wasser oder die Verpflegung ausgehen kann. Oder weil sie sich überanstrengen, denn die Distanzen sind gewaltig: Manche Läufe gehen über mehr als 100 Kilometer. Man startet um drei oder vier Uhr morgens, aus der Nacht in den Tag hinein. Ein wenig muss man dann doch noch herausarbeiten, wo Berglauf und Trailrunning auseinandergehen. Die Berglauf-WM findet zwar auf einer klassischen Trail-Strecke statt, allerdings wird ohne Ausrüstung gelaufen, und Stöcke sind nicht zugelassen. Die in Argentinien zu laufenden Strecken (Classic: 14,02 km – 754 Meter bergauf, 754 bergab und Lang; 41,5 km – je 2184 Höhenmeter) sind nach Maßstäben der Ultraszene überschaubar.

Um die kurze Strecke gab es unter Bergläufern vor Jahren einen Glaubenskrieg. Für Puristen war der Berglauf ein Lauf den Berg hinauf und nicht wieder hinunter – bei der jährlichen WM wird auf dieser Strecke abgewechselt. Bergankunft – Talankunft. Die Langstrecke findet immer auf einem Kurs statt, bei dem man unten im Tal beginnt und dorthin auch zurückkommt. Kurt König hat sich das Höhenprofil angesehen, man kann daraus ableiten, was einen erwartet, seine Kräfte einteilen, die Renntaktik festlegen. Die Athleten führen die Aufzeichnung des Profils zur Orientierung mit sich – in der Regel ist es auf der Rückseite der Startnummer abgedruckt.

Wie schnell man beim Berglauf oder Trailrunning ist, das hängt von vielen Faktoren ab: Steigungen, Untergrund, der auch matschig oder eisig sein kann, Sicht, Wetterlage – daher sind Zeiten mit denen über die gleiche Kilometerdistanz auf flacher asphaltierter Strecke sinnlos.

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