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Allen anderen davongelaufen: Amanal Petros (TV Wattenscheid) gewinnt den Halbmarathon in Frankfurt.

Frankfurter Halbmarathon

Laufendes Lebenszeichen

  • Frank Hellmann
    vonFrank Hellmann
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Das Frankfurter Eliterennen produziert mehr Gewinner als Amanal Petros und Melat Kejeta. Arne Gabius läuft hinterher und nimmt es locker.

Amanal Petros dachte erst gar nicht daran, sein Tempo zu reduzieren. Rechts neben ihm der Bauzaun zur neuen Halle 5 auf dem Frankfurter Messegelände, vor ihm rot-weißes Flatterband. Bis zum letzten Schritt der 21,0975 Kilometer zog der 25-Jährige voll durch, obwohl ihm an diesem sonnigen Vormittag niemand mehr auf den Fersen war. „Es gab keinen Grund für Zurückhaltung. Wir sind so froh, dass wir wieder laufen konnten“, sagte der 25-Jährige von der TV Wattenscheid nach seinem beeindruckenden Sieg in 1:03:31 Stunden beim offiziellen Qualifikationslauf für die Halbmarathon-Weltmeisterschaften am 17. Oktober.

Der gebürtige Eritreer, einst aus Äthiopien als Flüchtling nach Deutschland gekommen, hatte seine Bravourleistung in Barcelona (1:02:18) vor der Pandemie bestätigt. Dass der drei Kilometer lange Rundkurs für die Öffentlichkeit hermetisch abgesperrt war, machte ihm nichts aus. „Man muss als Läufer sehr stark im Kopf sein“, erzählte Petros, der sich noch gut daran erinnerte, wie ihn während des Frühjahrstrainingslager in Kenia die Aufforderung erreichte, wegen der Corona-Krise zurück nach Deutschland zu reisen. Dann kam die Absage der Olympischen Spiele.

Zwischenzeitlich sei er so down gewesen, „dass ich zum Wandern in den Teutoburger Wald gegangen bin“. Erst an seinem Geburtstag Mitte Mai sei die Motivation zurückgekommen. Petros erzählte mit leuchtenden Augen, wie dankbar er nun sei, bei einem offiziell vom Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) anerkannten Rennen starten zu dürfen, bei dem auch Simon Boch (1:04:28), Tom Gröschel (1:04:36) oder Konstatin Wedel (1:05:25) ihre WM-Tickets lösten. Der noch am selben Tag aus der Mainmetropole ins Höhentrainingslager nach St. Moritz weitergereiste Petros peilt dann eine Top-Ten-Platzierung im polnischen Gdynia an.

Ähnlich ambitioniert dürfte dort auch Melat Kejata unterwegs sein. Die aus Äthiopien stammende 27-Jährige triumphierte in 1:09:04 Stunden weit vor Miriam Dattke (1:12:03) und kam in Nähe ihrer eigenen Jahresbestzeit (1:08:56), so dass ihr Vereinscoach vom Laufteam Kassel, Winfried Aufenanger, glaubt, „dass bald der deutsche Rekord fällt“.

Katharina Steinruck von der LG Eintracht Frankfurt stellte als Dritte ihre persönliche Bestzeit ein (1:12:23 Stunden) und wird von ihrer Mutter, der Bundestrainerin Katrin Dörre-Heinig, nun als WM-Nachrückerin vorgeschlagen. Steinruck gab zu, nach Absagen von drei Höhepunkten (Olympische Spiele Tokio, Frankfurt, Krakau) in ein mentales Loch gefallen zu sein.

Ihr Lob für die Veranstalter in Frankfurt verknüpfte die 31-Jährige mit einem Seitenhieb auf den DLV. „Toll, was hier umgesetzt wurde, wenn schon der Verband nichts gebacken kriegt.“ Sie kann nicht verstehen, dass Organisatoren vielerorts noch „Steine in den Weg“ gelegt werden. Sie vermisst „die Wertschätzung für den Straßenlauf, aber vielleicht sind wir Läufer auch zu ruhig“.

Renndirektor Jo Schindler sprach nach dem Eliterennen für vorrangig deutsche 28 Männer und sieben Frauen von einem „ersten Schritt zurück in die Normalität“. Man habe gezeigt, „wie es gehen könnte, wenn auf das Hygienekonzept der Stempel gemacht wird“. Ihn hätten jetzt sogar Anfrage aus den USA und Japan erreicht.

Gabius hat Atemprobleme

Von den großen Stadtmarathons im Herbst hält nur London (4. Oktober) an seiner Ausrichtung fest, allerdings ausschließlich für Profis: Im St. James Park will Arne Gabius die Olympianorm (2:11:30) brechen, der am Sonntag vor den Augen seiner Ehefrau Anne und seines dreijährigen Sohnes Frederik wegen Atemproblemen früh nach Luft schnappte. Der deutsche Marathon-Rekodhalter finishte auf Platz 18 (1:07:30), doch wollte sich der 39-Jährige nicht grämen. „Ich habe es trotzdem genießen können“

Die Stadt Frankfurt und das Land Hessen beteiligten sich an den Gesamtkosten von rund 25 000 Euro. „Wir sind stolz, dass in der Sportstadt Frankfurt wieder was läuft“, sagte Sportdezernent Markus Frank vor dem Startschuss ins Mikrofon. Alle drei Leuchttürme des Ausdauersports – Radrennen, Ironman und Marathon – waren ja wegen Corona abgesagt worden. Die Messe Frankfurt, sagte der Sportliche Leiter Christoph Kopp mit einem Augenzwinkern, sei doch auch froh gewesen, „dass mal wieder Leben auf dem einsamen Gelände ist“. Der Ideengeber fand: „Das war kein Ersatz für den Frankfurt Marathon, aber eine schöne Abwechslung. Wir haben leider keine andere Wahl, als die Läufer hinter Zäunen zu verstecken.“

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