1. Startseite
  2. Sport

Krieg der Football-Ligen

Erstellt:

Von: Katja Sturm

Kommentare

Ausgekontert: Beim Wettbewerb um heimische Spieler hat Frankfurt-Universe-Coach Marc Gräff oft das Nachsehen.
Ausgekontert: Beim Wettbewerb um heimische Spieler hat Frankfurt-Universe-Coach Marc Gräff oft das Nachsehen. © IMAGO/Kessler-Sportfotografie

Die German Football League und die European League of Football kämpfen um heimische Talente. Das schmeckt dem Headcoach von Frankfurt Universe gar nicht.

Schon um die Rolle als Headcoach hatte Marc Gräff sich nicht gerissen. Doch nach dem Abschied von Sean Averhoff ließ sich der Sportliche Leiter von Frankfurt Universe vor Saisonbeginn breitschlagen, in dieser Funktion als Teammanager und Ansprechpartner für Außenstehende zu wirken. Längst ist der Offensive Lineman, der noch selbst in der German Football League (GFL) aufläuft, montags auch als Psychologe gefragt.

Bei sieben Niederlagen mit bis zu 71 Punkten Differenz ist bei den Rookies die Begeisterung darüber, in einem erstklassigen Team mitzuwirken, schnell verflogen. Diejenigen, die nicht gut performen, „muss ich aufbauen“, sagt Gräff. Die „Jungs“, die nur zuschauen, müssten begreifen, dass ihr Niveau noch nicht ausreicht, um helfen zu können.

Ein Teil des für 2022 zur Hälfte neu gescouteten Kaders des punktlosen Tabellenschlusslichts hat sich bereits verzogen. „Entweder hören sie auf oder sie suchen sich einen Verein, der weiter unten spielt“, sagt Gräff. Die Bad Homburg Sentinels seien begehrter Empfänger, zumal der Zweitligist mit Frankfurt Galaxy kooperiere und der Meister der European League of Football (ELF) auch seine aussortierten Spieler dort hin lotse.

Solche Partnerschaften verbiete der American Football Verband, betont Gräff. Dass die weiter wachsende ELF zunehmend Akteure aus der GFL weglockt, erhitzt auch andernorts die Gemüter. Ende Juli verklagte Universe-Rivale Marburg Mercenaries Running Back Joshua Mack, weil dieser kurzfristig zu den Cologne Centurions abwanderte.

Das Problem hat sich für diesen Sommer gerade erledigt, weil in beiden Ligen die Kader jetzt nicht mehr verändert werden dürfen. Dennoch sieht Gräff die Lage kritisch. „Das ist ein klarer Angriff der ELF auf die GFL“, sagt er. Die Clubs in der neuen Klasse leisteten keine Nachwuchsarbeit, brauchten aber heimische Akteure. „Da muss etwas passieren“, sagt der Spielertrainer. „Knackigere“ Verträge, durch die bei Abgängen Strafen in Höhe eines Monatslohnes fällig werden, könnten wenig ausrichten. „Unsere Spieler verdienen ja nichts.“ Eventuell müsse man über Transfersummen nachdenken.

Die eigenen Sorgen reduziert das nicht. Noch drei Partien hat Universe in der Hauptrunde vor sich, zwei gegen den Hessenrivalen. Beide Duelle, das erste am Sonntag (15 Uhr) in Marburg, müssten die Frankfurter mindestens gewinnen, um sich an den siebtplatzierten „Söldnern“ vorbeizuschieben und die Relegation zu vermeiden. Bei Gleichstand würde die Punktedifferenz gegen Universe entscheiden, und im letzten Spiel beim Dritten in München dürfte es für den Underdog nichts zu holen geben.

Auch interessant

Kommentare