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Konstanze Klosterhalfen: Nach Europa die ganze Welt

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Von: Nico-Marius Schmitz

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Endlich ein Titel: Konstanze Klosterhalfen jubelt über ihre Goldmedaille über 5000 Meter bei der EM in München.
Endlich ein Titel: Konstanze Klosterhalfen jubelt über ihre Goldmedaille über 5000 Meter bei der EM in München. © dpa

Mit ihrem überraschenden EM-Titel über die 5000 Meter im Rücken nimmt Mittel- und Langstreckenläuferin Konstanze Klosterhalfen die nächsten Ziele in den Blick.

Konstanze Klosterhalfen hat diese Woche gleich zweimal gewonnen. Erst gegen ihren Trainer, dann die Goldmedaille.

Pete Julian hatte Klosterhalfen nach den 10 000 Metern (hier wurde sie Vierte und blieb nur dreieinhalb Sekunden über ihrem deutschen Rekord) empfohlen, auf den Start am Donnerstag zu verzichten und sich lieber zu regenerieren. Doch noch am Montag folgte ein Gespräch mit ihrem Manager Dany Biegler. Ergebnis: lieber eine Nacht darüber schlafen, mit kühlem Kopf entscheiden. Nach der Behandlung beim Physiotherapeuten am Dienstag fühlte sich Klosterhalfen dann so, dass sie starten wollte. „Ich wollte unbedingt hier laufen, auch für das Publikum.“ Julian gab grünes Licht, flog kurzerhand nach München und sah seinen Schützling über die Tartanbahn des Münchner Olympiastadions zum Europameistertitel fliegen.

„Das ist der schönste Moment in meinem Leben. Es ist ein Traum. Diese Euphorie, ich hätte immer weiterlaufen können“, jubelte Klosterhalfen. Nach den 5000 Metern hatte sie gleich noch zwei Stadionehrenrunden mit der deutschen Flagge über den Schultern draufgelegt.

„Sie ist die zäheste Athletin, die ich je trainiert habe. Sie gibt dir immer mehr, als sie eigentlich hat“, berichtete ihr Trainer Pete Julian in München. „Sie will alles. Es ist mein Job, das in vernünftige Bahnen zu lenken und ihr Geduld beizubringen.“ 2018 verlegte Klosterhalfen ihren Trainingsschwerpunkt in die USA. Der Schritt wurde von Kritik begleitet. Julian war unter Alberto Salazar Assistenztrainer beim umstrittenen Nike Oregon Project. Salazar wurde aufgrund von Dopingverstößen für vier Jahre gesperrt.

Aber nicht nur damit, auch mit der gestiegenen Erwartungshaltung kämpfte Klosterhalfen. Das „Jahrhunderttalent“, das lange keinen Titel gewann und bei Großereignissen oft nicht ihr volles Leistungspotenzial zeigen konnte. „Gerade nach den letzten zwei Jahren bedeutet mir dieser Titel so viel“, sagte sie. Klosterhalfen absolvierte 2020 wenig Wettkämpfe, Probleme an der Hüfte und eine Überlastungsreaktion. Im Januar diesen Jahres stürzte sie, Oberschenkelverletzung, musste die Hallensaison absagen. Vor den Deutschen Meisterschaften infizierte sie sich mit dem Coronavirus. Bei schwächeren Leistungen immer die Zweifel, ob der Virus noch im Körper steckt.

Das Lächeln zurückholen

München war ein Befreiungslauf für Klosterhalfen. Von Anfang an wollte sie sich bei der Heim-EM das Lächeln, das gute Gefühl zurückholen. Und in Deutschland beweisen, dass sie auch Großereignisse kann. 650 Meter vor der Ziellinie flog sie an der führenden Yasemin Can, Europameisterin über die 10 000 Meter, vorbei. Mit so einem starken Rennen hatte Klosterhalfen bis zum Schluss, bis zum letzten Schritt, nicht gerechnet. „Schritt für Schritt wurde das Publikum lauter. Es war Wahnsinn“, berichtete sie grinsend vom Rennverlauf: „Es war so laut, ich habe noch nicht einmal das Klingeln von der letzten Runde gehört.“

Die anschließende Feier ging bis 3:30 Uhr in der Früh. Natürlich mit Genehmigung von Julian, der erstmals einen Wettkampf von Klosterhalfen in Deutschland verfolgte. Die Zusammenarbeit zwischen dem amerikanischen Trainer und der gebürtigen Bonnerin war von Beginn an darauf angelegt, Titel zu gewinnen. „Eigentlich coache ich nur welche, die Medaillenkandidaten sind“, hatte Julian zu Klosterhalfen gesagt. Kandidatin ist sie nicht mehr, sondern Medaillengewinnerin.

Es soll der Auftakt zu weiteren Triumphen sein, auch gegen die übermächtig wirkende afrikanische Konkurrenz auf der Langstrecke. „Das erste Ziel bleibt, die Welt zu schlagen“, sagte die 25-Jährige. „Ja, sie wirkt zerbrechlich“, sagte Julian. „Aber sie wird stärker und achtet mehr auf sich. Es ist ein Reifeprozess.“ Klosterhalfen weiß jedenfalls schon, was auf sie wartet: „Wenn ich gesund bleibe, dann können wir hart trainieren.“ Hart trainieren, dann die Welt schlagen.

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