Zuschauer_150920
+
Vier von 300: Zuschauer beim DFB-Pokalspiel von Bayer Leverkusen.

Bundesländer beraten

Kompromiss für Fan-Rückkehr gesucht

  • Frank Hellmann
    vonFrank Hellmann
    schließen

Die Politik will noch vor Bundesliga-Start ein einheitliches Konzept verabschieden, das auch für andere Sportarten gilt.

Spötter unken schon, Füchse, Rehe und andere Wildtiere hätten noch nie so viel Erholungszeit im Frankfurter Stadtwald besessen wie im vergangenen halben Jahr. Es war der 4. März, als Eintracht Frankfurt im DFB-Pokalviertelfinale gegen Werder Bremen letztmals größere Menschenmassen in das Areal lockte. Doch mit der Ruhe rund um die Arena ist es bald vorbei. Am vergangenen Freitag genehmigte das Frankfurter Gesundheitsamt, den Auftakt der neuen Bundesliga-Saison gegen Arminia Bielefeld vor 6500 Zuschauern zu bestreiten (die FR berichtete).

Vorstandsmitglied Axel Hellmann verglich das Konzept da mit einer „Übung am Hochreck“. Absturzgefahr inklusive. „Das Gesundheitsamt geht einen mutigen Schritt. Kontaktminimierung und Fußball sind nicht unbedingt die besten Freunde“, gestand Justiziar Philipp Reschke am vergangenen Freitag. Doch trotz der nicht überwundenen Pandemie erlaubt die Politik womöglich bundesweit ein Vorgehen wie in Frankfurt, wo auch der Deutsche Fußball-Bund (DFB) und die Deutsche Fußball-Liga (DFL) beheimatet sind.

Offenbar sind die Chefs der Staatkanzleien bei einer bundesweiten Richtlinie weiter als gedacht, hieß es am Montag aus Berlin. Am Dienstag wird beraten, um zu einer einheitlichen Regel in der Zuschauerfrage zu kommen, die sich grundsätzlich auch Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) wünscht. Es könnte bereits eine Empfehlung ergehen, wonach die Obergrenze bei 30 bis 40 Prozent der Stadion- oder Hallenkapazität liegen könnte.

Einen Kompromiss „für einen Probebetrieb mit Zuschauern“ kündigte Bayerns Ministerpräsident Söder am Montag nach einer Kabinettssitzung in München an. Dies könne auch sehr schnell erfolgen, möglicherweise auch schon zum Start der Bundesliga an diesem Wochenende, sagte der CSU-Politiker. Man wolle eine „einheitlich Philosophie“ entwickeln, die dann für alle Sportarten gelte. Die Zulassung von Zuschauern wäre für Handball, Basketball, Volleyball oder Eishockey als Hallensportarten existenziell.

Regierungssprecher Steffen Seibert verwies auf einen Beschluss von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) mit den Ministerpräsidenten der Länder, die bis Ende Oktober Vorschläge vorlegen sollten. Aber die Bundesliga kann kaum so lange warten. Sie sehnt sich wieder nach Emotionen, die von den Rängen auf den Rasen schwappen, Vergangenen Freitag bei der Pokal-Überraschung von Eintracht Braunschweig gegen Hertha BSC reichten 500 Anhänger, um eine besondere Atmosphäre zu erzeugen.

Ein Flickenteppich unterschiedlicher Lösungen wie im DFB-Pokal – ohne Zuschauer in Bayern (München oder Nürnberg), nur 300 in Nordrhein-Westfalen (Mönchengladbach oder Leverkusen) bis hin zu 7500 in Mecklenburg-Vorpommern (Rostock) – ist nach Meinung der meisten Bundesliga-Manager nicht wünschenswert, zumal selbst die größten Skeptiker eingedenk einer beherrschbaren Corona-Lage und schlüssiger Hygienekonzepte ihre Blockadehaltung aufgegeben haben. Werder Bremen schien am Sonntag überrascht vom Bremer Senat, gegen Hertha BSC 8500 Zuschauern zu gestatten. „Die Fans haben gefehlt“, sagte Werder-Präsident Hubertus Hess-Grunewald und sprach von einem „wichtigen Signal.“

Dieselbe Zahl hatte auch RB Leipzig den sächsischen Behörden für erste Spiel gegen Mainz 05 abgerungen. Union Berlin erhielt in der Vorwoche nach einem Testlauf mit 4500 Besuchern sogar die Sondergenehmigung für die Stehplatznutzung. Nun dürfen immerhin 5000 Fans den Heimauftakt an der Alten Försterei erleben.

Seifert sehnt Signale herbei

Der Profifußball kann diese positiven Auswirkungen der Fan-Rückkehr gut gebrauchen. Die Corona-Pandemie „hat sich wie ein dämpfender Schleier über alles gelegt“, sagte Christian Seifert, Geschäftsführer im Interview mit dem Fachmagazin „Kicker“ und lieferte eine interessante Begründung: „Mein Eindruck ist, dass Corona uns an vielen Stellen die Leichtigkeit genommen hat. Und da Fußball ein Thema von leichter und angenehmer Nebenbeschäftigung für viele Menschen ist, kann es sein, dass diese Pandemie für den einen oder anderen ein wenig die Vorfreude trübt.“ (mit dpa)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare