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Kölner Wutprobe

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Bissig: Kölns Verteidiger Timo Hübers (oben), hier gegen den Frankfurter Almamy Touré. dpa
Bissig: Kölns Verteidiger Timo Hübers (oben), hier gegen den Frankfurter Almamy Touré. dpa © dpa

Trotz Hinspielniederlage will der FC die Gruppenphase der Conference League erreichen

Das Euro-Märchen soll nicht enden, bevor es richtig begonnen hat. Mit einer Mischung aus Wut, Trotz und Entschlossenheit sind die Profis des 1. FC Köln am Mittwoch pünktlich um 12.20 Uhr in Budapest gelandet. Sie brauchen kein Wunder im Rückspiel der Conference League beim Fehérvár FC am Donnerstag (19 Uhr/RTL+), aber schon einen guten Tag und einen Lerneffekt zur Vorwoche, soll die kleine Hürde Playoffs nicht endgültig zum Stolperstein auf dem Weg in die Gruppenphase werden.

„Dass es nicht leichter geworden ist, ist klar“, sagte Trainer Steffen Baumgart mit Blick auf die 1:2-Heimniederlage im Hinspiel: „Wir liegen in Rückstand. Aber wir sind überzeugt, dass wir in der Lage sind, das Ergebnis zu drehen.“

Ein Aus gegen das Team des deutschen Trainers Michael Boris könnte die Euphorie im FC-Umfeld mit einem Mal auslöschen. Für die erst zweite Europacup-Saison in den letzten 30 Jahren wurden extra Trikots kreiert, Rapper Mo-Torres hat einen Song namens „Effzeh International“ geschrieben, der Verein stellt die Saison unter das Motto „Mer fiere dä FC – en Kölle & Europa“ („Wir feiern den FC – in Köln & Europa“). Gewinnen die Kölner am Donnerstag nicht mit mindestens zwei Toren Unterschied oder im Elfmeterschießen, ist die Reise durch Europa nach drei Bundesliga-Spieltagen abrupt beendet und die Kölner sind in der Gruppenphase nur Zuschauer.

Das Selbstvertrauen ist aber groß. Trotz der Niederlage deuteten die meisten das Hinspiel nach 70-minütiger Unterzahl eher als Beleg der Überlegenheit. Darum, dass seine Spieler motiviert sind, muss sich Baumgart nicht sorgen. Eher darum, dass sie nicht übermotiviert sind. „Wut im Bauch finde ich schwierig“, sagt der Coach: „Wir müssen kühlen Kopf bewahren. Aber wir sind gut vorbereitet und ich möchte meine Mannschaft marschieren sehen.“

Doch die Wut über das ihrer Ansicht nach ungerechte Ergebnis schwingt mit. „Wir haben da noch eine Rechnung offen, und ich glaube, das setzt Kräfte frei“, sagt Timo Hübers. Luca Kilian, Hübers‘ Nebenmann in der Innenverteidigung, tönte schon nach dem Hinspiel: „Ich bin ein bisschen wütend, dass man mit so einer Leistung belohnt wird. Wir werden versuchen, denen im Rückspiel den Arsch aufzureißen!“

„Wir müssen gar nichts“

Doch im Endeffekt zahlte der FC einfach nur Lehrgeld. Und nachdem die erste Partie wohl schon ein wenig emotional überladen war, versucht Geschäftsführer Christian Keller bewusst, Druck vom Team zu nehmen. „Wir müssen gar nichts“, sagte er auf die Frage, ob der finanziell angeschlagene und bereits im DFB-Pokal in Runde eins gescheiterte 1. FC alleine schon wegen der Mehreinnahmen von rund zehn Millionen Euro weiterkommen müsse.

Die wichtigste Lehre aus dem Hinspiel sei, „die Erwartungshaltung in einem vernünftigen Maß zu halten“, sagt Keller. Druck hemme auch. „Wenn du nicht denkst, unbedingt gewinnen zu müssen, spielst du in den entscheidenden Situationen vielleicht befreiter auf.“ Die Spieler sollten „aus Freude auf dem Platz stehen, dass sie internationale spielen dürfen“. Wollen sie dies aber vorerst nicht zum letzten Mal tun, ist ein Sieg trotzdem Pflicht. dpa

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