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Achtelfinale in London: Kaum Chancen für Fans aus Deutschland, wie hier im Spiel gegen Ungarn.
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Achtelfinale in London: Kaum Chancen für Fans aus Deutschland, wie hier im Spiel gegen Ungarn.

Glosse

Knast statt Wembley

  • Jan Christian Müller
    VonJan Christian Müller
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Die Einreise für deutsche Fußballfans nach Großbritanien ist fast unmöglich, auch für Pressevertreter ist es eine Knobelaufgabe.

Reiseplanungen sind in diesen Zeiten ungefähr so angenehm wie eine Blutblase unterm Fuß. Vor allem dann, wenn das Ziel sich auf einem Eiland auf der anderen Seite des Ärmelkanals befindet: der britischen Insel mit seiner je nach Sonneneinstrahlung entweder konsequent bleichgesichtigen oder krebsroten Bevölkerung. Sonnencreme hat in Great Britain traditionell keine großartige Bedeutung, Impfstoff gegen Covid-19 dagegen schon.

Die Kampagne wird gerade wieder mit Vollschub gepusht, weil die Zahlen abgehen wie Raheem Sterling nach einem Steilpass. Die Sieben-Tage-Inzidenz ist auf weit über hundert angestiegen. Zum Vergleich: In Deutschland liegt sie deutlich unter zehn.

Die aggressive Corona-Variante in Großbritannien macht es auch deutschen Fans so gut wie unmöglich, die Fußball-Traumfabrik Wembleystadion zu besuchen. Mal ganz abgesehen von dem Onlineformular, das einer Masterklausur in Digital Transformation gleicht. Wer das geschafft hat, vorm Abflug negativ getestet ist. in Heathrow landet und keinen Wohnsitz in GB vorweisen kann, muss sich für 300 Pfund ein Corona-Testkit kaufen und umgehend in zehntägige Isolation begeben.

„Not amused“ über Einreise

Ständige Anrufe der Ordnungsämter eingeschlossen, die täglich checken, dass der frisch Eingereiste auch brav auf seinem Hotelzimmerchen sitzt. Wer gängige englische Herbergen näher kennt, weiß, wie sich das anfühlt. Wer dabei erwischt wird, statt auf der Bude im Pub zu hocken, muss eine geharnischte Strafe zahlen oder wird gleich komplett eingebuchtet. Wasser und Brot statt Wembley, schöne Aussichten.

Auch wenn es dem Vernehmen nach die Möglichkeit gibt, sich nach fünf Tagen freizutesten - für deutsche Fans wird es pünktlich zum Anstoß nicht mehr reichen. Hinzu kommt: Auch die Bundesregierung ist „not amused“, wenn sich Leute aus Deutschland für ein profanes Fußballspiel auf nach England machen.

Wer also glaubt, er könne sich in London listig ans Stadion ranschleichen, ohne dass die Behörden das mitkriegen, sei gewarnt: Nach der Rückkehr in unsere Bundesrepublik stehen 14 Tage Quarantäne im Pflichtenheft. Keine Perspektive, um den Sommer zu genießen. Also: Besser daheim auf der Couch hocken bleiben und sich Wembley ins Wohnzimmer holen.

Bleibt die Frage zu klären, wie der gemeine deutsche Reporter sich in der komplexen Angelegenheit verhält. Laut Zeugenaussagen soll die Akkreditierung bei einem Aufenthalt unter 24 Stunden alle Türen öffnen. Im Medienportal der Uefa gibt es dazu seitenlange Informationen über Einreisebedingungen in die elf Länder, in denen gespielt wird. Um das zu kapieren, muss ein schlichter Fußballschreiber mindestens Politikwissenschaften studiert haben, besser dazu noch Jura, Schwerpunkt Ordnungsrecht, und Medizin mit Habilitation in Infektiologie und Virologie. Fließendes Bürokratenenglisch in Wort und Schrift vorausgesetzt.

Anrufe bei den Botschaften führen in eine Warteschleife und bald auch wieder hinaus, die angegebene E-Mail-Adresse antwortet flugs, der Posteingang sei voll. Wahrscheinlich, weil die Fragen zu schwierig sind. Wembley, du bist so nah und doch so fern!

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