1. Startseite
  2. Sport

Kleines Drama bremst Lückenkemper aus

Erstellt:

Kommentare

Deutsche Sprinterin ist beim Triumph von Shelly-Ann Fraser-Pryce nur Zuschauerin

Als Shelly-Ann Fraser-Pryce mit einer Wahnsinnszeit zu ihrem nächsten 100-Meter-Gold gestürmt war, konnte auch Gina Lückenkemper als Zuschauerin nur staunen. Für die 25-Jährige war nach einem turbulenten Halbfinale kein Platz beim jamaikanischen Sprint-Spektakel.

„11,08 Sekunden sind nicht das, was ich mir vorgenommen habe, ich wollte definitiv mehr“, sagte Lückenkemper nach ihrem Halbfinal-Aus, das sich zu einem kleinen „Drama“ entwickelte. Weil das Publikum nach der Disqualifikation von Tynia Gaither (Bahamas) buhte, wurden Lückenkemper und Co. unmittelbar vor dem Rennen in ihrer Konzentration gestört.

„Ich kann den Frust verstehen, aber das war einfach unfair allen anderen Sportlern gegenüber“, sagte Lückenkemper: „Dreimal in den Startblock zu gehen, um einmal zu rennen, das war schon heavy.“ Aber: Selbst ihre zuletzt gelaufenen 10,99 Sekunden hätten der Berlinerin nicht für das 100-Meter-Finale gereicht. Und das hatte es dann richtig in sich.

Fraser-Pryce – Mutter eines fast fünfjährigen Sohnes, selber auch schon 35 Jahre alt – legte ganz starke 10,67 Sekunden hin, setzte sich nach 2009, 2013, 2015 und 2019 zum fünften Mal die Sprint-Krone auf. Noch nie war eine Frau bei einer WM schneller gerannt, nie zuvor hatte eine Frau fünfmal Gold in derselben Einzeldisziplin gewonnen.

Drei Medaillen für Jamaika

„Die Leute reden oft über mein Alter oder darüber, dass ich Mutter bin, aber ich sehe das als Teil meiner Lebensreise“, sagte Fraser-Pryce: „Und anstatt es als etwas zu sehen, das sich negativ auf mich auswirkt, betrachte ich es als eine positive Erfahrung.“ Hinter der 1,52 m kleinen Sprintlegende, die alle nur „Pocket Rocket“ rufen, räumten Shericka Jackson (10,73) und Olympiasiegerin Elaine Thompson-Herah (10,82) auch die anderen Medaillen für Jamaika ab.

„Ich fühle mich irgendwie besonders“, sagte Fraser-Pryce, die geschafft hat, was nicht einmal ihrem berühmten Landsmann Usain Bolt (drei Mal WM-Gold über 100 m) gelang. Mit ihrer in den jamaikanischen Farben getönten Wallemähne fegte die Olympiasiegerin von Peking (14 Jahre her) und London (10 Jahre) förmlich über die Bahn im Hayward Field, nur zwei Mal war sie jemals schneller unterwegs.

„Das Geheimnis meines Erfolges ist, dass ich eine Wettkämpferin bin, ich liebe es, mich zu messen, und ich glaube, dass Gott mir eine Gabe gegeben hat“, sagte Fraser-Pryce: „Ich bin fleißig, eifrig, engagiert und immer hungrig nach mehr.“ In Eugene strebt sie nun das Double an. WM-Gold über 100 und 200 Meter holte sie zuletzt vor neun Jahren in Moskau.

Für Lückenkemper soll es dann bei der Heim-EM (15. bis 21. August) um die Medaillen gehen. „In München werden die Karten neu gemischt. Dann wird wieder angegriffen, da geht es rund“, sagte die Vize-Europameisterin von 2018. Doch vorher steht noch die Staffel über 4x100 m bei der WM auf dem Programm. „Ich denke, wir können mitreden, das traue ich uns auf jeden Fall zu“, sagte Lückenkemper. Gold scheint aber für Fraser-Pryce und Co. reserviert zu sein. sid

Auch interessant

Kommentare