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Laura Freigang, Stürmerin bei Eintracht Frankfurt.

Laura Freigang

Kirsche auf der Sahne

  • Frank Hellmann
    vonFrank Hellmann
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Stürmerin Laura Freigang kann ein Gesicht der Frauen der Eintracht und fürs Nationalteam werden.

Dzsenifer Marozsan gibt unumwunden zu, bis Anfang dieser Länderspielwoche nicht allzu viele Berührungspunkte mit Laura Freigang gehabt zu haben. Erst das dritte Mal ist die Stürmerin von Eintracht Frankfurt ja im Kreise der deutschen Frauen-Nationalmannschaft dabei, die sich recht gut abgeschottet nahe der Messe Essen auf das wegweisende EM-Qualifikationsspiel gegen Irland (Samstag 14 Uhr / ZDF) vorbereitet. „Als wir ein Abendessen hatten, saß ich ihr gegenüber. Sie ist sehr offen, freundlich – und ein bisschen positiv verrückt“, schildert die fünffache Champions-League-Siegerin von Olympique Lyon ihre Eindrucke.

Tatsächlich gilt die in Kiel geborene, in der Nähe von Mainz aufgewachsene Torjägerin als recht extrovertierte Persönlichkeit, die eine gewisse Außenwirkung erzielt. Das Potenzial hat ihr neuer Verein, bei dem sie nach dem Zusammenschluss mit dem 1. FFC Frankfurt gleich einen Dreijahresvertrag unterschrieb, bereits erkannt: Die August-Ausgabe des Eintracht-Klubmagazins zierte Freigangs Konterfei, ein Fotoshooting im Hafenpark im Ostend erstreckte sich über mehrere Seiten. „Ich identifiziere mich total mit dem Verein“, sagt die 22-Jährige, deren Halbbruder David früher in Frankfurt lebte. Die Stadt würde man erst richtig kennen und lieben leben, „wenn man hier wohnt“, sagt die in Bockenheim beheimatete Fußballerin, die nichts dagegen hat, auf absehbare Zeit zum Gesicht der Eintracht-Frauen aufzusteigen. „Ich gehe gerne voran, mich lenkt das nicht ab.“ Die Frauen hätten doch gegenüber den Männern den Vorteil, sich nahbarer zu geben, „wir können uns mehr präsentieren“. Unverkrampfter, unverstellter.

Auf der Plattform Instagram hat sie gerade die 10 000er-Follower-Schwelle geknackt, bei Medienanfragen sagt sie nicht Nein. Für ihren heute 17-jährigen Bruder Lucas hat sie einst ein Video für die Bewerbung als Einlaufkind bei der WM 2014 zusammengeschnitten, mit dem Vater und Sohn tatsächlich eine Reise zum Finale nach Rio de Janeiro durch einen Fifa-Sponsor gewonnen. Lucas Freigang war derjenige, der an der Hand von Philipp Lahm ins Maracanã einlief

Der Hessische Rundfunk war zuletzt sehr angetan, wie authentisch die Angreiferin bei einem Live-Talk rüberkam, wo sie zu gab, ein „kleiner Schussel“ zu sein, so dass sie anfangs ziemlich viel in die Mannschaftskasse zahlen musste. Sie kritisierte in der Sendung „Heimspiel“ deutlich, was hierzulande noch an Akzeptanz für den Frauenfußball fehlt. Sie hat es nämlich früh anders erlebt.

Als U-Nationalspielerin kamen Berater auf sie zu, die Interesse an einem Engagement in den USA abfragten. Anfangs erst noch unsicher schaute sie sich zwei Universitäten an und landete schließlich an der Pennsylvania State University, wo sie zwei Jahre trainierte und spielte. Fußballerisch und menschlich, sagt sie rückblickend, habe sie in dieser Zeit enorm viel mitgenommen. Tausende Zuschauer bei einem College-Kick waren keine Seltenheit.

Die Neu-Nationalspielerin schultert aktuell parallel zum Profitum noch ein Studium der Sportwissenschaften, wo relativ viel Präsenzpflicht herrsche, erzählt Freigang: „Ich bin oft vor und nach dem Training an der Uni.“ Die Auszeit in der Corona-Krise nutzte sie, um bei der Fitness noch einmal einen Schritt nach vorne zu machen. Dass sie insgesamt dynamischer wirkt („ich bin ja sonst nicht die Schnellste“), kann sie leicht erklären „Ich habe viel Sprinttraining gemacht, achte mehr auf die Ernährung, nehme viel weniger Milchprodukte, kaum noch Fleisch zu mir und esse sehr bewusst. Ich bin noch nie so fit in eine Saison gegangen.“

Das ist auch Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg aufgefallen: „Laura war beim Algarve Cup dabei und hat diese Leistungen zuletzt bestätigt. Sie hat ihre Athletik verbessert, wirkt austrainiert, spielfreudig und sehr spritzig.“ Mit drei Treffern beim 5:1 gegen Werder Bremen und 3:1 bei der SGS Essen hat die 16-fache Torschützin der Vorsaison einen optimalen Einstieg in die neue Bundesliga-Saison gehabt. Wird ihre Frühform beim Geisterspiel im Stadion an der Hafenstraße mit dem zweiten Länderspieleinsatz belohnt? Abwegig ist das nicht: Klara Bühl fehlt verletzt, Lea Schüller hatte zuletzt Nachholbedarf. Freigang sagt in ihrem eigenen Duktus, ein Mitwirken gegen die kampfstarken Irinnen sei „die Kirsche auf der Sahne.“ Deutschlands Fußballerin des Jahres Marozsan macht sich bereits für die Frankfurter Überfliegerin stark: „Sie ist eine Stürmerin mit viel Talent, das sie hoffentlich bald für uns zur Geltung bringen kann.“

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