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Kieler Superstar Sagosen: „Ich will immer das Maximale“

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Von: Patrick Reichelt

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Vielleicht der beste Handballer der Welt: Sander Sagosen.
Vielleicht der beste Handballer der Welt: Sander Sagosen. © Imago

Der Kieler Handballer Sander Sagosen über die Rückkehr nach Norwegen und einen Triumph gegen Paris.

Vergangene Woche kehrten Sie mit dem THW nach Paris zurück. Kam ein bisschen Sehnsucht nach der Weltstadt auf?

Nein, überhaupt nicht. Ich hatte eine schöne Zeit in Paris und es war auch sehr schön, die Jungs dort wieder zu treffen und die Halle wieder zu sehen. Aber ganz ehrlich: Ich finde Kiel viel besser als Paris. Das ist mir einfach zu groß. Ich war mal kurz da, wo ich meine Wohnung hatte, aber das war genug. Ich brauche die frische Luft, das Wasser. Kiel ist in vielen Dingen sehr ähnlich wie Norwegen, ich mag das.

Auch auf dem Feld scheint Kiel im Vorteil...

Wir haben ein gutes Spiel gemacht, ja. Aber es steht unentschieden, und Paris hat eine Top-Top-Mannschaft. Das wird noch sehr spannend. Aber ich hoffe, dass wir das mit unserem genialen Publikum hinkriegen und nach Köln kommen.

Die Champions League haben Sie 2020 mit dem THW gewonnen. Ist es der Titel, der den Unterschied zwischen einem sehr guten und dem weltbesten Spieler macht?

Ach, ich weiß nicht. Du musst erst mal nach Köln kommen, auch dort gewinnen. Jeder weiß, wie schwer das ist, und wie viel Glück du auch brauchst. Es gibt so viele unfassbar gute Spieler, die es nie geschafft haben oder die es nie schaffen werden. Aber klar ist auch: Es ist der größte Titel, den es im Vereinshandball gibt und ich hoffe sehr, dass ich hier in Kiel noch mal die Möglichkeit habe, ihn zu gewinnen.

Sie haben vor ihrem Wechsel nach Kiel betont, der THW sei ein Kindheitstraum. Hat Corona dem Traum geschadet?

Die Corona-Zeiten waren unfassbar schwer. So viele Spiele in leeren Hallen, das ist etwas, woran du dich nicht gewöhnst. Ich mag das unheimlich, wenn Stimmung in einer Halle ist. Ob das zuhause ist oder auch bei Spielen wie in Magdeburg. Insofern bin ich sehr glücklich, dass wir das nun wieder erleben dürfen. Aber das ist beim THW auch nicht der Punkt.

Sondern?

Zur Person

Sander Sagosen ist einer der besten, für viele sogar der beste Handballer der Welt. Am Donnerstag trifft der Norweger mit seinem THW Kiel auf seine Vergangenheit – im Viertelfinal-Rückspiel der Champions League ist ausgerechnet Paris Saint-Germain der letzte Stolperstein auf dem Weg zum Finalturnier nach Köln. Eine Hürde, die der 26-Jährige unbedingt nehmen will. (FR)

Das ist etwas, was du nicht wirklich mit Worten beschreiben kannst. Das ist ein Gefühl. Du spürst es, wenn du in die Halle kommst. Das ist etwas, was entstanden ist. In Kiel wird so lange Handball gespielt, man hat dort so viele Titel gewonnen. Da ist etwas ganz Besonderes entstanden. Ich habe viele Jahre Spitzen-Handball gespielt, war in anderen großen Vereinen wie in Aalborg oder Paris – aber der THW ist noch einmal etwas anderes.

Und trotzdem werden Sie Kiel nach der nächsten Saison verlassen und in ihre Heimatstadt Trondheim zurückkehren, wo Kolstad IL zum Spitzenklub gemacht werden soll. Ist Heimat dann doch stärker als der Handball-Gipfel?

Naja, ich war jetzt zehn Jahre weg, habe alles in diesem Sport ausprobiert. Jetzt habe ich die Möglichkeit, hoffentlich einen THW Kiel in Norwegen aufzubauen. Auch wenn das sicher dauern wird. Aber das wird sicher etwas Besonderes für die Menschen dort.

Auch für Ihren Vater, der in Kolstad Teil des Trainerstabs werden soll.

Ja, klar, das ist natürlich auch ein wichtiger Grund für mich. Mein Vater und meine Mutter sind die Menschen, die mich zu dem gemacht haben, was ich bin. Mein Vater hat sogar unseren Garten zuhause umgebaut, dass ich dort trainieren kann. Von meinen Eltern habe ich gelernt, was nötig ist, um im Sport erfolgreich zu sein. Das ist jetzt einfach Herzenssache.

Was die Fans in Kiel aber auch verstehen, wie es scheint.

Das wird man sehen. Aber erst einmal bin ich ja noch ein Jahr und einen Monat hier in Kiel und diese Zeit werde ich genießen.

Was wollen Sie nach Norwegen mitnehmen?

Alles (lacht). Ich will immer alles. Ok, die Liga wird wahrscheinlich nichts mehr in diesem Jahr, den Pokal haben wir. Aber ich will zweimal die Champions League gewinnen. Jetzt und dann im nächsten Jahr alle drei: Die Champions League, die Meisterschaft und den Pokal. Es ist einfach meine Natur, immer das Maximale zu wollen.

Interview: Patrick Reichelt

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