Kickers Offenbach

„Das Ziel hat nicht der Stärke des Kaders entsprochen“

Kickers-Geschäftsführer Thomas Sobotzik spricht nach Pleite in Ulm Klartext. Offenbach befindet sich kurz vor der Winterpause im Abstiegskampf der Regionalliga Südwest.

Thomas Sobotziks Miene war der Lage der Offenbacher Kickers angepasst. Mit ernstem Blick sprach er nach der 0:1-Niederlage beim SSV Ulm 1846 über die nach sechs Spielen ohne Sieg immer dramatischere Situation beim Tabellen-13. der Regionalliga Südwest. Der neue OFC-Geschäftsführer, gerade mal zwei Wochen im Amt, hat längst realisiert, welch schwere Aufgabe er übernommen hat. „Wir stehen vor einer schwierigen Saison“, räumte Sobotzik nach der „verdienten Niederlage“ ein: „Es ist kein Zufall, dass die Mannschaft da steht, wo sie in der Tabelle steht.“

Und dann sprach er einen Satz aus, leise zwar, aber mit der Kraft eines Donnerschlags: „Wir müsssen festhalten, dass die Zielsetzung vor der Saison nicht der Stärke des Kaders entsprochen hat.“ Der Ex-Profi hatte auch im Ulmer Donaustadion registrieren müssen, wie gravierend die Unzulänglichkeiten sind, die sich immer brutaler in den Ergebnissen wiederspiegeln. „Es ist ziemlich klar, gegen was wir spielen“, betonte Sobotzik, ohne das Wort Abstieg in den Mund zu nehmen. Doch die Schwächen in allen Belangen lassen nur diesen Schluss zu: es geht gegen den Abstieg.

Die Ligarivalen haben die DNA des OFC längst entschlüsselt. Es genügen zwei, drei schnelle Kombinationen, um die langsame Offenbacher Defensive völlig aus den Angeln zu heben. Ausgangspunkt ist die unzureichende Laufarbeit, beginnend im zentralen Mittelfeld. Dort gelingt es derzeit weder Luigi Campagna noch Kapitän Richard Weil, die Mitte abzudichten. Die Folge: In Ulm durfte Marcel Schmidts beim 0:1 über links ungehindert flanken – im Strafraum stand Ardian Morina völlig frei, weil kein Offenbacher Abwehrspieler in der Lage war, das defensive Umschalten in höchstem Tempo zu bewerkstelligen. Zwei Aluminiumtreffer der Ulmer sowie der starke Torwart Dominik Draband verhinderten eine höhere Niederlage.

Auch offensiv läuft es nicht: „Wir machen einfach zu wenig Tore“, findet Innenverteidiger Lucas Albrecht : „Wir haben viel Ballbesitz, zirkulieren und zirkulieren, aber es kommt nichts dabei rum.“ 21 Tore in 18 Spielen sprechen eine deutliche Sprache, nur vier Vereine sind noch harmloser. „Wir sind natürlich mit ganz anderen Erwartungen nach Offenbach gekommen“, sprach Dominik Draband das aus, was noch immer in den Köpfen der Spieler geistert. „Dass wir mal im Abstiegskampf stehen würden, damit hätte ich nie gerechnet.“ Noch immer ist der Glaube an die eigenen Fähigkeiten weit größer als die Qualität, sie auf den Rasen zu bringen.

Eine gefährliche Situation, die auch Sobotzik nachdenklich stimmt. „Wir müssen erstmal sehen, dass wir wieder in der Lage sind, Spiele zu gewinnen“, sagte der Geschäftsführer. „Wir müssen die letzten beiden Spiele gewinnen“, forderte Kapitän Weil mit Blick auf die Partien gegen den SC Freiburg II und beim VfR Aalen. Dazu kommt noch das Hessenpokalspiel beim FC Gießen.

Interimslösung Steven Kessler, Nachfolger des nach vier sieglosen Spielen entlassenen Daniel Steuernagel, wirkt immer ratloser und damit einhergehend auch mutloser. Der U19-Coach scheut sich davor, Zeichen zu setzen und vertraut stattdessen trotz einer zwischenzeitlichen Suspendierung weiter Akteuren wie Luigi Campagna. Fraglich ist, welches Gewicht Kesslers Wort überhaupt in der Kabine hat. Er scheint einfach nur froh zu sein, wenn der 7. Dezember naht und er sein Amt wieder abgeben kann.

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