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"Wulle", Kultfigur mit kleinen Aussetzern

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Geknickt: Robert Wulnikowski.
Geknickt: Robert Wulnikowski. © Hübner

Torhüter und Publikumsliebling Robert Wulnikowski patzt bei der Pokalniederlage des OFC gegen Wolfsburg. Trainer Schmitt will im Tor jedoch keinen Wechsel.

Von Sebastian Rieth

Ein Mann der großen Worte war Robert Wulnikowski noch nie. Seine Antworten hält der Torhüter der Offenbacher Kickers meist kurz und wenn er dann – oft sehr früh – glaubt, den Journalisten genug gesagt zu haben, lässt er sie das freundlich, aber bestimmt wissen. Dann verbeugt sich Wulnikowski staatsmännisch und schließt mit dem Satz: „Danke, meine Herren.“ Weitere Nachfragen? Lieber nicht.

Wulnikowski greift daneben

Am Dienstagabend, seine Kickers waren gerade nach großem Kampf mit 1:2 gegen den Bundesligisten VfL Wolfsburg im Viertelfinale des DFB-Pokals ausgeschieden, erlebte man einen anderen Robert Wulnikowski. Einer, der ob der Niederlage nicht mürrisch oder angekratzt wirkte, sondern ausgiebig Auskunft gab und sich vielmehr freute, einen solchen Pokalabend mit seinen 35 Jahren noch einmal miterlebt zu haben – auch wenn er in der entscheidenden Szene nicht gut aussah. Die 50. Minute des Pokalspiels lief, der Drittligist kämpfte immer noch wacker und hielt ein 0:0, als eine Wolfsburger Flanke in den Strafraum segelte. Makoto Hasebe hatte jetzt nicht unbedingt scharf hineingepasst, es war vielmehr eine Verzweiflungstat des Japaners, weil dem Bundesligisten gegen den massiven Abwehrriegel der Kickers einmal mehr die Inspiration fehlte. Doch Wulnikowski, der Routinier und Publikumsliebling im Tor, griff daneben und Ivica Olic bugsierte den Ball über die Linie. „Ich habe versucht, dazwischen zu kommen“, schilderte der Keeper und gab zu: „Es ist schade, dass wir so ein Gegentor fangen. Eigentlich war das Spiel damit schon vorbei.“

Dass ausgerechnet Wulnikowski der folgenschwere Fehler unterlief, hat eine gewisse Pikanterie. Mit keinem anderen Spieler verbinden die Fans in Offenbach so sehr den Pokalfight wie mit dem im polnischen Bydgoszcz geborenen Torhüter, der mit seinen Paraden im Elfmeterschießen 2010 Borussia Dortmund ausschaltete und als Ersatzkeeper bei Union Berlin einst das Endspiel hautnah miterlebte. Wulnikowski weiß, dass im Duell David gegen Goliath von der erste Minute an alles passen muss. Kleinigkeiten entscheiden, Nachlässigkeiten sind nicht erlaubt. Deshalb mäkelte auch Offenbachs Oberbürgermeister Horst Schneider: „Dieses Scheiß-Ding vom ‚Wulle‘ darf in so einem Spiel nicht passieren.“ Wenn dann, wie Marcel Stadel es beschrieb, vorne noch „die letzte Geilheit auf Tore“ fehlt, ist dem Favoriten nicht beizukommen.

Schmitt dachte an Wechsel

Der OFC-Trainer sah das etwas entspannter, er attestierte seinem Torhüter eine „ordentliche Leistung“, konnte den Fehler aber auch nicht kaschieren. „Darüber“, sagte Rico Schmitt, „wird sich der Robert selbst am meisten ärgern“. Nun war es nicht so, dass unter dem neuen Coach die Hierarchie im Kasten von vorne herein klar gewesen wäre. Weil Stammkraft Wulnikowski zuletzt leicht geschwächelt, zudem krankheitsbedingt einige Tage gefehlt hatte und von Daniel Endres gut vertreten worden war, dachte Schmitt durchaus an eine Ablösung. Dass er sich wegen seiner „Erscheinung“ – Wulnikowski ist acht Zentimeter größer als Endres – für den Routinier entschied, verriet der Coach erst kurz vor dem Anpfiff. Für die Betroffenen sie das keine Belastung gewesen. Wulnikowski gibt sich pragmatisch: „Der Trainer stellt uns auf. Als Spieler habe ich überhaupt nichts zu sagen. Ich muss nur die Bälle halten.“

An einen Tausch vor dem Auswärtsspiel am Samstag (14 Uhr) gegen den Karlsruher SC denkt Schmitt nicht. Er tendiere dazu, alles beim Alten zu belassen. Schließlich gelte es nun die Pokal-Euphorie nach der „Energieleistung“ mit in die Liga zu retten und nicht, wie zuletzt zweimal geschehen, nach den famosen Auftritten im Alltag zu versagen. Das sei mit ein Grund für gewesen, warum die Kickers im Abstiegskampf steckten. „In diesem Momenten“, weiß Schmitt, „hat die Säge geklemmt.“

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