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Daniel Steuernagel Trainer Offenbacher Kickers.

Kickers Offenbach

„Wir haben auf Defizite reagiert“

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Daniel Steuernagel, Trainer von Kickers Offenbach, über den Umbruch und Erwartungen.

Herr Steuernagel, die aktuelle Spielergeneration lässt einen über Soziale Medien daran teilhaben, wie sie die fußballfreie Zeit verbringt. Was haben Sie zuletzt gemacht?
Das ist der Unterschied zwischen Trainer und Spieler: Wir können nicht so abschalten. Ich hatte viele Termine mit einigen zielführenden Gesprächen. Für Urlaub war kaum Zeit. Das ist jedoch nicht schlimm. Wir wollten etwas ändern, dafür muss man auch etwas tun. Ich war in Salzburg, zwischendurch noch eine paar Tage in Erding in einer Therme. Das gönnen meine Frau und ich uns einmal im Jahr.

Zwischendurch haben Sie elf Spieler verpflichtet...
Und es ist noch nicht Schluss. Es macht ja auch Spaß, einen Kader zusammenzustellen. Aber unser Sportdirektor Sead Mehic hatte dabei etwas mehr Arbeit. Ich habe „nur“ mit ihm zusammen die Gespräche geführt, er musste die Sachen letztlich alle zum Abschluss bringen.

Es wurden viele robuste Spieler geholt. Wird beim OFC künftig mehr Fußball gekämpft als gespielt?
Nein, Kevin Pezzoni, Richard Weil und Luigi Campagna fighten zwar, sind aber auch gute Fußballer, von denen wir hoffen, dass sie ihre Mentalität einbringen.

Ulm, Norderstedt, Berlin – die Zugänge kommen aus ganz Deutschland. Wie sind Sie auf diese Spieler gestoßen?
Wir haben überlegt, was wir suchen und wo wir es finden können. Dann haben wir in der Dritten Liga und der Regionalliga gesichtet. Unter anderem wollten wir uns auf Außen neu erfinden. Marco Schikora lief bisher etwas unter dem Radar, wir sind jedoch von seinem Potenzial überzeugt. Wir haben auch nach den Kriterien „schnell und erfahren“ gesucht. Auf Ronny Marcos trifft beides zu. Manolo Rodas war schon mal beim OFC im Gespräch. Kevin Pezzoni, Richard Weil und Luigi Campagna haben ihre Wurzeln in der Region.

Was gab letztlich den Ausschlag dafür, dass der Umbruch so groß ausfiel?
Wir haben die Saison analysiert und auf die Defizite reagiert, indem wir Änderungen vorgenommen haben. Das betraf auch Spieler, mit denen wir zu einem früheren Zeitpunkt verlängert hätten. Gewisse Dinge wie mangelndes Tempo und fehlende Robustheit haben dazu geführt, dass der Umbruch etwas größer geworden ist, als ihn einige eventuell erwartet hatten. Wir hielten das für nötig, auch weil die Mannschaft schon lange zusammen war.

So ein großer Umbruch birgt aber auch Risiken...
Wenn man glaubt, dass die Statik im Team nicht so ist, dass man damit seine Ziele erreichen kann, muss man etwas ändern. Wir haben Mentalität und Führungsspieler dazu geholt. Dadurch hat sich das Gewicht etwas verschoben. Das war wichtig, ist aber kein Vorwurf an Spieler, die uns verlassen haben.

Welche Konsequenzen haben Sie aus der vergangenen Saison gezogen?
Es ist schön, bei einem Verein zu arbeiten, der für so großes Interesse sorgt. Aber da passiert natürlich auch viel rundum. Es ist wichtig, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren, sich nicht über alles aufzuregen und Dinge in Ruhe zu analysieren. Man muss Dinge erkennen und dann entsprechend entscheiden.

Haben Sie Fehler gemacht oder würden Sie einiges heute anders machen?
Eine Erkenntnis nach dem vierten Spiel in Ulm war, dass ich Luka Garic und Jake Hirst eventuell schon zu Beginn der Saison hätte bringen sollen. Nachher ist man aber immer schlauer. Vielleicht hätten wir bei der Planung der Saison auch mehr auf Erfahrung setzen sollen. Wenn man von den ersten vier Spielen absieht, war es eine ordentliche Saison – gemessen an dem Budget, das wir hatten. Dass wir jetzt andere Spieler verpflichten können, ist auch eine Folge dessen, dass wir mehr Geld zum Verteilen haben. Ich schaue aber nicht im Groll zurück. Manche Dinge brauchen einfach Zeit, man muss auch mal Geduld haben.

Sie haben die neuen finanziellen Möglichkeiten angesprochen. Was ändert sich dadurch?
Die Mittel, die das potenzielle neue Präsidium zur Verfügung stellt, sorgen dafür, dass sich die Wahrscheinlichkeit für den Erfolg in den nächsten drei Jahren erhöht. Aber natürlich wird nicht immer der Meister, der das meiste Geld hat. Unabhängig vom Budget versucht man immer, jedes Spiel zu gewinnen.

Am Samstag (16 Uhr) steht beim FSV Groß-Zimmern das erste Testspiel an. Ein unterklassiger Gegner. Grundsätzlich gibt es während der Vorbereitung aber mehr echte Härtetests als vor der vergangenen Saison. Ist das auch eine Folge der Analyse?
Ja, klar. Vergangene Saison war es nicht ideal. Gegen Mannschaften, die auf Augenhöhe oder besser sind, sieht man Defizite eher. Vor einem Jahr waren gewisse Dinge nur in Ansätzen zu erkennen und kamen erst später voll zum Vorschein. Nun haben wir viele starke Gegner: Wehen Wiesbaden, Wimbledon oder Essen.

Interview: Christian Düncher

Zur Person

Daniel Steuernagel ist seit vergangenem Sommer Cheftrainer von Regionalligist Kickers Offenbach. Der 39-jährige Fußballlehrer aus Laubach war zuvor bei den Sportfreunden Siegen Technischer Direktor.

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