Können es nicht glauben - 1:0 geführt und trotzdem verloren: Serkan Göcer (l.) und Stefan Maier.
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Können es nicht glauben - 1:0 geführt und trotzdem verloren: Serkan Göcer (l.) und Stefan Maier.

Kickers Offenbach

OFC verliert Tabellenführung

  • Manuel Schubert
    vonManuel Schubert
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Kickers Offenbach verliert die Tabellenführung in der Regionalliga Südwest an Saarbrücken. Ein Hitlergruß auf der Tribüne sorgt für Aufruhr.

Oliver Reck gilt gemeinhin als Trainer, der einem gepflegten Spektakel nicht abgeneigt ist. War er zu aktiven Zeiten als Torwart noch für das Verhindern von Treffern zuständig, setzt er als Coach alles aufs Toreschießen. Hauptsache öfter einnetzen als der Gegner. Dann ist die Welt für Reck in Ordnung. Am Samstag jedoch ging das Spektakel selbst dem 52-Jährigen zu weit. „Das war ein sehr wildes, ein zu wildes Spiel“, schnaufte der Trainer der Offenbacher Kickers nach dem Aufeinandertreffen mit dem 1. FC Saarbrücken. Die Saarländer behielt am Ende den kühleren Kopf und siegten verdient mit 2:1 (0:1). 

„Das ist eine Niederlage, die ein bisschen wehtut“, räumte Reck ein. Die Pleite im Spitzenspiel, sie schmerzte die Offenbacher sogar dreifach. Nicht nur war es das dritte Mal in Folge, dass die Kickers den Saarbrückern am Bieberer Berg unterlagen, es war zudem das erste Mal überhaupt in dieser Saison, dass sie sich zu Hause geschlagen geben mussten. Auch die Tabellenführung in der Regionalliga Südwest sind die Kickers erst einmal los und haben mit dem bis dato zweitplatzierten FCS die Plätze getauscht. 

Es hätte auch anders kommen können. 9274 Zuschauer, darunter der frühere Kickers-Trainer Otto Rehhagel, sahen eine turbulente Partie, kampfbetont und impulsiv, mit vielen Fouls und Unterbrechungen. Lange Zeit war nicht auszumachen, wer am Ende die Nase vorn haben würde, auch nicht, als die Hausherren nach 24 Minuten durch Dren Hodja in Führung gingen. Es war ein herrlicher Treffer, eingeleitet durch Florian Treskes perfekte Ablage mit der Brust, vollendet durch Hodjas Schuss von der Strafraumkante, der genau in den Winkel sauste. 

Doch mit zunehmender Spielzeit glitt den Gastgebern das Spiel aus den Händen. Die Kickers ließen sich zu weit nach hinten drängen, in der gegnerischen Hälfte brachten sie kaum noch gefährliche Abschlüsse zustande. „Wenn wir mal nach vorne kamen, war der Ball viel zu schnell wieder weg“, kritisierte Torwart Daniel Endres. 

Landser-Logo im Fanblock

Und als Spielmacher Hodja nach einer Stunde wegen eines Ziehens im Oberschenkel vom Feld musste, war die Struktur im Kickers-Spiel gänzlich dahin. „Da ist uns die ordnende Hand aus dem Spiel geraten“, sagte Reck. 

Die Saarländer wussten das auszunutzen. Erst glich Kevin Behrens per Kopf aus, nachdem Endres unter einer Flanke hindurchgesegelt war (73.), dann tanzte der eingewechselte Markus Mendler den Offenbacher Innenverteidiger Benjamin Kirchhoff aus und traf flach ins lange Eck zum Sieg (84.). „Wir haben zu viele Chancen zugelassen“, mäkelte Hodja. „Das darf auf so einem Niveau nicht passieren.“ 

Hitzig ging es derweil auch abseits des Rasens zu. Becher flogen aufs Spielfeld, Böller explodierten. Und kurz vor dem Halbzeitpfiff packten auf der Waldemar-Klein-Tribüne mehrere Chaoten eine schwarz-weiß-rote Flagge mit dem Logo der rechtsradikalen Rockband Landser aus. Der Saarbrücker Fanblock antwortete mit lauten „Nazis raus!“-Rufen, woraufhin einer der Flaggenschwenker unbekümmert einen Hitlergruß hinterherschickte. 

Die Polizei konfiszierte die Flagge und erteilte einen Platzverweis. Der OFC wird möglicherweise Stadionverbote verhängen. „So etwas tolerieren wir natürlich nicht“, sagte Geschäftsführer Christopher Fiori am Sonntag der FR. 

So erhielt die ohnehin schon schwer verdauliche Niederlage im Spitzenspiel noch einen faden Beigeschmack. Für Kickers Offenbach war es die dritte Pflichtspielpleite in Serie, der Vorsprung auf Tabellenplatz drei, der nicht mehr zur Aufstiegsrelegation berechtigt, ist auf drei Punkte zusammengeschmolzen. „Wir müssen aus dieser kleinen Talsohle rauskommen“, forderte Reck. Am besten schon morgen, wenn es zur Reserve des VfB Stuttgart geht (14 Uhr). 

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