1. Startseite
  2. Sport
  3. Kickers Offenbach

"Die Sache ist mir entglitten"

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Dieter Müller (links) im Gespräch mit Thomas Kalt.
Dieter Müller (links) im Gespräch mit Thomas Kalt. © dpa

Zwölf Jahre lang war Dieter Müller Präsident des OFC. Im FR-Interview spricht der ehemalige Torjäger über den Undank, der ihm bei seinem Abschied entgegenschlug - und seine Rolle beim "Abstieg".

Zwölf Jahre lang war Dieter Müller Präsident des OFC. Im FR-Interview spricht der ehemalige Torjäger über den Undank, der ihm bei seinem Abschied entgegenschlug - und seine Rolle beim "Abstieg".

Zwölf Jahre lang war Dieter Müller Präsident der Offenbacher Kickers. Der ehemalige Torjäger und Nationalspieler spricht im FR-Interview über den Undank, der ihm bei seinem Abschied entgegenschlug, über das unwürdige Verhalten des neuen Präsidiums gegenüber Ex-Geschäftsführer Thomas Kalt und seine Rolle beim „Abstieg“.

Herr Müller, Sie sind im Urlaub in Spanien. Räumlich liegt da eine Menge Abstand zwischen Ihnen und den Offenbacher Kickers, deren Präsident Sie zwölf Jahre lang waren. Wie nahe gehen Ihnen die Insolvenz und der Abstieg des Klubs?

Ich habe nach meinem Herzinfarkt bewusst Abstand gesucht, aber was jetzt passiert, tut mir unendlich leid. Ich habe schon lange keinen Kontakt mehr zu Personen aus dem Verein. Einige Dinge haben mich schon schwer belastet. Aber was jetzt passiert, das ist schon traurig.

Es hat jetzt auch niemand mit Ihnen gesprochen?

Nein. Ich bin aber auch auf Distanz gegangen. Als ich vor einem Jahr meinen Rückzug angekündigt habe, da haben mir viele Dinge zugesetzt. Ich habe mir dann gesagt, meine Gesundheit geht vor.

Offensichtlich ist der Bruch ja geworden, als Sie auf der Jahreshauptversammlung gar nicht mehr erschienen sind?

Ich bin nicht hingegangen, weil es um meine Verabschiedung einige Irritationen gab. Das war nicht in Ordnung, wie das gelaufen ist. Den Undank kann ich nicht nachvollziehen. Wir haben ja auch einige Jahre in der zweiten Liga gespielt. Ich war und bin sehr enttäuscht. Da habe ich mir gesagt, ich will damit nichts mehr zu tun haben.

Nach so langer Zeit als Ex-Spieler und Präsident des OFC ist es aber dennoch sicher nicht ganz einfach, die gegenwärtige schwierige Situation von sich fernzuhalten?

Ich kann das neue Präsidium überhaupt nicht einschätzen. Mit dem neuen Präsidenten Frank Ruhl habe ich vielleicht drei Worte gewechselt. Ich fand das alles komisch, dieser Senatorenklub, dem er ja schon angehörte. Mir ging das alles zu schnell. Auch wie mit Thomas Kalt (dem Ex-Geschäftsführer, Anmerkung der Redaktion) umgegangen wurde. Der Umgang war schon seltsam. Ich war ja eine lange Zeit der Präsident gewesen. Und dann plötzlich: Aus dem Augen aus dem Sinn. Ich habe meine Sache doch ganz ordentlich gemacht.

Als Sündenbock gilt nun Thomas Kalt, der ja unter Ihnen schon Geschäftsführer war.

Ihm die alleinige Schuld zu geben, ist nicht richtig. Ich habe den OFC damals übernommen, als der Verein sechs Millionen Mark Schulden hatte und acht Punkte vom Klassenerhalt entfernt war. Da habe ich auch nicht immer gesagt, das hat alles mein Vorgänger zu verantworten. Das ist schon link von den neuen Verantwortlichen.

Zwischen dem neuen Präsidenten und dem Ex-Geschäftsführer hat es wohl von Anfang an nicht gepasst.

Die beiden hätten sich zusammenraufen müssen, statt ständig zu streiten. Thomas Kalt hat es nicht verdient, jetzt so an den Pranger gestellt zu werden. Das ist sehr, sehr traurig. Er hat ja auch viele gute Sachen gemacht.

Sie haben das Amt des OFC-Präsidenten angetreten, um den Klub vor allem nach außen zu repräsentieren. Sie waren von Anfang an nicht der Mann, der sich um das operative Geschäft kümmern wollte. Müssen Sie sich dennoch jetzt Vorwürfe machen, zu lange weggesehen zu haben?

Ich weiß wirklich nicht, wie es zu dieser Situation kommen konnte. Ich wusste natürlich, dass die Lage prekär ist, aber wie plötzlich neun Millionen Euro Schulden da sind, ist mir ein Rätsel. Ich kann das nicht beurteilen, da fehlen mir detaillierte Einblicke.

Wollten Sie nicht so genau hinschauen?

Thomas Kalt hat die GmbH geführt. Seit es die Gesellschaft gab, habe ich mich schon von dem Geschäftlichen zurückgezogen. Jeder hat so sein Ding gemacht. Mit der Gründung der GmbH fing nach meinem Gefühl der Untergang an. Da ist mir die Sache aus den Händen geglitten. Irgendwann habe ich dann gesagt, ich kann das nicht mehr verantworten, obwohl ich mit Thomas Kalt ordentlich zusammengearbeitet habe.

Eine persönliche Verantwortung für das jetzige Desaster sehen Sie nicht?

Es war klar abgesprochen, wer was macht. Ich war für die sportlichen Belange und für die Repräsentanz verantwortlich, das Geschäftliche hat Thomas Kalt gemacht. Jeder wusste, dass das Kaufmännische nicht mein Ding ist. Ich habe natürlich auch mal nachgefragt: 'Was ist denn los?' Dann hat Thomas Kalt gesagt, stell doch mal eine Verbindung her zu dem und dem her. Das habe ich dann gemacht.

Haben Sie mit Thomas Kalt mal Verbindung gehabt?

Ich habe mal kurz mit ihm gesprochen. Er hat sich darüber beklagt, dass er keinen Einblick in die Bücher bekommt. Das ist alles ziemlich verworren.

Könnte Dieter Müller denn jetzt irgendwie helfen, einen guten Rat geben?

Der Herr Ruhl hat einmal meine Frau angesprochen und gesagt, ich sollte doch mal wieder zum Bieberer Berg kommen. Ich hätte doch einen guten Namen. Das will ich aber im Moment nicht. Ich will Abstand halten.

Wie geht es Ihnen eigentlich gesundheitlich?

Eigentlich ganz gut wieder. Ich will und darf mich nur nicht aufregen.

Bleiben Sie Offenbach noch länger fern?

Nein, in ein paar Tagen bin ich wieder zu Hause.

Wird man Dieter Müller irgendwann wieder bei einem Spiel der Kickers sehen?

Auch wenn ich die jetzt handelnden Personen kaum kenne. Mein Herz hängt immer noch an Offenbach.

Das Interview führte Jürgen Ahäuser

Auch interessant

Kommentare