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OFC-Trainer Barletta will das wieder hinkriegen.

Regionalliga

Offenbacher Offenbarungseid

Runderneuerte Kickers verlieren gleich mal völlig hilflos 0:3 beim VfR Aalen und steckt im Abstiegskampf - Trainer Barletta: „Wir haben viel Arbeit vor uns, aber, das verspreche ich, wir kriegen das wieder hin“.

Thomas Sobotzik war am Samstagnachmittag kurz vor der knapp dreistündigen Heimfahrt aus Aalen nach Offenbach nicht groß nach Reden und Analysieren zumute. Dem OFC-Geschäftsführer hatte die desolate Vorstellung der Kickers im ersten Spiel nach der Winterpause fast die Sprache verschlagen. Die 0:3-Niederlage im Nachholspiel hat alle Hoffnungen auf eine Besserung nach der desaströsen Hinrunde in nur 90 Minuten zunichte gemacht. Statt Aufbruchstimmung herrscht Abstiegsangst auf dem Bieberer Berg. „Wir müssen hart und viel arbeiten“, weiß Sobotzik, dass die Kickers trotz einer exzessiven Personalrochade den Schalter nicht einfach von unten nach oben umlegen können.

Im Gegenteil: Das 0:3 in Aalen hat die Zweifel an der Qualität dieser Mannschaft nochmals verstärkt. Der neue Trainer Angelo Barletta hatte vier der sechs Winterzugänge in die Startelf gestellt. Gespielt wurde aber der alte Stiefel, wie vor der Winterpause. Absolut harmlos in der Offensive, unkonzentriert mit viel zu vielen Ballverlusten, vor allem im Zentrum, anfällig bei Kontern, mit lahmendem Umschaltspiel.

Aalens Trainer Roland Seitz hatte die Kickers nicht einmal beobachtet, er wusste, wie sie leicht zu bespielen sind. „Wir wollten nicht mitspielen.“ Stattdessen zurückziehen, auf Ballverluste warten und dann schnell kontern. Schon nach zehn Minuten hätte es 3:0 stehen müssen. „Da hatten wir großes Glück“, sagte Barletta. „Nur Torwart Draband hat uns da im Spiel gehalten. Dann haben wir uns fast bis zur Halbzeitpause durchgeschleppt.“ Aber nur fast. Bei einem Eckball hatten die Kickers Raumdeckung versucht, für den aufgerückten Abwehrspieler Sakai fühlte sich niemand zuständig. Kopfball – 1:0.

Trainer Barletta ernüchtert

Taktisch und personell hätte Barletta schon in der Halbzeitpause einiges verändern können. Er beließ es bei einem Wechsel (Garic als Linksverteidiger für Schikora). Eine Änderung der Spielweise oder gar Lösung ergab sich nicht. Die Kickers hatten viel Ballbesitz (was von Aalen so gewollt war), aber keine einzige Torchance (was von Aalen so gewollt war). Die Pläne, über die beiden seitenverkehrt spielenden Außenangreifer Daghfous (als Rechtsfuß links) und Sekan Firat (als Linksfuß rechts) Abschlüsse zu kreieren, blieben im theoretischen Ansatz stecken. Hartmann, Hoppe und später Reinhard kamen im Strafraum gar nicht an den Ball. Aalens Torwart Bernhard musste in den 90 Minuten nicht ein einziges Mal ernsthaft eingreifen.

Angelo Barletta war nach seinem ersten Punktspiel als OFC-Trainer schon bedient und bewertete den Auftritt seiner Mannschaft schonungslos: „Das war wie Amateure gegen Profis, wie eine Schülermannschaft gegen eine gestandene Männermannschaft.“ Der Ex-Profi rätselte und grübelte, warum die Mannschaft nicht im Ansatz die „guten Leistungen aus der Vorbereitung“ bestätigen konnte. Am personellen Umbruch konnte es nicht liegen, denn bis auf Torwart Draband und Kapitän Vetter blieben alle Spieler weit hinter den Erwartungen zurück. Barletta muss schnell den Lösungsansatz für die Probleme finden. Zweifel, dass es nicht besser werden könnte, wischte Barletta kämpferisch schnell beiseite. „Wir haben viel Arbeit vor uns, aber, das verspreche ich, wir kriegen das wieder hin.“

Präsident Joachim Wagner sieht das Team jetzt in der Bringschuld: „Klar ist, dass wir jetzt die zwei kommenden Heimspiele gegen Bahlingen und Hoffenheim gewinnen müssen.“ So wie in der Hinrunde, als die Kickers nach diesen zwei 2:1-Siegen am fünften Spieltag ungeschlagen mit 13 Punkten Tabellenführer waren. Seitdem ist in Offenbach viel passiert – nur den Abwärtstrend konnte niemand stoppen.

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