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Sreto Ristic, OFC-Trainer.
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Sreto Ristic, OFC-Trainer.

Kickers Offenbach

Neuer Anlauf mit Hirn

Der neue Trainer Sreto Ristic soll den ambitionierten Offenbacher Kickers Halt geben und sie endlich nach ganz oben hieven.

So ganz hat sich Sreto Ristic, seit einer Woche Trainer bei Kickers Offenbach, noch nicht an die Größe seines neuen Arbeitgebers gewöhnt, ja sie nötigt ihm Respekt ab. „Wenn man hier vorfährt“, hat er unlängst gestaunt, „sieht man sofort, dass das mit Regionalliga nichts zu tun hat. Das kann einem Angst machen und erdrücken.“ Die Kickers seien „ein Riesenklub“. Aber natürlich erdrücke ihn das nicht und Angst habe er auch keine. Er sagt: „Ich bin hier, um Spiele zu gewinnen.“

Zuletzt ist das dem traditionell ambitionierten OFC weniger gut gelungen, gegen Aalen (0:2) und Balingen (0:1) setzte es unerwartete bittere Niederlagen, im jüngsten Freundschaftskick gegen Sonnenhof Großaspach gab es nach eigener 3:0-Führung nur ein 3:3, aber es hat ja einen Grund gegeben, Coach Angelo Barletta überraschend abzulösen.

Ristic hatte OFC-Geschäftsführer Thomas Sobotzik übrigens schon lange im Blick, beiden kennen sich aus gemeinsamen Zeiten beim Chemnitzer FC, im November 2019 hatte der Ex-Eintrachtler vorsichtig bei Ristic vorgefühlt. Der Zeitpunkt habe nicht gestimmt, erzählte Sobotzik, Ristic hatte seinerzeit gerade seine Ausbildung zum Fußballlehrer begonnen, die Wahl fiel folglich auf Barletta. Der Lehrgang in Serbien ist wegen der Pandemie weiterhin nicht abgeschlossen, die Abschlussprüfung in seinem Geburtsland steht für Ristic noch aus. Dennoch fühlt sich der 44-Jährige der Aufgabe beim OFC gewachsen.

Und die ist groß genug: Wenn das mit Regionalliga nichts zu tun hat und Barletta als Tabellenvierter freigestellt wurde, kann das Ziel für diese Saison eigentlich nur der Sprung in die Dritte Liga sein, bei aktuell vier Punkten Rückstand auf Platz eins. Und auch wenn Sobotzik spürbar darum bemüht ist, Druck vom Kessel zu nehmen, hat Präsident Joachim Wagner zwischen den Zeilen deutlich werden lassen: In dieser Saison gebe es keine Übermannschaft, zudem sei der Kader des OFC auf allen Positionen top besetzt, also sollte man „unbedingt die sich bietende Chance ergreifen“.

Und Ristic soll die dafür erforderlichen letzten Prozentpunkte aus dem Team herauskitzeln. „Das ist fast wie bei einer Zitrone, aus der man alles herausquetscht“, sagt der Geschäftsführer. Barletta traute man das nicht mehr zu und tauschte ihn aus. Der Neue bringe eine „natürliche Autorität“ sowie „Leidenschaft und Emotionalität mit, was in Offenbach sehr wichtig ist“, so Sobotzik. Eine Sache fehlt ihm aber: Erfahrung als Chefcoach. Bislang war Ristic lediglich Co-Trainer in der Regionalliga und Dritter Liga, zuletzt nur Scout. Seit rund einem halben Jahr habe er kein Training mehr geleitet, betonte er selbst.

„Sreto ist ein absoluter Fachmann und eine Persönlichkeit. Er war in den letzten Jahren in diversen Konstellationen sehr oft das Hirn hinter dem jeweiligen Cheftrainer“, lobte Sobotzik. Ristic habe „detailliert taktische Strategien entworfen und dem jeweiligen Team vermittelt“. Der gebürtige Serbe, der die Trainer-A-Lizenz hat, kam 1991 nach Deutschland. Für den VfB Stuttgart spielt er 47-mal in der Bundesliga und erzielte dabei fünf Tore. Weitere Stationen waren unter anderem Union Berlin und der SSV Ulm (zusammen 95 Zweitligaspiele/26 Tore). Später war er Co-Trainer bei den Stuttgarter Kickers, Preußen Münster und dem Chemnitzer FC (jeweils Dritte Liga) – unter anderem unter erfahrenen Chefs wie Benno Möhlmann und Horst Steffen.

Ristic fremdfinanziert

Nicht gerüttelt werden soll aber am Dreijahresplan, der den Aufstieg spätestens 2022 vorsieht. Sobotzik weiß natürlich, dass es ein gewagter Plan ist und sein Wirken auch daran gemessen wird, ob Ristic mehr Erfolg haben wird als Barletta. „Ein Trainerwechsel in der Saison ist stets ein großes Risiko“, sagte Sobotzik. Ristic solle dem Team einen „stärkeren Halt geben“. Der neue Coach hat eine klare Vorstellung vom künftigen Spielstil: „Wir wollen aktiv sein, viel Ballbesitz haben und das Spiel kontrollieren.“

Erstaunlich ist allerdings, dass der wirtschaftlich klamme OFC zwar mehr finanzielle Hilfe von Bund und Land fordert, auf Kurzarbeit verzichtete, sich aber dennoch die Verpflichtung eines neuen Trainerteams (mit Ristic kam sein Co-Trainer Marijan Kovacevic) und einen aufgeblähten Kader von 29 Profis leistet. Zudem soll Leon Schneider vom 1. FC Köln kommen. Auch das Team ums Team ist keineswegs klein, umfasst neben dem Chefcoach und dessen Assistenten auch Scout Ramon Berndroth, Torwarttrainer Rene Keffel sowie Teammanager Bernd Winter. Nach Informationen der „Offenbach-Post“ sollen Ristic und Kovacevic bis Rundenende fremdfinanziert sein, die Kontrakte von Barletta und seinem Co Dennis Bochow laufen im Sommer aus.

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